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AG München zu exhibitionistischer Handlung: Schwerer Schock nach schwin­gendem Penis

04.04.2016

Ein 19-Jähriger schockierte eine Rettungsassistentin mit seinem entblößten Glied derart heftig, dass sie eine Woche nicht arbeiten konnte. Dafür muss der Auszubildende 600 Euro zahlen und sich Sexualberatungsgesprächen unterziehen.

Ein 19-Jähriger ist vom Amtsgericht (AG) München in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil wegen einer exhibitionistischen Handlung i.S.v. § 183 Strafgesetzbuch zu einer Geldauflage von 600 Euro und zur Teilnahme an drei Sexualberatungsgesprächen verurteilt worden (Urt. v. 12.11.2015, Az. 1034 Ds 468 Js 202932/15). 

Eine 21-jährige Rettungsassistentin hatte in ihrem Rettungswagen vor einer Lokalität in München gesessen, als der junge Mann an das Fenster des Rettungswagens klopfte. Die Frau dachte, dass er ärztlich versorgt werden müsse und öffnete die Tür. "Er hat seinen Penis geschwungen […]. Er hat nichts zu mir gesagt. Ich war total unter Schock", so die Rettungsassistentin vor Gericht. Er soll ihr auffordernd in die Augen gesehen haben, was sie so verstanden habe, dass sie ihn befriedigen solle. Nach eigenen Angaben schrie sie den Mann an, dass er verschwinden solle. Schließlich sei er achselzuckend gegangen.

Die Rettungsassistentin verständigte kurze Zeit später den Security-Dienst, der den Täter festhalten konnte. Die Frau ekelte sich sehr und war so geschockt, dass sie keine weiteren Einsätze in der Tatnacht mehr übernehmen konnte und eine Woche krankgeschrieben wurde. Sie musste sich wegen Schlafstörungen in psychologische Beratung begeben.

Verurteilung nach Jugendstrafrecht

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht konnte sich der Mann an nichts erinnern. Er gab an, betrunken gewesen zu sein und entschuldigte sich bei der Rettungsassistentin.

Die zuständige Richterin bestrafte den 19-Jährigen nach Jugendstrafrecht. Er sei noch in der Ausbildung und stehe in seiner Persönlichkeit und Lebensführung noch eher einem Jugendlichen als einem Erwachsenen gleich. "Auch wenn er angab, sich an die eigentliche Tathandlung nicht erinnern zu können, war ihm anzumerken, dass er über sein eigenes Verhalten beschämt war und sein Fehlverhalten eingesehen hat ", so das Gericht. 

"Unter erzieherischen Gesichtspunkten war es geboten, den Angeklagten zur Teilnahme an 3 Beratungsgesprächen anzuweisen, um ihm dadurch auch die Thematisierung einer etwaigen sexuellen Problematik zu ermöglichen. Um ihm sein Fehlverhalten nochmals deutlich vor Augen zu führen, wurde ihm darüber hinaus die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 600 Euro an die Malteser Unfallhilfe auferlegt", so die Urteilsbegründung. Das Urteil ist rechtskräftig.

ms/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

AG München zu exhibitionistischer Handlung: Schwerer Schock nach schwingendem Penis . In: Legal Tribune Online, 04.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18962/ (abgerufen am: 24.02.2021 )

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Kommentare
  • 04.04.2016 19:00, alfred esser

    Oh Schreck oh Schreck - Ein Mann zeigt ungefragt einer fremden Frau was unter seiner Hose zu sehen ist. Was doch für eine Möglichkeit für Frauen einmal im Mittelpunkt zu stehen, Beachtung zu bekommen und einen enormen Wirbel bei Polizei und Justiz in Bewegung zu setzen. Sie werden als Opfer/ Geschädigte angesehen und bekommen höchste Aufmerksamkeit. Warum in diesem Land ein sich schamlos zeigender Mann bei einigen Frauen Angst, Panik, Hysterie, Abscheu, Ekel oder eine Horror Phantasie auslöst ist ein Tabuthema an dem sich so recht niemand heran wagt. Die Begründung - diese „Aussteller“ könnten / würden auch vergewaltigen, Lustmorden oder Kinder missbrauchen und hätten ein gestörtes Verhältnis zu Frauen - dies ist schlicht und einfach unwahr, unsachlich, entspricht in der Regel nicht der Realität. (das bestätigt auch eine Studie (Band 43) von der KrimZentrale Wiesbaden).
    Wenn bsw Frauen gerne ihren Busen oder mehr den Männern schamlos zeigen werden ihnen interessanter Weise diese negativen Gründe nicht unterstellt. Die meisten Männer finden weibliche schamlose Zurschaustellungen“ aufregend, geil, prickelnd und können den gebotenen Anblick genießen. Exhibitionismus(die sexuelle Lust am Zeigen) wird richtiger Weise als „Ausstellung/ Zurschaustellung“ bezeichnet/ beschrieben und so sollte es auch (bei Männchen und Weibchen) angesehen werden. Vor nicht all zulange Zeit wurden auch homosexuelle Männer kriminalisiert, ihnen alles mögliche, verwerfliche unterstellt und hart für ihre „sexuelle Neigung/ Verirrung“bestraft. Menschen benötigen wohl „Bösewichte“ um bsw von ihrer eigenen Fehlverhalten/ Unmoral abzulenken - oder sich an ihnen auszulassen. Wobei ich schamlose Zurschaustellungen nicht rechtfertigen möchte doch hier wird die „Verhältnismäßigkeit“ weit überschritten und das Unterscheidungsvermögen ausgeblendet. Fakt ist, dass hierbei mit zweierlei Maß gemessen wird. In anderen Kulturen ist es umgekehrt - da werden Frauen hart bestraft wenn sie nur etwas Haut zeigen. Alfred Esser

