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OLG Nürnberg zu verletzter Zuschauerin bei Eishockey-Spiel: Fans müssen vor Pucks geschützt werden

17.09.2015

Veranstalter von Eishockeyspielen sind zu Schadensersatz verpflichtet, wenn Zuschauer durch den Puck verletzt werden. Ein Verweis auf eine eingehaltene DIN-Norm entlastet den Veranstalter nicht.

Das Landgericht (LG) Regensburg hatte Anfang des Jahres entschieden, dass die Straubing Tigers GmbH als Veranstalter eines Eishockey-Spiels zum Schadensersatz verpflichtet ist, wenn ein Zuschauer im Stadion durch einen Puck verletzt wird (Urt. v. 18.03.2015, Az. 3 O 1702/10). Wie nun bekannt wurde, hat der zuständige Senat des Oberlandesgerichts (OLG) Nürnberg mit einem gerichtlichen Hinweis vom 6. Juli 2015 klargestellt, dass er dieser Meinung folgt (Hinw. v. 06.07.2015, Az. 4 U 804/15).

Im November 2008 war eine Zuschauerin bei einem Spiel der Straubing Tigers in der Deutschen Eishockeyliga durch einen Puck am Kopf getroffen und schwer verletzt worden. Sie wollte daraufhin gerichtlich festgestellt haben, dass die Straubing Tigers GmbH als Veranstalterin verpflichtet ist, ihren materiellen und immateriellen Schaden zu ersetzen.

Die Straubing Tigers GmbH hatte sich unter anderem darauf berufen, dass bei der Ausgestaltung des Stadions, bei dem an den Längsseiten des Spielfelds zu den Zuschauerrängen hin keine Schutznetze angebracht sind, die für Eishockey-Stadien maßgebliche DIN-Norm 18036 eingehalten sei.

Puck im Zuschauerbereich kein singuläres Ereignis

Der zuständige Senat am OLG stellte aber klar, dass er der Auffassung der Vorinstanz folgen wird. Der Veranstalter eines Eishockey-Spiel könne sich zumindest dort, wo konkrete Risiken für die Zuschauer bestehen, nicht durch Verweis auf die Einhaltung der DIN-Normen entlasten könne.

Zwar müsse der Veranstalter eines Sportereignisses nicht jeder denkbaren Gefahr vorbeugend begegnen. Dass ein Puck im Zuschauerbereich lande, sei aber kein singuläres Ereignis. Vielmehr handle es sich um einen immer wieder vorkommenden Vorgang. Deshalb bestehe ungeachtet einer dahingehenden DIN-Vorschrift die Verpflichtung, Zuschauer davor zu schützen, dass sie durch aus dem Spielfeld fliegende Pucks verletzt werden.

Zu Recht habe das Landgericht deshalb eine Haftung des Veranstalters bejaht. Die Beklagte hat ihre Berufung auf den Hinweis des Senats hin zurückgenommen. Das Urteil des LG Regensburg ist damit rechtskräftig.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

OLG Nürnberg zu verletzter Zuschauerin bei Eishockey-Spiel: Fans müssen vor Pucks geschützt werden . In: Legal Tribune Online, 17.09.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16918/ (abgerufen am: 30.10.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 17.09.2015 20:06, Eishockeyfan

    Wir näjhern uns strammen Schrittes amerikanischen Verhältnissen.
    Wer ein Eishockeyspiel besucht weiß was er tut & eben weil öfters ein Puck aus dem Rink fliegt muss den Klägern klar gewesen sein das man aufpassen muss.
    Die aktuelle Rechtslage ist ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Juristen!

    • 17.09.2015 23:12, Werner Gretzky

      Mit nur "aufpassen" ist es nicht getan; wenn ein Puck mit hoher Geschwindigkeit angeflogen kommt, ists mit Ausweichen nicht so weit her (es sind auch bspw. ältere Besucher im Stadion, deren Reaktion nachlässt - dürfen die Ihrer Meinung nach nicht mehr zum Spiel?).
      Ohnehin müsste man als Zuschauer nach Ihrer Lösung ständig gezwungen sein, den Puck zu fixieren, falls der in die Ränge geschossen wird. Als Stadionbesucher schaut man aber auch mal gerne irgendwo anders hin, als dort, wo gerade der Puck ist.
      Dass man mit zumutbaren Mitteln vor solch naheliegenden Gefahren geschützt werden muss, sollte einleuchten und hat nichts mit "amerikanischen Verhältnisses" zu tun.

