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Kanzlei-Manager im LTO-Interview: "Jetzt bin ich Vor­sit­zender des Fan­clubs"

Interview von Dr. Anja Hall

21.02.2017

2/2 "Ich bekomme nichts, außer einem Schulterklopfen"

LTO: Und wie belohnt Ihre Kanzlei Sie für die Zusatzarbeit als Managing Partner?

Felsenstein: Gar nicht. Die Umsatzerwartung an mich bleibt gleich, es gibt keine Kompensation. Ich bekomme also nichts, außer vielleicht einem Schulterklopfen. Allerdings ist der Job des Managing Partners nicht als Dauerposition gedacht, und bei Latham gibt es viele Komitees, jeder macht also irgendwann etwas für die Kanzlei. Außerdem: Mir macht es viel Spaß. Viel mehr Spaß, als eine Praxis zu restrukturieren, wie ich es bei meiner früheren Kanzlei machen musste.

LTO: Aber das internationale Management hat  doch sicherlich gewisse Erwartungen an Sie und die deutschen Büros...

Felsenstein: Wir sind nicht als Profitcenter organisiert, es gibt deshalb keine Umsatzvorgaben, die wir erfüllen müssen. Wir messen auch die Profitabilität der einzelnen Standorte nicht. Die Frage, die uns gestellt wird, lautet vielmehr: "Wie hilft Deutschland der Gesamtkanzlei dabei, besser zu werden?"

LTO: "Besser werden" bedeutet dabei wohl "mehr Gewinn machen"?

Felsenstein: Nein, so sehen wir das nicht. Es geht uns vielmehr darum, neue Produkte und Mandate zu entwickeln. Mit besserem Geschäft steigt natürlich auch der Umsatz. Letztlich wollen wir - wie jedes Unternehmen - Umsatz und Profitabilität steigern. Das ist aber nicht das erste Ziel.

Mit einer "Agenda 2020" an die Marktspitze

LTO: Sondern?

Felsenstein: Wir wollen Latham & Watkins in Deutschland an die Marktspitze bringen, und dafür werden wir uns zwei bis drei Jahre Zeit nehmen. Es gibt eine "Agenda 2020", die unsere Ziele formuliert und der wir uns alle verschrieben haben, vom Partner über die Associates bis hin zu den Assistentinnen.

LTO: Was steht in dieser Agenda?

Felsenstein: Es geht um Innovationen und Mandate. Personell wollen wir vor allem mit Eigengewächsen wachsen. In diesem Jahr ernennen wir fünf Partner aus eigenen Reihen. Bestimmte Bereiche, in denen wir mehr Schlagkraft brauchen, sollen durch Zugänge auf Partnerebene besetzt werden. Wir suchen nach Top-Leuten und bekommen auch viele Bewerbungen. Wir überarbeiten zudem unsere Ausbildungspläne, und wir wollen uns innerhalb der Latham-Familie noch besser vernetzen. Außerdem haben wir den Anspruch, die modernste und innovativste Kanzlei zu werden.

LTO: "Modern und innovativ " will vermutlich jede Kanzlei sein. Was genau verstehen Sie darunter?

Felsenstein: Drei Dinge: Wir wollen erstens unsere Produkte besser machen, etwa Due-Diligence-Berichte leserfreundlicher aufbereiten, um nur ein Beispiel zu nennen. Zweitens wollen wir Technologien wie Künstliche Intelligenz besser einsetzen. Und drittens wollen wir die Art, wie wir zusammenarbeiten, anders organisieren. Dabei versuchen wir, die Arbeitsweise, wie sie im Silicon Valley herrscht, mit der typischen Arbeitsweise eines Anwalts zu verknüpfen.

"Das Schicksal einer Kanzlei hat mich schon immer interessiert"

LTO: Wie könnte so etwas aussehen?

Felsenstein: Wir gestalten die Arbeitsplätze anders. Es soll zwar keine Großraumbüros geben, aber wir planen mehr Begegnungsräume. Die Mitarbeiter sollen wortwörtlich mehr zusammensitzen und sich fachlich austauschen. Beispielsweise bauen wir in Frankfurt einen Bereich, in dem sich die Mitarbeiter, ähnlich wie in einem Starbucks, mit ihren Laptops hinsetzen und arbeiten können.

LTO: Bei diesen vielen Projekten wird Ihnen die Arbeit nicht ausgehen. Was hat Sie eigentlich motiviert, den Job des Managing Partners zu übernehmen?

Felsenstein: Das Schicksal einer Kanzlei hat mich schon immer interessiert. Mir macht es Spaß, mich einzumischen und meine Meinung zu sagen. Dafür muss man dann aber auch die Verantwortung übernehmen. Allerdings wollte ich nie ein Berufsfunktionär sein, sondern meine Praxis auch weiter betreiben. Hier bei Latham haben wir flache Hierarchien. Ich moderiere eher, bin also kein Chef. Auch wenn ich manchmal denke, dass ich es gern wäre…

Oliver Felsenstein ist seit 1. September 2016 Managing Partner für Deutschland von Latham & Watkins. Der Private-Equity-Anwalt ist Partner im Frankfurter Büro der Kanzlei und kam 2015 von Clifford Chance.

Die Fragen stellte Anja Hall.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Kanzlei-Manager im LTO-Interview: "Jetzt bin ich Vorsitzender des Fanclubs" . In: Legal Tribune Online, 21.02.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22160/ (abgerufen am: 24.11.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 23.02.2017 15:22, Robert Samuel Robert S.

    Fanclub, Familie....na klar... Am Ende ist es eben doch eine Grosskanzleibutze in der Profit, Profit, Profit zaehlt, auch wenn das in jedem zweiten Satz verneint wird. 15h Tage, gerne auch mal Samstag und Sonntag, und dann BurnOut und keine Freunde mehr nach zwei Jahren. Viel Glueck.

  • 25.02.2017 20:24, Anwalt B.

    LOL :) "Vor­sit­zender des Fan­clubs" - greenwashing vom Feinsten. Klingt etwas nach einem gekauften Artikel. Anstatt dass sich die Großkanzleien einfach mal um humane Arbeitszeiten und -klima bemühen, werden Wohlfühlartikel gebastelt.

  • 27.02.2017 04:32, Falko

    "aber es geht nicht nur darum, einen möglichst hohen Umsatz zu erzielen."

    Und auch ansonsten herrscht generell eine super Stimmung im 'Fanclub'. Dieser PR-Artikel ist doch echt unglaubwürdig.