Online-Apotheke Doc Morris unterliegt vor LG Mosbach: Keine Arzn­ei­mittel auf Knopf­druck

15.02.2018

Das Geschäftsmodell der Online-Apotheke Doc Morris ist rechtswidrig, meint das LG Mosbach. Arzneimittel dürften nur in einer Apotheke verkauft werden. Damit torpedierte man bereits zum zweiten Mal eine Verkaufspraxis des Unternehmens.

Arzneimittel dürfen grundsätzlich nur in Apotheken verkauft werden, das schreibt § 43 Arzneimittelgesetz (AMG) klar vor. Was das für eine Online-Apotheke bedeutet, die ihre Produkte vor Ort verkauft, hat nun das Landgericht (LG) Mosbach präzisiert. Mit seiner Entscheidung vom Donnerstag untersagte es dem niederländischen Unternehmen Doc Morris, wie bisher in Deutschland Medikamente zu verkaufen (Urt. v. 15.02.2018, Az. 4 O 37/17 u. a.).

Geklagt hatte die Konkurrenz: Vier Apotheker und ein Verband wandten sich gegen das Geschäftsmodell der Online-Apotheke, die im beschaulichen 2000-Einwohner-Städtchen Hüffenhardt in Baden-Württemberg eine Art Lagerverkauf eingerichtet hatte. Per Videochat konnten sich die Kunden zunächst online beraten lassen, anschließend gaben die Angestellten der Apotheke in den Niederlanden die Arzneimittel frei.

An sich scheint das Vorgehen zunächst einmal korrekt, der Kunde bekommt seine Medikamente schließlich, wie gewöhnlich, erst nach Beratung und Freigabe durch eine Apotheke. Das Problem, welches nun aber das mit der Unterlassungsklage der Konkurrenten befasste LG Mosbach sah, lag eher im Detail: Die Medikamente würden nämlich genau genommen gar nicht in einer Apotheke verkauft, was das AMG aber gerade vorschreibt.

Arzneimittelverkauf muss in Apotheke erfolgen

Bei der Arzneimittelabgabestelle in Hüffenhardt handele es sich nicht um eine Apotheke, allerdings würden die Medikamente dort gelagert und auch der eigentliche Verkauf erfolge erst dort - gleich, ob die Freigabe aus den Niederlanden erfolge.

Alleine der Umstand, dass die Arzneimittel nach einem Videochat freigegeben würden, mache deren Abgabe nicht zum Apotheken-Versandhandel, der ebenfalls erlaubt ist. Hier erfolge die Abholung der Arzneimittel schließlich an dem Ort, an dem die Medikamente gelagert seien - dem Lager in Hüffenhardt. Dort werde auch erst der Kauf getätigt, weshalb es sich dabei nicht um eine reine Abholstation handele, wie sie im Versandhandel vorkommen kann. Eine ähnliche Argumentation hatte das Gericht schon im vergangenen Jahr verfolgt, als es Doc Morris den Vertrieb von Medikamenten über einen Automaten untersagte.

Das Geschäftsmodell von Doc Morris verstoße somit gegen das AMG und sei zudem auch wettbewerbswidrig, urteilte das LG. Aus diesem Grund untersagte es dem Unternehmen, weiter Arzneimittel auf diese Weise zu vertreiben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, beide Parteien können mit der Berufung dagegen vorgehen.

mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Online-Apotheke Doc Morris unterliegt vor LG Mosbach: Keine Arzneimittel auf Knopfdruck . In: Legal Tribune Online, 15.02.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27059/ (abgerufen am: 19.10.2018 )

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Kommentare
  • 15.02.2018 14:58, bergischer löwe

    Ja, ja, das für seine Entscheidungen weltbekannte LG Mosbach! Mal wieder ein Treffer ins Schwarze.

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  • 15.02.2018 15:06, Aha

    Wie mir scheint, gibt es in jedem Bundesland ein herausragendes Landgericht. Ich beglückwünsche Baden-Württemberg dazu.