    • 18.09.2015 00:29, K.O.

      Anscheinend haben Sie noch nie Eishockey geschaut und kennen diese Sportart vermutlich nur vom Hören-Sagen oder aus der Zeitung. Versuchen Sie mal den Puck nach einem Schlagschuss zu folgen? - Das schafft in den meisten Fällen noch nicht einmal der Torwart. Nicht umsonst gibt es elektronische Hilfsmittel, um erkennen zu kennen, ob der Puck nun im Tor war oder nicht. Aber der ungeübte Zuschauer (egal, ob Mann, Frau, Kind, jung oder alt, fit oder untrainiert, mit oder ohne Sehschwäche, usw. usf.) hinterm Tor muss den Puck jederzeit erkennen können und im Bruchteil einer Sekunde ausweichen, auch wenn um ihn herum kein Platz ist??
      Aber Sie(!) schaffen das bestimmt, einen Puck mit einer Geschwindigkeit von bis zu ca. 48 m/s bzw. ca. 175 km/h (https://de.wikipedia.org/wiki/Schlagschuss) auf kurzer Distanz (unter 50m) auszuweichen - auch wenn die menschliche Reaktionszeit im Durchschnitt bei ca. 1 Sekunde liegt (https://de.wikipedia.org/wiki/Schrecksekunde). Sie haben bestimmt besondere biologische Fähigkeiten.

      Übrigens: Ein Netz hinter dem Tor aufzuspannen ist doch für die Beklagte ohne großen Aufwand zu realisieren.

      Ihre Meinung ist somit realitätsfremd und entbehrt jeden Funken gesunden Menschenverstandes.
      Diese Rechtsprechung wird keine Arbeit für Juristen bedeuten, wenn die Veranstalter etwas mehr in die Sicherheit investieren (hier: Netz installieren, fertig).

  • 18.09.2015 09:54, Cage_and_Fish

    Bitte die Entscheidung und die Meldung lesen! Es ging darum, dass an den _Längsseiten_ keine Netze sind. Da kann man sich tatsächlich darüber streiten, ob das eine abzusehende Gefahr darstellt.

  • 19.09.2015 14:15, Eishockeyfan

    Wenn ein Urteil bei juristischen Laien derart ablehnend aufgenommen wird: http://www.esbgforum.de/index.php?thread/19407-urteil-zuschauer-eines-eishockey-spiels-m%C3%BCssen-vor-pucks-gesch%C3%BCtzt-werden/
    sollten sich die Juristen überlegen ob ihr Tun noch vermittelbar ist. Ich sag das wohl wissend das sich die Organe der Rechtspflege hier zu Lande durchaus selbst genügen. Als Bürger bleibt einem des öfteren nur das Zitat von RA L. Thoma!

  • 19.07.2016 15:32, Nordlicht

    Bullshit Entscheidung.
    Hier geht's um die Längsseiten des Spielfelds. Hier hängen keine Netze. Der Zuschauer, der Karten dieser teuersten Kategorie kauft, wird kaum ein sichtbehinderndes Netz in Kauf nehmen. Im Übrigen fliegen die Pucks mit über 100km/h in Richtung der Tore. Für die Leute, die denken, beim Eishockey geht's nur um Prügeln und Zerstörung: Das Ziel ist, den Puck im Tor unterzubringen ;-)
    Hinter den Torseiten des Spielfelds sind daher sehr wohl Netze oberhalb des Plexiglases gespannt. Wenn ein Puck über die Bande auf der Längsseite geht, passiert das in aller Regel deutlich geschwindigkeitsärmer. M.E. keine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht des Beklagten.