Veranstaltung zu "Sexualität und Recht": Kachel­mann atta­ckiert Schwarzer nach Vor­trag*

10.02.2017

Wettermoderator Jörg Kachelmann hat am Donnerstagabend überraschend Alice Schwarzers Vortrag an der Uni Köln über das Sexualstrafrecht besucht und sich zu Wort gemeldet. Mit ihm dabei: Strafverteidiger Johann Schwenn.

Der Umgang von Justiz und Medien mit Strafverfahren wegen Sexualdelikten war am Donnerstag Thema an der Universität zu Köln. Die Vorlesungsreihe "Sexualität und Recht" von Juniorprofessorin Dr. Elisa Hoven vom Institut für Strafrecht und Strafprozessrecht fand am Abend ihr Ende.

Zum Abschluss sprach Frauenrechtlerin Alice Schwarzer über "(Sexual)Gewalt gegen Frauen und Recht", auch vor den Augen prominenter Zuhörer, wie sich im Laufe ihres Vortrags noch zeigen sollte. Mittendrin, so melden die Kölner Lokalmedien ksta und express, habe Jörg Kachelmann, der in den Zuschauerreihen Platz genommen hatte, das Wort ergriffen. "Ich haben meinen Namen oft gehört […]", wird er zitiert. Auf Schwarzers Frage, wer er sei, habe sich der Wettermoderator dann zu erkennen gegeben.

Fotos und Videomitschnitte, die in sozialen Netzwerken kursieren, dokumentieren die Anwesenheit Kachelmanns. Auch er selbst veröffentlichte ein Foto auf Twitter, welches ihn in der Aula des Hauptgebäudes der Universität zeigt. Neben ihm sitzend: Rechtsanwalt Johann Schwenn**, der Kachelmann im Prozess am Landgericht (LG) Mannheim gegen die ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe verteidigt hatte. Das Gericht hatte Kachelmann 2011 letztlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Alice Schwarzer hatte über den Prozess für die Bild berichtet. Nach seinem Freispruch führte Kachelmann mehrere zivilrechtliche Verfahren, um Schadensersatzansprüche wegen vorverurteilender Berichterstattung durchzusetzen. Seiner Klage gegen den Axel-Springer-Verlag gab das Oberlandesgericht (OLG) Köln statt und sprach ihm eine Entschädigung in Höhe von fast 400.000 Euro zu.

Pfiffe und Buh-Rufe gegen Kachelmann

Über den Fall des ehemaligen ARD-Moderators sprach Schwarzer auch am Donnerstagabend. Laut ksta habe sie ihn als idealtypischen Beleg für ihre Kritik an deutscher "Täterjustiz" im Sexualstrafrecht herangezogen und von einer Übermacht der Gutachter zu Lasten der fast immer weiblichen Opfer gesprochen. Kachelmann soll hierauf dann selbst das Wort ergriffen haben. Fotos zeigen ihn mit einem Mikrofon in der Hand.

Einleitend habe er darauf hingewiesen, selbst Opfer eines Verbrechens geworden zu sein und dass es auch weibliche Verbrecherinnen gebe, womit er seine ehemalige Freundin Claudia D. gemeint habe. Diese hatte ihn wegen sexueller Nötigung beschuldigt und so das Strafverfahren in Gang gesetzt. Auch die Entscheidung des OLG Frankfurt aus dem vergangenen Jahr erwähnt Kachelmann. Das Gericht habe "zweifelsfrei" festgestellt, dass Claudia D. eine Lügnerin sei, wird er zitiert. Die Frankfurter Richter hatten Claudia D. zur Zahlung von 7.000 Euro verurteilt.

Sein Auftritt in Köln soll von Pfiffen und Buh-Rufen aus Teilen des Publikums begleitet worden sein. Dem express zufolge hat Kachelmann gesagt: "Es gibt hier drin nur eine verurteilte vorbestrafte Täterin und die sitzt hier vorne!"

Nach seinen Ausführungen habe auch Anwalt Johann Schwenn das Wort ergriffen und erneut ein Plädoyer für seinen Mandanten vorgetragen. Alice Schwarzer nannte die Anwesenheit der beiden im Anschluss "eine Ehre". "So tief sitzt das, so ein leidenschaftliches Ding ist das, dass die beiden Herren eigens aus Hamburg und Zürich anreisen", so Schwarzer in einem Videomitschnitt. Sie sei "irgendwie – ganz im Ernst – davon auch gerührt."

una/LTO-Redaktion

*Titel nach Klarstellung der Beteiligten korrigiert, am Tag der Veröffentlichung, 13:12 Uhr.

**Korrektur des falschen Vornamens, am Tag der Veröffentlichung, 12:01 Uhr.

Zitiervorschlag

Veranstaltung zu "Sexualität und Recht": Kachelmann attackiert Schwarzer nach Vortrag* . In: Legal Tribune Online, 10.02.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22059/ (abgerufen am: 10.08.2022 )

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