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OLG Frankfurt: Bei Ver­lassen des Rad­wegs haftet der Rad­fahrer mit

25.01.2012

Ein Fahrradfahrer, der statt eines ausgeschilderten Radweges eine parallel verlaufende Straße benutzt, haftet nach einem am Mittwoch bekannt gewordenen Urteil des OLG grundsätzlich mit. Ein eigens ausgeschilderter Radweg müsse auch benutzen werden.

Nutze der Radfahrer trotz eines Radweges die Straße, handele er letztlich auf eigenes Risiko (Urt. v. 28.10.2011, Az. 24 U 34/11).

Das Oberlandesgericht (OLG) gab damit der Schadensersatzklage eines Radfahrers nur zur Hälfte statt. Dieser fuhr mit seinem Rennrad statt auf dem parallel verlaufenden Radweg auf einer Straße, als er auf einer Ölspur ausrutschte. Er verlangte von dem Autofahrer, dessen Wagen die Ölspur hinterlassen hatte, vollen Schadenersatz.

Dem folgten die Frankfurter Richter jedoch nicht. Der Rennradfahrer habe seinen Sturz mit verschuldet. Hätte er den Radweg benutzt, wäre es nie zu dem Unfall gekommen.

dpa/tko/LTO-Redaktion

 

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Zitiervorschlag

OLG Frankfurt: Bei Verlassen des Radwegs haftet der Radfahrer mit . In: Legal Tribune Online, 25.01.2012 , https://www.lto.de/persistent/a_id/5395/ (abgerufen am: 26.05.2019 )

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Kommentare
  • 26.01.2012 18:54, O. Lux

    Vorm 1/2en Jahrhundert war ich mal Amateur-Radrennfahrer, heute habe ich nur noch ein Leichtbau/Renn-MTB, welches mir zum Rennen, Biken und für Stadtfahrten dient. Vor diesem Hintergrund frage ich:
    Haben Richter überhaupt eine Ahnung, wie schnell ein Radrennfahrer ist? Und auch warum Radrennfahrer den gebotenen Radweg verlassen?
    Ich meine:
    Wir haben doch 0 Probleme damit, in der Stadt 50km/h zu fahren. Wie sollen wir die denn auf dem Radweg fahren? Denn die Radwege in der Stadt verlaufen direkt an den Fußgängerweg angrenzend! Und die geteerten Radwege werden von den Fußgängern besonders bevorzugt! Vielfach deswegen, weil die Fußgängerwege mit Steinen gepflastert sind, über die keine Stöckelabsätze gehen können. Es ist also nicht so, daß wir freiwillig die Radwege verlassen und auf die Straße ausweichen, sondern es ist so, daß wir durch die Fußgänger, die unseren Radweg beschlagnahmen, dazu genötigt werden!!!
    Schon mal drüber nachgedacht?

    Ich selbst habe im vergangenen Jahr auf dem Radweg 2 Unfälle hinter mir,
    einmal kam aus einer Hausausfahrt ein Cherokee raus, der keine Rücksicht auf meine Vorfahrt nahm und
    andermal ist mir eine 17-jährige ins Rad gelaufen.
    Dazu meine ich:
    Das wäre mir nicht passiert, wenn ich die Straße benutzt hätte!!!
    Unsere größten "Feinde" sind die Fußgänger!!!
    Hier ist eine Lösung notwendig!
    Wir Radrennfahrer sind keine bösen Buben.
    Womit ich letztendlich sagen will, die halbe Schuld des Radrennfahrers ist viel zu hoch gegriffen, mit einem Viertel könnte ich aber locker leben.

  • 27.01.2012 20:49, Uwe Weineck

    Der Kommentar meines Vorgängers macht deutlich: Recht wird von bestimmten Verkehrsteilnehmergruppen oft anders gesehen als von Juristen. Sicher kann man für den Strassenverkehr einen Formel-Eins-Rennwagen verkehrstüchtig umrüsten (analog zum Rennrad), trotzdem: Im Normalverkehr Renntempo fahren? Dummerweise hat der Verordnungsgeber "Gegenseitige Rücksicht und Vorsicht" als Maßstab für das Verkehrsrecht gesetzt und nicht Siegerpunkte für den Rennsport.

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