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AG München verurteilt 74-Jährigen zu 50 Euro Geldstrafe: Ein Opa fährt im Eng­li­schen Garten Motorrad

18.04.2016

Er habe einer Frau osteuropäischen Typs helfen wollen, begründete ein Senior, dass er im Englischen Garten mit dem Motorroller unterwegs war. Einem empörten Passanten riet er, erst mal alles mit seiner Frau in Ordnung zu bringen.

Das Amtsgericht (AG) München hat einen 74-Jährigen in einem jetzt bekannt gewordenen Urteil wegen fahrlässigen Fahrens im Landschaftsschutzgebiet zu einer Geldbuße in Höhe von 50 Euro verurteilt (Urt. v. 22.02.2016, Az. 1122 OWi 237 Js 238083/15).

Der Theologe im Ruhestand war im vergangenen August im Englischen Garten in München auf dem Betonweg unterwegs - mit seinem Motorroller. Der Bereich südlich des Aumeisters auf der Höhe des "Schwammerlteichs" ist geschützt durch die Landschaftsschutzgebietsverordnung "Hirschau und Obere Isarau". Eine danach nötige Erlaubis, um mit einem Kraftfahrzeug die nicht für den öffentlichen Verkehr freigegebenen Straßen oder Wege zu befahren, hatte der Mann, der seit 35 Jahren begeisterter Motorradfahrer ist, nicht.

Vor Gericht gab er an, er habe einer "schlanken Frau osteuropäischen Typs" helfen wollen. Diese habe weinend auf der Wiese gesessen und ihm gesagt, sie habe auf einen fremden Jungen im Alter von 11 oder 12 Jahren mit roter Jacke und blauen Jeans aufgepasst. Dieser sei verschwunden. Daraufhin hat der Senior sich nach eigenen Angaben "auf den Roller geschwungen, da bekanntlich in solchen Fällen jemand den Jungen wohl ins Gebüsch gezogen" habe. Mit dem Roller habe er immer wieder Halt gemacht und geschaut. Den Jungen habe er nicht gefunden. Als er erfolglos zurückgekehrt war, sei die Frau verschwunden gewesen.

Weite Strecke mit hoher Geschwindigkeit

Einem vom Gericht vernommenen Zeugen gegenüber klang die Geschichte wohl noch etwas anders. Dieser gab an, der Rollerfahrer habe, wegen seines Verhaltens zur Rede gestellt, zu ihm bei dem Streit gesagt, er habe "eine Sondergenehmigung." Die Suche nach einem Kind habe er nicht erwähnt, dafür aber noch empfohlen, er solle "daheim erstmal mit seiner Frau alles in Ordnung bringen."

Letztendlich konnte das Gericht aber die Version des Rollerfahrers nicht widerlegen. Der zuständige Richter verurteilte den Theologen wegen einer fahrlässigen Ordnungswidrigkeit zu 50 Euro Geldbuße. Strafmildernd berücksichtigte er dabei, dass der Betroffene schon lange Motorrad fährt, ohne dass er sich strafrechtlich dabei etwas hat zuschulden kommen lassen. Strafschärfend fiel hingegen ins Gewicht, dass der Senior fast einen einen Kilometer weit gefahren ist. Und das mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 Stundenkilometern.

ms/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

AG München verurteilt 74-Jährigen zu 50 Euro Geldstrafe: Ein Opa fährt im Englischen Garten Motorrad . In: Legal Tribune Online, 18.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19119/ (abgerufen am: 15.04.2021 )

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Kommentare
  • 19.04.2016 14:23, Robert

    Hauptsache die CSU kann ihre mafiaähnlichen Verbrechen (Verwandtenaffäre im Landtag, Korruption, Steuerhinterziehung, Waffengeschäfte, Wählertäuschung, illegale Videoüberwachung etc.) zu Lasten der bayerischen Steuerzahler weiter in Ruhe betreiben, denn die werden von der bayerischen Justiz (sog. Justiz) nicht verfolgt, aber jeder Radfahrer und Fußgänger wird hart bestraft, der auch nur einen Meter auf einem verbotenen Weg fährt und die CSU Machthaber in Frage stellt.

    • 19.04.2016 15:21, Knallhart

      "wird hart bestraft": Hier hat die Justiz mit ihrer ganzen Härte zugeschlagen! Der arme Rentner hat vermutlich um Ratenzahlung gebeten.

  • 22.04.2016 11:49, Harry

    Gott sei Dank haben wir sonst keine Probleme und die Gerichte haben genug Zeit, sich um wichtige Verfahren zu kümmern :-(((