  • 04.04.2016 23:15, Jens

    Die Olle hat nen Penis gesehen und konnte deshalb eine Woche nicht mehr arbeiten? Da find ich es schlimmer, wenn mir irgendwelche Penner auf der Straße ihre verstümmelten Gliedmaßen zeigen, um mehr Spendengeld zu bekommen. DAS ist eklig. Vielleicht sollte ich nächstes mal auch eine Woche nicht mehr zur Arbeit kommen, wenn ich sowas sehe und "Schlafstörungen" haben. Die Frau sollte lieber in die Küche und nicht als RETTUNGSASSISTENTIN arbeiten, ein Beruf, wo man durchaus schlimmeres zu sehen bekommt.

    • 06.04.2016 09:59, Martin

      Das stitmmt wirklich. Wenn eine Rettungsassistentin nur wegen eines Penis solche dermaßen psychische Probleme bekommt, kann sie nicht andere Menschen retten. Besonders nicht wenn die Männer sich mindestens innoffiziell ganz nackt in dem Gebiet aufhalten dürfen behandeln muss, müsste sie schon 1000 Schocks bekommen. Die Verurteilung ist total falsch. Der 19jährige braucht keine psychische Sitzungen absolvieren. Genauso die 600 € Strafe sind fehl am Platz. Er hat, so wie es zu lesen ist, nur ca. 15 Sekunden seine Penis der Frau gezeigt. Vor allem wollte er sich davontrollen, wenn ihn die Security ihn gelassen hätte. Und alles wäre gut gewesen.

      Was mir besonders in der Verhandlung fehlt, ist die Klägerin Beweise hätte für ihre psychische Probleme, die nur vom den Peniszeigen herrühren, bebeigebracht hat. Was ist wenn diese Rettungssanitäterin bei dem Zugunglück bei Rosenheim die Pazienten behandeln hätte müssen. Da hätte sie mindenstens 2 Monate nicht mehr arbeiten können.

    • 22.03.2017 10:46, D

      Mich amüsiert dieser Artikel ungemein - und das kann ich sagen, da ich selbst Rettungsassistent bin.

      Hierzu ein kleines Gedankenspiel: ich sitze auf meinem Rettungswagen und werde in eine Sauna alarmiert. - Für diese Kollegin scheinbar schon zu viel.
      Ich werde zu einem missglückten Versuch der Selbstbefriedigung alarmiert - kommt durchaus häufiger mal vor, was macht sie dann da?

      Diese Dame arbeitet in einem Job, in dem erfahrungsgemäß sehr viele außergewöhnliche Persönlichkeiten fungieren, gewiss zur Hauptsache dem geschuldet, dass dieser Job oftmals das Maximum in einem fordert, oft auch noch mehr, und wir alle mit der Belastung umgehen müssen. Da gibt es im Stehgreif mehr als 10000 Situationen, die schlimmer sind, als ein pubertierender, der im betrunkenen Zustand so einem Mist baut - ich hätte gelacht und ihm erklärt, dass das keine ruhmreiche Tat ist. Aber dann diese Keule schwingen? Hier gibt es ein Urteil, aber Angriffe werden durch Gerichte als geringfügig abgetan? Solangsam verstehe ich, weshalb das Rechtssystem so agiert und vieles auf die lange Bank schiebt...

  • 05.04.2016 10:08, facepalm

    Die beiden obigen Kommentare offenbaren eine Weltanschauung, an der ganz offensichtlich die ganze #aufschrei-Debatte spurlos vorübergegangen ist. Der Kommentar von "Jens" ist eh einfach nur sexistisch und dämlich, der Kommentar von "alfred esser" ist wenigstens halbwegs durchdacht. "Wenn bsw Frauen gerne ihren Busen oder mehr den Männern schamlos zeigen werden ihnen interessanter Weise diese negativen Gründe nicht unterstellt." Ja... es sei denn, dass "er soll ihr auffordernd in die Augen gesehen haben, was sie so verstanden habe, dass sie ihn befriedigen solle." Wo dann doch die Schwelle zur gefühlten sexuellen Nötigung der Dame (zu Recht, da die Rettungsassistentin wohl alleine war) überschritten wäre. Plus Busen vs. Penis. Plus ... ach ist egal.