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  • 15.02.2018 17:35, RA Tobi

    Weltklasse! "Geklagt hatte die Konkurrenz: Vier Apotheker und ein Verband"...
    DocMorris der Alptraum aller Apotheker... :-)
    Fehlt jetzt eigentlich nur noch der obligatorische Satz des Gesundheitsministers: Online Handel mit Medikamenten zerstöre die Apotheken im ländlichen Raum und gehöre generell verboten.
    Blöd ist nur, dass dadurch nicht eine Apotheke mehr in den ländlichen Räumen aufmachen wird, aber das ist ja der Lobby egal...

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    • 15.02.2018 21:04, Ignatz

      Durch die Online-Apotheke bzw. den Versand habe ich als Berufstätiger überhaupt die Möglichkeit an normale Medikamente (Erkältung, Sportverletzung etc.) zu kommen. Die utopisch seltsamen Öffnungszeiten der Apotheken hier auf dem Land sind wohl nur an Rentner oder Muttis ausgerichtet. Als berufstätiger Single habe ich da keine Chance.

  • 16.02.2018 09:22, Juristin

    @Ignatz:
    Muttis gehen auch manchmal arbeiten, Sie Sexist! Ich bin mehrfache Mutter und komme in der Regel auch erst nach Ladenschluss nach Hause. Aufwachen! Wir haben 2018!

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    • 16.02.2018 12:27, Justitia

      Viele Männer zeigen sich hier sehr frauenfeindlich, Juristin. Suche Sie sich eine andere Spielwiese. Ich kann auch verstehen, warum sich immer mehr junge Frauen im häuslichen Bereich zu Notwehrexzessen gezwungen sehen.

    • 16.02.2018 16:16, Sabine

      @Juristin: Sie schreiben das um 09:22 an einem Werktag. Entweder arbeiten Sie tatsächlich nicht oder Sie nehmen Ihre Arbeit nicht ernst. Geradezu grotesk dann hier jemanden (dessen wahres Geschlecht Sie nicht kennen) erstmal Sexismus vorzuwerfen. So ziehen Sie das ganze nur ins Lächerliche.

    • 16.02.2018 16:44, Iggi

      @Juristin

      Sie könnten ja auch den Gegenbeweis antreten, und nachweisen, dass die Mehrheit der älteren Frauen mit Kindern an einem Werktag tagsüber nicht die üblichen Öffnungszeiten der Apotheken auf dem Land wahrnehmen können. Als Juristin wäre das ja mal Handwerkszeug. Hapert es damit eventuell? Oder Sie nehmen nicht jeden Kommentar so bierernst. Was 2018 damit zu tun haben soll erschließt sich mir auch nicht. Zur Zeit meiner Kindheit in der DDR waren sehr viele Muttis arbeiten, ich würde behaupten sogar mehr als jetzt. Das mag im Westen anders gewesen sein oder noch so sein. Ist mir aber auch egal, da mich Vorpommern interessiert und nicht Wattenscheid-Ost - wobei da die Öffnungszeiten wegen der Stadt dort im Ruhrsiff ggf. anders sind.

      Ob Sie an Tagen, an denen Sie die Regel haben, nach Ladenschluss zu Hause sind, interessiert mich dagegen überhaupt nicht.

    • 09.04.2018 13:45, Chris

      @Juristin: Hauptsache was gesagt. Statistisch gesehen sind mehr Frauen in einer Teilzeitbeschäftigung und sehen sich daher eher in der Lage eine Apotheke aufzusuchen als jemand der von morgens 8 bis abends 6 auf Arbeit ist.

      Diese Konstante der Opfer-Rolle, egal ob Geschlecht, Angestelltenverhältnis, Religion, oder was auch immer... immer nur am motzen. "ICH FÜHLE MICH HIERDURCH ANGEGRIFFEN..." Euch gehts echt zu gut. Anderswo verhungern Kinder und Menschen sterben im Krieg und hierzulande hat man nichts besseres zu tun als Internetpolizei zu spielen. Zum Kotzen!

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