Ex-Bezirksamtschef aus Hamburg vor Gericht: Nächster Pro­zess um Rol­ling-Stones-Affäre startet

05.11.2021

Vor mehr als vier Jahren spielten die Rolling Stones in Hamburg im Stadtpark. Das Konzert wirkt nicht nur bei den Fans nach. Auch zahlreiche Behördenmitarbeiter müssen sich deshalb strafrechtlich verantworten. Der nächste Prozess steht an.

Mehr als vier Jahre nach dem Konzert der Musiklegenden Rolling Stones in Hamburg geht das gerichtliche Nachspiel in eine weitere Runde. Von kommenden Mittwoch an muss sich nun auch der Bezirksamtsleiter von Hamburg-Nord, Harald Rösler (SPD), unter anderem wegen Bestechung, Bestechlichkeit und Untreue vor dem Landgericht (LG) Hamburg verantworten. Gemeinsam mit ihm stehen drei weitere Angeklagte - der stellvertretende Bezirksamtsleiter und zwei Verantwortliche des Konzertveranstalters - vor Gericht (Az. 622 KLs 4/20).

Die Staatsanwaltschaft wirft Rösler vor, bei Verhandlungen über die Genehmigung des Konzertes vom Veranstalter 300 Kauf- und 100 Freikarten im Gegenzug für ein eventuell geringeres Nutzungsentgelt verlangt zu haben. Dabei sollen der Stadt Hamburg laut Anklage Einnahmen von rund 400.000 Euro entgangen sein. Die widerrechtlich besorgten Freikarten soll Rösler zum Dank für deren Arbeit an 40 Mitarbeiter weitergegeben haben. Zudem hätten Freunde des Hauses Tickets aus dem Kaufkarten-Kontingent erwerben dürfen.

Dem stellvertretenden Bezirksamtsleiter wird vorgeworfen, einen inhaltlich falschen Genehmigungsvertrag verfasst und diesen zurückdatiert zu haben. Das fällt unter den Tatbestand der Beihilfe zur Bestechlichkeit und zur Vorteilsgewährung. Die Verantwortlichen beim Konzertveranstalter stehen wegen des Verdachts der Bestechung vor Gericht.

In der Affäre sind bereits zwei hohe Beamtinnen verurteilt worden, ohne dass die Urteile bislang rechtskräftig wurden. Das Amtsgericht (AG) Hamburg hatte am 26. August eine Dezernentin aus dem Bezirksamt Nord wegen Vorteilsannahme und der Verleitung Untergebener zu einer Straftat zu 120 Tagessätzen von je 115 Euro verurteilt. In einem ersten Verfahren wegen der Ticketaffäre war Ende 2019 eine ehemalige Staatsrätin zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen von je 170 Euro verurteilt worden.

Zu dem Rolling-Stones-Konzert am 9. September 2017 - Auftakt der damaligen 'No Filter'-Europatournee - waren mehr als 80.000 Fans in den Hamburger Stadtpark gekommen.

dpa/jb/LTO-Redaktion

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Ex-Bezirksamtschef aus Hamburg vor Gericht: Nächster Prozess um Rolling-Stones-Affäre startet . In: Legal Tribune Online, 05.11.2021 , https://www.lto.de/persistent/a_id/46577/ (abgerufen am: 05.12.2021 )

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