    Zumindest hat das AG München das Problem verstanden, und wohl auch der betrunkene 19jährige.

    HAHA: lol der Alfred Esser:

    Seit 25 Jahren geht Alfred Esser*, 46, als Exhibitionist auf die Pirsch. Längst hat er aufgehört zu zählen, wie oft er dabei gejagt, verhaftet, verhört und vor Gericht gestellt wurde. Weder Gefängnisstrafen (insgesamt sieben Jahre) noch Geldbußen (zusammengerechnet an die 25 000 Mark) haben den Dauer-Delinquenten zähmen können. In der Rückschau erscheint ihm sein bisheriges Leben wie eine Flucht ohne Ende.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13498114.html

    • 05.04.2016 11:56, alfred esser

      Wenn hier jeder über seine sexuelle „Vorlieben/ Präferenz“ (Vorstellungen, Wünsche, Phantasien usw) berichten würde/ müsste - Könnte vermutlich niemand mehr mit dem Finger auf Andere zeigen. Wobei objektiv und sachlich zu unterscheiden ist/ wäre - wird jemand ernsthaft geschädigt, oder ist es“nur“ eine moralische Entrüstung.

    • 11.04.2016 10:35, Jemand_NRW

      Die "Aufschrei"-Debatte war ihrerseits ein Witz (und ist zudem stumm geblieben, als in der Kölner Silvesternacht ein WIRKLICHES Problem mit Sexismus/sexualisierter Gewalt offenbar wurde).

      In Bezug auf die o.g. Kommentar, die das alles halb so schlimm fanden, haben Sie allerdings recht.

      Bitte, liebe Herren, stellt Euch mal eine Kontrollüberlegung:
      angenommen, so ein perverser Vogel kommt zu Eurer Mutter/Schwester/Ehefrau/Tochter und entblöst sich vor ihr! Was empfinden Sie? Immernoch "halb so schlimm, die sollen sich nicht so anstellen?"

  • 05.04.2016 10:37, GrafLukas

    Die ersten beiden Kommentare sind komplett unangemessen. Es ist ja richtig, dass die Handlung nach geltendem Recht strafbar ist und das verfolgt wird. Ich kann mir auch vorstellen, dass das ein Schreck ist, wenn man damit nicht rechnet, und man das als Belästigung verstehen kann.

    Trotzdem ist die Folge eine Woche "traumatisiert"/arbeitsunfähig zu sein etwas überraschend. Geschlechtsteile gehören nicht in die Öffentlichkeit, aber sind sie (ohne weitere Umstände wie mangelnde Hygiene, wovon im Artikel zumindest keine Rede ist) "eklig"?

    Kleiner Scherz am Rande: Wird jetzt eigentlich durch Auslegung ermittelt, ob die Geldtrafe an den Malteser Hilfsdienst oder die Johanniter Unfall-Hilfe geht? Malteser Unfallhilfe gibt es nämlich nicht, beide haben das achtspitzige Johanniter-Kreuz im Logo und der Verkehr kann beide Organisationen (offenkundig) nicht immer auseinander halten...

    • 06.04.2016 10:29, Martin

      Malteser und Johanniter sind die gleiche Rettungsgesellschaft. Sie gehören den Templer und sind auf Malta gegründet worden Siehe die Flagge von Malta.

  • 05.04.2016 11:24, alfred esser

    Ein Fest für das männliche Glied - Japan, 03.04.2016 (Berichterstattung)
    In Japan haben beim jährlichen Phallus-Festival wieder Tausende Menschen den Penis gefeiert. Andere Länder/ Kulturen andere Sitten und Bräuche. Während in unserem Land der Penis für viele Frauen etwas ekelerregendes ist wird anderswo des Mannes bestes Stück gehuldigt und Ehre erwiesen. Würden Frauen in unserem Land dem Penis mehr Wertschätzung entgegen bringen würde Polizei und Justiz erheblich entlastet werden . Anstatt die Polizei zu rufen, würden sie den Anblick eines Exhibitionisten so betrachten wie in der Regel die Männer es tun wenn sich ihnen eine Frau schamlos (Busen und mehr) zeigt. Nämlich so eine „Ausstellung/ Zeigeaktion“ sich anschauen und genießen.

  • 05.04.2016 17:55, Rudi Ratlos

    Bei manchen Männern hat die Natur das Hirn unter die Vorhaut verlagert. Mein Beileid Herr Esser.