Streit um die Wahl zur "Apfelkönigin": "Dass sich die Justiz mit dieser Posse beschäf­­tigen muss"

22.08.2017

Ein Mann will so sehr Apfelkönig einer brandenburgischen Kleinstadt werden, dass er die amtierende Apfelkönigin vom Thron stoßen will. Bei der Wahl war er gescheitert, nun wird seine Klage verhandelt.

 

Ein Beinahe-Apfelkönig aus einer Kleinstadt in Brandenburg ist vor Gericht gezogen, weil er die amtierende Apfelkönigin vom Thron stoßen will. Was Marko Steidel antreibt? Er will selbst Apfelkönig von Guben sein. Sein Vorwurf? Die Wahl sei manipuliert gewesen.

Am Dienstag standen sich der gescheiterte Bewerber und seine Kontrahentin Antonia Lieske in einem Verhandlungssaal des Amtsgerichtes (AG) Cottbus in der Zweigstelle Guben direkt gegenüber. Sogar der Bürgermeister der Kleinstadt, Fred Mahro (CDU), kam zum Prozessauftakt. Er sagte über den Fall, über den viele nur den Kopf schütteln: "Die Sache ist für mich kaum noch zu ertragen." Und ergänzt: "Dass sich die Justiz mit dieser Posse beschäftigen muss."

Viele weitere Einwohner der Kleinstadt zog es ins Gericht. Eine Frau war damals beim "Appelfest" im September 2016 mit dabei, als die Apfelkönigin vom Festpublikum gewählt wurde, wie sie berichtet. "Er ist ein schlechter Verlierer", sagt sie über Steidel. Ihr Sitznachbar meint: "Gekränkter Stolz". Erstmals hatte der örtliche Tourismusverein im vergangenen Jahr männliche Bewerber für das Ehrenamt zugelassen. Lieske und Steidel waren die einzigen Kandidaten. Seit 1995 wird die Krone vergeben. Lieske ist Hoheit Nummer 22.  

"Da wurden Stimmen manipuliert"

Steidel will, dass die Wahl zur Apfelkönigin vom 19. September 2016 für ungültig erklärt wird. Lieske soll zudem untersagt werden, weiter als Apfelkönigin aufzutreten. Daneben hat er den Marketing und Tourismus Guben e.V. auf Schadensersatz von 5.000 Euro verklagt. Nur wenige Minuten dauert der erste Verhandlungstag. Der Richter fragt Steidel: "Was wollen sie jetzt genau beantragen?" Dann legt der 42 Jahre alte Hobbytrödler seine Sicht der Dinge dar. "Da wurden Stimmen manipuliert." Zugleich räumt er aber ein, dass das eine "Vermutung" sei. Der Richter fragt: "Tragbare Anhaltspunkte?" Es bleibt still im Gerichtssaal.

Steidel moniert zudem mit seiner Klage gegen den Tourismusverein und Antonia Lieske, dass die Apfelkönigin keinen Führerschein besitze und diesen Umstand auf dem Apfelfest verschwiegen habe. Sonst, so seine Überzeugung, wäre die Wahl anders ausgefallen. "Zu diesem Amt gehört der Führerschein, so sehe ich das", sagt Steidel. Doch der Anwalt des Tourismusvereins entgegnet, dass das keine Bedingung gewesen sei. Die Wahl sei nicht manipuliert worden.

Irgendwann geraten die Parteien im Verhandlungssaal in Streit und fallen sich ins Wort - bis der Richter kurz sagt: "Ok." Dann setzt er einen Verkündungstermin für den 7. September an.

Er klagt auch auf Zulassung zur nächsten Wahl

Es sind nicht die einzige Klagen, die Steidel zur Apfelköniginnen-Wahl einreichte. Neben bereits für erledigt erklärten Anträgen gegen einen Auftritt von Lieske bei der Berliner Woche geht es ihm vor allem auch um das Jahr 2017: In wenigen Wochen wird eine neue Hoheit auf dem Apfelfest gewählt. Steidel ist nicht dabei - der Tourismusverein ließ ihn wegen seiner Klagen nicht zu. Auch dagegen klagt er und begehrt die Zulassung zur Wahl, bzw. für die Nichtzulassung Schadensersatz in Höhe von 20.000 Euro. Die Klage hat er mit einem Antrag auf einstweiligen Rechtsschutz verbunden, den sowohl das AG als als auch das Landgericht Cottbus bereits zurückgewiesen haben. 

In der Hauptsache will das AG weiter verhandeln, sofern Steidel die Gebühren in Höhe von 1.035 Euro einzahlt. Den Gegenstandswert für das Klageverfahren hat das Gericht mit 20.000, den für das Verfahren im einstweiligen Rechtsschutz mit weiteren 5.000 Euro festgesetzt. Ob die Cottbusser Justiz sich deshalb nicht mehr mit der Apfelkönigin wird beschäftigen müssen, darf man bezweifeln. Für den aktuellen Rechtsstreit jedenfalls hat Steidel schon einmal vorsorglich angekündigt, dass er für den Fall, dass die amtierende Apfelkönigin ihre Krone behalten sollte, in Berufung gehen werde.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Streit um die Wahl zur "Apfelkönigin": "Dass sich die Justiz mit dieser Posse beschäf­tigen muss". In: Legal Tribune Online, 22.08.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24071/ (abgerufen am: 26.09.2017)

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Kommentare
  • 22.08.2017 15:15, Baumwollnatter

    Ohne den guten Mann zu kennen - das hört sich nach dem schmalen Grat der psychischen Erkrankung an, bei dem die Eigen- oder Fremdgefährdung gerade eben noch nicht erreicht ist.

    Ich wünsche ihm gute Genesung.

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  • 22.08.2017 16:02, verjährt?

    "Steidel will, dass die Wahl zur Apfelkönigin vom 19.09.216 für ungültig erklärt wird."

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  • 22.08.2017 16:12, Heinrich V.

    Marko Steidel aus Guben. Da ist etwas fürchterlich schief gelaufen. Handelt es sich bei dem Herrn S.um eine sogenannte "Queer"? Weshalb möchte ein Mann zu einer Apfelkönigin ernannt werden? Ist der Herr S. arbeitslos? Ein wenig mehr Informationen bitte liebe lto-Redaktion.

    Mit freundlichen Grüßen

    RA Heinrich V

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 22.08.2017 19:18, Baumwollnatter

      Troohooollll :)

      aber mit Doppelprädikat, nech? :D

  • 22.08.2017 17:42, Leo

    Wahrscheinlich steckt Nordkorea dahinter...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 22.08.2017 18:39, Marc E.

    Ich freue mich auf die Entscheidung des BGH zu diesem Thema. Ich hoffe es findet sich diesbezüglich einen vertretungswilligen Rechtsanwalt, sollte Herr Seidel das erstinstanzliche Verfahren verlieren, in Berufung gehen und auch die Berufung verlieren sollte.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 23.08.2017 19:14, Mike

    Warum ist bei einem Wert von 20.000 Euro das Amtsgericht zuständig?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 23.08.2017 19:32, Mike

      und wieso stehen die Gerichtskosten noch aus? Die Gebühr muss doch bezahlt werden, bevor verhandelt wird. Und woraus soll sich ein Anspruch auf Zulassung ergeben? Der Verein ist ja keine Behörde.

  • 23.08.2017 19:36, Heinrich V.

    Viele offene Fragen. Das nächte mal etwas gründlicher recherchieren bevor wieder so ein Schund herauskommt liebe lto-Redaktion.

    Mit freundlichen Grüßen

    RA Heinrich V

    Auf diesen Kommentar antworten
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