ArbG Frankfurt zu Kündigung wegen politischer Inkorrektheit: "Neger­kuss" bes­tellt – fristlos ent­lassen

20.07.2016

Zehn Jahre im Betrieb, nie gab es Beschwerden über ihn. Bis er in der Kantine einen "Negerkuss" bestellte – bei einer Frau aus Kamerun. Die daraufhin ausgesprochene fristlose Kündigung war unverhältnismäßig, entschied das ArbG Frankfurt.

 

Weil er in der Kantine einen "Negerkuss" bei einer aus Kamerun stammenden Frau bestellte,  hat das Reiseunternehmen Thomas Cook einen langjährigen Mitarbeiter fristlos entlassen. Zu Unrecht, wie das Arbeitsgericht (ArbG) Frankfurt nach Mitteilung vom Dienstag entschied (Urt. v. 13.07.2016, Az. 15 Ca 1744/16). Das Vorgehen des Arbeitgebers sei unverhältnismäßig. Über den Fall hatte zuvor die Bild-Zeitung berichtet. Der Zuckerschaum mit Waffel und Schokoüberzug wird heute als Schokokuss bezeichnet.

Da der Mann aus dem mittleren Management mehr als zehn Jahre ohne Beanstandungen gearbeitet habe, sei ohne vorherige Abmahnung weder eine außerordentliche fristlose noch eine ordentliche Kündigung gerechtfertigt, befand das Arbeitsgericht. Ein Thomas-Cook-Sprecher sagte, man werde vor weiteren Schritten die schriftliche Urteilsbegründung abwarten. Es habe sich aber um keinen einmaligen Vorfall gehandelt, sondern um eine fortgesetzte Provokation gegen die betroffene Person über einen längeren Zeitraum. Als multikulturelles Unternehmen setze sich Thomas Cook gegen jede Form der Diskriminierung ein.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

ArbG Frankfurt zu Kündigung wegen politischer Inkorrektheit: "Negerkuss" bestellt – fristlos entlassen. In: Legal Tribune Online, 20.07.2016, https://www.lto.de/persistent/a_id/20054/ (abgerufen am: 21.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 20.07.2016 10:04, Aras Abbasi

    Zigeunersoße bei eined rumänischen Firma bedeutet sofortige Steinigung.

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  • 20.07.2016 10:46, Erstaunt

    " Der Zuckerschaum mit Waffel und Schokoüberzug wird heute als Schokokuss bezeichnet."

    Von wem denn? Bei mir heißt er immernoch Negerkuss. Ich nehme das Wort Neger auch noch in den Mund, da es bei weitem nicht so diskriminierend klingt wie "Schwarzer". Über die Bedeutung des Wortes Neger braucht man sicherlich - bei all den Akademikern hier - keine Ausführungen mehr machen.

    "vivre et laisser vivre" - Negerkuss

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    • 20.07.2016 11:40, Bulli

      Gute Frage. Das ist wohl die exklusive Meinung des Autors. Laut Wikipedia sieht es so aus:

      "In Westösterreich, in der Schweiz und in Deutschland ist auch Mohrenkopf, in Deutschland auch Negerkuss verbreitet. „Schokokuss“ und (seltener) „Schaumkuss“ kommen vor allem in Mittelwest- und Südwestdeutschland sowie im Schriftdeutschen vor." (https://de.wikipedia.org/wiki/Schokokuss#Bezeichnungen)

    • 20.07.2016 11:42, Bulli

      Gute Frage. Das ist wohl die exklusive Meinung des Autors. Laut Wikipedia:

      "In Westösterreich, in der Schweiz und in Deutschland ist auch Mohrenkopf, in Deutschland auch Negerkuss verbreitet. „Schokokuss“ und (seltener) „Schaumkuss“ kommen vor allem in Mittelwest- und Südwestdeutschland sowie im Schriftdeutschen vor." (https://de.wikipedia.org/wiki/Schokokuss#Bezeichnungen)

    • 20.07.2016 17:15, Noah

      Von allen mir bekannten Herstellerfirmen werden die Teile als Schaumkuss, Schokokuss oder ähliches bezeichnet. Das ist demnach wohl auch die "richtige" Bezeichnung.

  • 20.07.2016 11:25, Heiner

    Uns die Zigeuner nennen sich auch schon immer selbst Zigan bzw. Tzigan Den Weihnachtsmann gibt's auch ewig und keine Weihnachtsfrau.

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  • 20.07.2016 12:25, equality

    Worauf es ankommt: Ob die betroffene Frau sich dadurch herabgesetzt / provoziert fühlt. Das scheint der Fall zu sein. Wenn es mehrfach vorkam ist eine Kündigung gerechtfertigt (Betriebsfrieden). Der Arbeitgeber hat es vermutlich nur versäumt, vorher per Abmahnung zu warnen.

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    • 20.07.2016 13:07, Paddington

      Bevor Sie kommentieren sollten Sie zunächst die Meldung lesen.

    • 20.07.2016 13:36, Versteher

      Lesen Sie doch den Nick, das sagt alles. Wozu den Artikel aufmerksam lesen?

    • 21.07.2016 09:45, Opho

      Es kommt darauf, wie es gemeint war. Provozierte der Mitarbeiter die Frau schon länger, dann können solche Maßnahme in Ordnung sein. Bestellt er zB schon immer seine Negerküsse, unabhängig wer bedient, so sollte man mal mit ihm reden.

  • 20.07.2016 22:37, .

    So ganz eindeutig wird der Sachverhalt nicht dargestellt, da bleibt Raum für Spekulationen. Die - unwahrscheinliche - Möglichkeit besteht theoretisch noch, dass es als Dessert tatsächlich die sogenannten Schokoküsse in der Kantine gegeben hätte - und der Arbeitnehmer ein solches Dessert bestellen wollte, sich nur nicht ganz politisch korrekt (was auch immer das sein solle) geäußert hätte. Es dürfte aber wohl eher so gewesen sein, dass die Äußerung des Arbeitnehmers nicht als "ernsthafte Dessertbestellung" hätte aufgefasst werden können, sondern dass der Arbeitnehmer erkennbar nur eine anzügliche und/oder "hautfarbenbezogene" Äußerung tätigen wollte. Ich will damit nur darauf verweisen, dass es an sich angebracht wäre, einen Sachverhalt zwar knapp, aber erschöpfend darzustellen, wenn über ein Gerichtsverfahren berichtet wird.

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