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Erziehungsstrafrecht am AG München: Jugend­li­cher zu 20 Stunden lesen ver­ur­teilt

14.08.2017

Das AG München hat einen Jugendlichen wegen einer Ordnungswidrigkeit zu 20 Stunden lesen verurteilt. In Kooperation mit der Hochschule München wird er danach sogar eine Abschlussarbeit abgeben müssen.

Weil ein 19-jähriger Motorradfahrer zum wiederholten Male durch sein nicht ordnungsgemäß befestigtes Nummernschild aufgefallen ist, hat das Amtsgericht (AG) München ihn zu einer Leseweisung von 20 Stunden verurteilt (Urt. v. 08.06.2017, Az. 1022 Ds 463 Js 134042/17). Er hatte sein Nummernschild in einem zu flachen Winkel angebracht, sodass es nur schlecht zu erkennen war.

Vor Gericht  zeigte sich der 19-Jähirge geständig. Bereits im Juni 2016 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen ihn, auch damals wegen seines Nummernschildes. Da er offenkundig beim ersten Mal nicht aus seinen Fehlern gelernt hat, griff das AG diesmal zu einer ganz besonderen Art der Strafe. "Über eine Leseweisung soll der junge Angeklagte motiviert werden, sich auf intellektueller Ebene noch einmal mit der Tat auseinanderzusetzen", erklärt das AG.

Die erzieherische Maßnahme wird an der Hochschule München durchgeführt. Im Rahmen eines Erstgesprächs suchen sich die Jugendlichen aus einer größeren Anzahl von Vorschlägen Bücher aus, die zu ihren Interessen oder Problemlagen passen. In Gesprächsterminen wird dann über die Lektüre gesprochen und der Bezug zum eigenen Leben hergestellt. Am Ende müssen sie eine Abschlussarbeit abgeben - laut Gericht darf das beispielsweise eine Kurzgeschichte, ein Plakat oder ein Rap sein.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Erziehungsstrafrecht am AG München: Jugendlicher zu 20 Stunden lesen verurteilt . In: Legal Tribune Online, 14.08.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/23935/ (abgerufen am: 16.08.2019 )

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Kommentare
  • 14.08.2017 19:12, Heinrich V.

    Das ist doch wieder einmal exemplarisch für die deutsche Justiz. 20 Stunden lesen. Was ist das für eine Strafe? Sind dem Gericht überhaupt die Zwecke der Strafe bewusst? Was kommt als nächstes? Wenn das nächste mal ein Homosexueller von AfD-Anhängern verprügelt, oder ein Jude von AfD-Anhängern erniedrigt wird, wird das Gericht die AfD-Nazis dann auch mit 20 Stunden Grundgesetzlektüre bestrafen? Hier im schönen München habe ich mich neulich mit einem AfD Wahlkämpfer unterhalten. Seine nationalsozialistische Gesinnung war deutlich erkennbar. Bei solchen Verfassugsfeinden muss die Justiz hart durchgreifen.

    Mit freundlichen Grüßen

    RA Heinrich V

    • 14.08.2017 19:24, Nichtadlig

      Aber, aber. Hier geht es um ein Nummernschild und den Unterschied zwischen Jugendstrafrecht und Allgemeinem Strafrecht kennen Sie doch hoffentlich? Und damit meine ich v.a. die unterschiedlichen Zielrichtungen. Im Jugendstrafrecht geht es eben nicht nur um Strafe, sondern auch und v.a. um Erziehung.

    • 14.08.2017 19:40, W. LUI

      Sehr geehrter Heinrich V., wie ihnen bestimmt aus ihrem Rechtswissenschaftsstudium bekannt ist, sind Weisungen keine Strafe, sondern eine Erziehungsmaßnahme. Genauso sollte ihnen als RA bekannt sein, dass gerade bei Jugendlichen und Heranwachsenden generalpräventive Gedanken bei der Sanktion keine Rolle spielen. Weiter soll eine Weisung erzieherischen Charakter haben, der hier wohl klar gegeben ist. Außerdem sollten sie zwischen einem falsch angebrachten Nummernschild und rassistischen Äußerungen unterscheiden. Insgesamt gesehen ein unpassender und verwirrender Kommentar ihrerseits.

      Mfg
      WL

    • 14.08.2017 19:42, Ddorf-Student

      In Anbetracht dessen, dass es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt, sollte es sich mehr um eine Buße denn um eine Strafe handeln. Abgesehen davon ist der Delinquent hier ein Jugendlicher und es sollte etwas sein, das ihm in Erinnerung bleibt. Denn der Zweck solcher "Strafen" sollte natürlich der Schutz der Bevölkerung vor weiterem Fehlverhalten, der Rückkehr zur Rechtsordnung und die Sühne sein. Aber was könnte einen Jugendlichen mehr ärgern und über sein Verhalten nachdenken lassen, als sich extra 20 Stunden zur Hochschule aufzuraffen und dann auch noch konstruktiv zu arbeiten? Das scheint mir deutlich effektiver als ein paar Euros zu bezahlen, die gegebenenfalls auch noch von den Eltern übernommen werden.

      Und was Ihren AFD Vergleich angeht: wir reden hier über ein Nummernschild, welches in einem falschen Winkel angebracht wurde und nicht über menschenverachtende Behandlung. Lassen Sie die Kirche bitte im Dorf. Wobei mir die Idee, diese desillusionierten Gestalten endlich mal vernünftig in den Grundwerten unseres Rechtsstaats zu unterrichten, sehr gefällt. Aber dann natürlich nicht als alleinige Strafe, sondern strafbegleitend. Bildung gegen Menschenverachtung!

      Mit freundlichen Grüßen

      Timo Leidinger

    • 15.08.2017 00:27, Baumwollnatter

      aberaber, der Heinrich V. hat ein Doppelprädikat :D dem muss man nichts mehr erzählen, der weiß alles!

      nein, ohne Spaß - ihr fallt auch auf jeden Troll rein.

    • 18.08.2017 03:24, TJZ

      Die derb dumm-dreiste Polemik von Heinrich V lässt auf ein wirklich ausgeprägtes reziprok potentielles Vorstellungs- und juristisches Argumentationsvermögen schließen. Ein Troll eben! Da hat Baumwollnatter recht!
      Ausserdem find ich die Entscheidung des AG-München wirklich wegweisend; geht es im Jugemdstrafrecht eben auch um Erziehung, da können 20 Stunden "Zwangslesen" heutzutage - mit TV, Smartphone, Tablet, PC, usw. - dem Jugendlichen neue Perspektiven eröffnen, allzumal dieser sich sowohl die Lektüre als auch die Art des Vortrags der Abschlussarbeit aussuchen kann. Nun, ich hoffe, bzw. gehe sogar davon aus, dass der "Nummernschildfalschanbringertäter", letztdenlich am Lesen Gefallen finden wird.

  • 15.08.2017 08:10, Haha

    Baumwollnatter hat es erkannt!

    Leute, seid doch nicht so doof. Der hier schreibende "RA Heinrich V" ist ein Linker, der (wie viele seiner Gesinnungsgenossen) ein Problem mit der Demokratie hat.

  • 15.08.2017 09:38, M.D.

    Ich finde, es sollten zur Strafe 8 fünfstündige Klausuren geschrieben werden.

    • 15.08.2017 10:49, Martin

      Sie Monster!

    • 15.08.2017 12:57, M

      Wer würde so etwas von einem Menschen verlangen?? :D

  • 15.08.2017 10:48, Martin

    Ein 19-jähriger (bzw. "19-Jähirge") Jugendlicher?