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BFH zu haushaltsnahen Dienstleistungen bei Haustieren: Fellpf­lege von der Steuer absetzbar

25.11.2015

Was in hinreichend nahem Kontext zur Hausarbeit steht, kann bei der Steuer begünstigt werden. Das gilt daher auch für die Versorgung eines Haustieres, entschied der BFH.

Die Versorgung und Betreuung eines im Haushalt des Steuerpflichtigen aufgenommenen Haustieres kann als haushaltsnahe Dienstleistung nach § 35a Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) begünstigt sein. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden (Urt. v. 03.09.2015, Az: VI R 13/15).

Die Kläger hatten während des Urlaubs ihre Hauskatze von der "Tier- und Wohnungsbetreuung A" in ihrer Wohnung betreuen lassen. Hierfür war ihnen ein Betrag in Höhe von 302,90 Euro in Rechnung gestellt worden. Die Rechnungen beglichen die Kläger im Streitjahr 2012 per Überweisungen.

In ihrer Einkommensteuererklärung beantragten sie für diese Aufwendungen eine Steuerermäßigung nach § 35a EStG. Danach ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer um 20 Prozent - höchstens 4.000 Euro - der Aufwendungen des Steuerpflichtigen für die Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen.

Das Finanzamt versagte den Klägern den beantragten Steuervorteil. Es berief sich auf eine Verwaltungsanweisung des Bundesministeriums für Finanzen (Schreiben vom 10.01.2014, BStBl I 2014, 75). Danach sei u.a. für Tierbetreuungskosten keine Steuerermäßigung nach § 35a EStG zu gewähren.

Haushaltsnahe Leistung ist auch die Versorgung des Tieres

Dem ist wie zuvor das Finanzgericht nun der BFH entgegen getreten. Die Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen nach § 35a EStG sei zu gewähren, wenn die in Anspruch genommene Leistung eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweise oder damit im Zusammenhang stehe.

Davon sei insbesondere bei hauswirtschaftlichen Verrichtungen, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts oder entsprechend Beschäftigte erledigt würden und in regelmäßigen Abständen anfielen, auszugehen. Deshalb sei auch die Versorgung und Betreuung eines im Haushalt des Steuerpflichtigen aufgenommenen Haustieres eine haushaltsnahe Dienstleistung. Denn Tätigkeiten wie das Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Tieres oder im Zusammenhang mit dem Tier erforderliche Reinigungsarbeiten fielen regelmäßig an und würden typischerweise durch den Steuerpflichtigen selbst oder andere Haushaltsangehörige erledigt.

tap/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

BFH zu haushaltsnahen Dienstleistungen bei Haustieren: Fellpflege von der Steuer absetzbar . In: Legal Tribune Online, 25.11.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17646/ (abgerufen am: 22.04.2019 )

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Kommentare
  • 25.11.2015 21:11, zweifler

    Kann mir irgendwer hier schlüssig darlegen, warum überhaupt "haushaltsnahe Dienstleistungen" steuerlich absetzbar sind? Die FRage ist ernst gemeint. Ich verstehe es nicht.

    • 25.11.2015 23:20, Lionel Hutz

      "Absetzbar" (z.B. als Sonderausgaben) ist da eh nichts. Vielmehr kann ein Teil der Lohnkosten (20% bis zu max. 4.000 EUR p.a.) direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Das ist für Besserverdiener deutlich schlechter als eine "Absetzbarkeit" dieser Beträge (dann würden Sie ja eine Steuerersparnis im Bereich des Grenzsteuersatzes statt nur 20% haben), aber immer noch gut genug, als der Gesetzgeber erwartet, dass legale Beschäftigung zunimmt da das nur mit Rechnung und unbarer Zahlung funktioniert.

    • 26.11.2015 08:28, .

      Der Bürger soll einen Anreiz erhalten bzw. dafür belohnt werden, eine Rechnung (inklusive Ausweis der Lohnkosten) zu verlangen und den Rechnungsbetrag per Überweisung zu zahlen, um so eben an der Bekämpfung der sonst (gerade in diesem Bereich) leider weitverbreiteten Schwarzarbeit/Steuerhinterziehung mitzuwirken. Man kann aber sicherlich darüber diskutieren, ob es ein taugliches und sinnvolles Mittel zur Erreichung dieses Zwecks ist.

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