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1. FC Köln bleibt auf Verbandsstrafe sitzen: Fan kann dieses Risiko nicht erkennen

21.12.2015

Der Böllerwurf eines Fans und ein paar Vorfälle mehr bedeuteten für den 1. FC Köln eine Verbandsstrafe in fünfstelliger Höhe. Der Zuschauer muss sich in diesem Fall an der Strafe jedoch nicht beteiligen.

Ein Fan des 1. FC Köln muss dem Verein die vom Deutsche Fußballbund (DFB) auferlegte Verbandsstrafe nicht erstatten. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Köln entschieden (Urt. v. 17.12.2015). Der Fan hatte bei einem Spiel der Fußballclubs einen Knallkörper auf eine Tribüne geworfen. Unter anderen wegen dieses Vorfalls hatte der DFB gegen den Verein eine  Verbandsstrafe in Höhe von insgesamt 50.000 Euro verhängt.

Im Februar 2014 hatte der beklagte Zuschauer bei einem Heimspiel der Fußballclubs gegen den SC Paderborn einen Knallkörper gezündet und diesen auf den Unterrang der Nordtribüne geworfen. Zumindest 30.000 Euro wollten sich die Kölner von dem Fan erstatten lassen.

Anders als die Vorinstanz lehnte der Senat diesen Anspruch ab. Der Mann habe zwar durch sein Verhalten seine Pflichten aus dem mit dem Verein geschlossenen Zuschauervertrag verletzt. Auch habe das Zünden des Knallkörpers adäquat kausal die Verhängung der Verbandsstrafe für den Verein nach sich gezogen.

DFB-Regeln zu komplex für Zuschauer

Für eine Haftung fehle es jedoch am erforderlichen Zurechnungszusammenhang zwischen der verletzen Vertragspflicht und dem eingetretenen Schaden. Zwar hätten Zuschauer die Pflicht, Spielstörungen wie das Zünden von Knallkörpern zu unterlassen. Doch die Vertragspflichten dienten nicht dem Zweck, den Fußballverein vor Verbandsstrafen als Saktion nach derartigen Vorfällen zu schützen.

Möglicherweise sei dem Fan nicht entgangen, dass der DFB dem Verein bei entsprechenden Vorfällen eine Verbandsstrafe auferlegen könne. Es gehe jedoch zu weit, anzunehmen, dass der Mann dieses Risiko als Zuschauer bewusst übernommen habe. Dazu seien die Satzung, die Rechts- und die Verfahrensordnung des DFB, auf deren Basis die Verbandsstrafe erlassen werde, zu komplex. Deren mögliche finanzielle Folgen dürften sich dem durchschnittlichen Zuschauer kaum erschließen, so die Richter.

Sofern die weitere Rechtsprechung im Gegensatz dazu überwiegend eine Haftung des störenden Zuschauers bejahe, so die OLG-Richter weiter, setzten sich diese Entscheidungen nur zum Teil mit der Frage des Zurechnungszusammenhangs auseinander bzw. seien die zugrunde liegenden Konstellationen von anderen Interessenlagen geprägt.

Die Entscheidung des Oberlandesgerichts ist noch nicht rechtskräftig. Der Senat hat die Revision zugelassen.  

ahe/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

1. FC Köln bleibt auf Verbandsstrafe sitzen: Fan kann dieses Risiko nicht erkennen . In: Legal Tribune Online, 21.12.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17941/ (abgerufen am: 22.11.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 21.12.2015 18:41, Dr. Norbert Fischer

    OK, zivilrechtlich ist das möglicherweise vertretbar. Wie sieht es strafrechtlich aus? Der Fan hat doch zumindest mit dem Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung zu rechnen - ansonsten wäre der ganze Fall doch eine Aufforderung zum Böllerwerfen im Stadion.

  • 21.12.2015 19:28, Klaus Thaler

    An Naivität kaum zu überbieten. Möglicherweise haben die entscheidenden Richter beim nächsten Stadionbesuch die Absicht, selbst Böller zu werfen. Außerdem geht so eine möglicherweise abschreckende Wirkung eines solch unverantwortlichen Verhaltens von den als "Fußballfans" bezeichneten Dumpfbacken verloren.
    Den Vereinen werden Pflichten auferlegt, aber die Mittel aus der Hand geschlagen um die Folgen an die Verursacher weiterzuleiten.
    Diese Entscheidung wird dem OLG hoffentlich um die Ohren fliegen.

  • 21.12.2015 22:17, Kurt Gulden

    Sehr richtiges Urteil! Die Verbandsstrafe soll den Verein zu geeigneten Sicherheitsmaßnahmen anhalten und nicht den Einzelnen bestrafen. Die Strafe ist ja der Höhe nach auch erkennbar am Geldbeutel des Vereins orientiert. Für einen Einzelnen wäre das eine völlig unangemessene Sanktion.

  • 22.12.2015 09:32, Gary

    Nahezu jedem Stadionbesucher ist bekannt, dass bei Zünden von Böllern und Pyrotechnik sowie bei Würfen von Gegenständen und Ausschreitungen, die Vereine mit hohen fünf bis sechsstelligen Beträgen sanktioniert werden. Das Urteil des OLG Köln hat Signalwirkung und kommt einem Freifahrtschein für Chaoten gleich.

  • 22.12.2015 12:30, R.S.

    "Deren mögliche finanzielle Folgen dürften sich dem durchschnittlichen Zuschauer kaum erschließen, so die Richter." Demnach sind die Vereine angehalten, dafür zu sorgen, dass sich dem durchschnittlichen Zuschauer die finanziellen Folgen in Zukunft erschließen und dann klappt es auch mit dem Schadenersatz. Werbebanden sind ja genug vorhanden, das sollte nicht zu übersehen sein ;)

  • 22.12.2015 14:19, Kurt Gulden

    Wie gesagt: m.E. müssten die Verbandsstrafen drastisch gesenkt werden, wenn sie letztendlich nicht den Verein, sondern den Einzelnen treffen sollen. Das hat nichts mit Erlauben zu tun, sondern mit Angemessenheit der Höhe nach einer dem Grunde nach gerechtfertigten Bestrafung (wenngleich über den Umweg Schadensersatz).

  • 22.12.2015 21:12, zweifler

    warum nicht 50.000 je für den verein UND den täter? ohne abschreckende wirkung wird man die chaoten, die alle fussballfans in verruf bringen, nicht in den griff kriegen...