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Wulff-Trennung: Was vom Glamour übrig bleibt

Christian Wulff ist wieder gescheitert. Knapp fünf Jahre nach der Scheidung von seiner ersten Frau Christiane und der Hochzeit mit Bettina Körner ist der ehemalige Bundespräsident ausgezogen. Das High Society-Paar hat schon begonnen, Rechtliches zu regeln. Was aus den Kindern wird und ob die 39-Jährige nun etwas vom Ehrensold bekommt, erklären Pia Lorenz und Herbert Grziwotz.

Ihre Beziehung war von Beginn an öffentlich, glamourös und umstritten. Nicht nur Medien spekulierten, ob es Fluch oder Segen war, dass nicht zuletzt die große Blondine dafür gesorgt haben dürfte, dass der als eher bieder bekannte Christian Wulff sich zunehmend im Rampenlicht wiederfand. Der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und die 14 Jahre jüngere schöne PR-Frau mit der Tätowierung boten für deutsche Verhältnisse ungewohnt viel Glamour.

Seine Trennung und Scheidung nach 18 Jahren Ehe mit der ersten Frau, die Karriere von Niedersachsen nach Berlin und der unaufhaltsame Fall: Seine undurchsichtigen finanziellen Verbindungen zu Freunden, Mitarbeitern und Bekannten, gegen die teilweise ihrerseits ermittelt wurde, sein Anruf bei der Bildzeitung, um Veröffentlichungen zu verhindern, der staatsanwaltliche Antrag auf Aufhebung seiner Immunität und schließlich sein Rücktritt beschäftigten die Republik ebenso sehr wie die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die nur teilweise mittlerweile eingestellt sind. Erstmals musste das Land sich anschließend fragen, ob ein Ehrensold auch nach nicht einmal zwei Jahren als Bundespräsident und mit derart unschönem Abgang angemessen ist.

Und wer bis dahin von den Internet-Gerüchten nichts gewusst hatte, Bettina Wulff habe vor ihrer Ehe mit dem 53-Jährigen* etwas mit dem Rotlichtmilieu zu tun gehabt, erfuhr es spätestens durch ihre Klage gegen Google. Pünktlich vor Erscheinen ihres Buches "Jenseits des Protokolls" reichte sie Klage ein, um den Suchmaschinenanbieter zu verpflichten, im Zusammenhang mit ihrem Namen Begriffe wie "Prostituierte" als Suchbegriff zu löschen.

Knapp ein Jahr nach dem Rücktritt des gebürtigen Osnabrückers und nur wenige Tage nach dem Ehe-Aus von Sylvie und Rafael van der Vaart ist nun auch das High Society-Paar Christian und Bettina Wulff Geschichte. Der 53-Jährige ist bereits aus dem Haus in Großburgwedel ausgezogen, die beiden haben eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet. Um den Sohn Linus wolle man sich weiterhin gemeinsam kümmern, heißt es.

Die Kinder: Besuchsrechte für Linus, vielleicht auch für Leander

Die Wulffs sind kein Einzelfall. Immer mehr Beziehungen scheitern. Mittlerweile lebt jeder Fünfte in Deutschland als Single. Auch Kinder sind für viele Paare kein Grund mehr, zusammenzubleiben. Nicht zuletzt die Sorge um die im Haushalt des ehemaligen ersten Mannes im Staat lebenden beiden Jungen aber dürfte die ungewohnte Zurückhaltung der gelernten Medienwissenschaftlerin, die als ehemalige Pressereferentin im Umgang mit Öffentlichkeitsarbeit und PR geschult ist, und des Juristen im Umgang mit den Informationen über ihre Trennung erklären.

Die elterliche Sorge für gemeinsame Kinder endet nicht mit der Trennung. Nur auf Antrag eines Elternteils kann das Familiengericht diesem ganz oder teilweise die elterliche Alleinsorge für ein gemeinsames Kind übertragen. Die Wulffs scheinen das nicht zu wollen. In Bezug auf den fünfjährigen Linus soll es nach Informationen der Bildzeitung bei der gemeinsamen Sorge bleiben. Er soll weiterhin in den Kindergarten gehen, den er bislang besuchte und bei Bettina Wulff in dem nahe gelegenen gemeinsamen Haus leben. Sein Vater hat dann ein regelmäßiges Besuchsrecht, das auch Übernachtungen einschließt.

Bettina hat einen weiteren Sohn aus einer früheren Beziehung. Es spricht viel dafür, dass Christian Wulff auch zu ihm seit der Heirat im Jahr 2008 eine enge Bindung aufgebaut hat. Als "andere Bezugsperson" im Sinne des § 1685 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch könnte er daher auch ein Recht auf Umgang mit dem im Jahr 2003 geborenen Leander haben.

Zitiervorschlag

Pia Lorenz und Herbert Grziwotz, Wulff-Trennung: Was vom Glamour übrig bleibt . In: Legal Tribune Online, 08.01.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/7924/ (abgerufen am: 16.07.2019 )

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Kommentare
  • 08.01.2013 19:09, Benno Weiser

    Und so endet alles ganz banal.
    Kaum fällt das Wort Trennung wird das Leben einer Familie nach Anwaltsschema in die Kategorien Sorgerecht, Unterhalt und Umgang eingezirkelt. Die Familie wird in Betreuungselternteil und Zahlelternteil gespalten. Es wird suggeriert, dass die Rollen nach Geschlecht bereits feststehen - hilfsweise dient die BILD als Bürge. Geschäftstüchtige Anwälte spekulieren lustig über anderer Leute Unterhaltsverpflichtungen ... aber was ist mit dem eheprägenden geldwerten Vorteilen, wie Limousine, Fahrer, Büro und Personal? Fiktive Nebeneinnahmen? Muss er noch draufzahlen? Oder hat sie ihn mit ihren Bucheinnahmen beim laufenden Einkommen bereits überflügelt?

    Und damit es auch Lieschen Müller versteht, was sie archaisch eh schon weiß: Die Kinder zur Mutter - der Vater zieht aus und zahlt. Mit Begriffen wie dem "Besuchsrecht" wird es plakativ zementiert.

    Dabei könnte in einer Familie, die von den Medien als vorbildliches Patchwork hochgejubelt wurde, auch alles anders sein: Er betreut alle Kinder und sie macht jungdynamisch in irgendwelchen DAX-Vorständen quotenflankiert so richtig Karriere.

    Nein, was Lieschen Müller nicht versteht, das sparen journalisierende Juristen lieber aus. Wo kämen wir da hin.

  • 09.01.2013 08:57, WackerDurchsaufen

    Immerhin scheint der Ex-Präsi es geschafft zu haben, sich im Verlaufe des Artikels um sagenhafte 6 Jahre verjüngt zu haben. Und so schliesst sich der Kreis: Welche Frau will schon mit einem Mann verheiratet sein, der immer jünger wird, während sie immer älter ... ? :)

    • 09.01.2013 11:56, Pia Lorenz

      Ups, in der Tat, da war ein Fehler drin. Christian Wulff ist natürlich 53 Jahre alt, Jahrgang 1959. Vielen Dank für den Hinweis, haben wir geändert.

    • 10.01.2013 16:56, K.A. Barett

      Das ist wirklich die Kernfrage! Das Banale ist auch im Leben der sogenannten Prominenten wie eine eine Katze, die sich dauernd in den eigenen Schwanz beisst.

  • 10.01.2013 16:51, Bitte Mein Brechnapf

    LTO, bleiben Sie doch bitte sachlich.
    "schöne PR-Frau" läßt die Frage zu: Gehört LTO zu Bild?
    Wenn nein, dann sollte LTO diese Art der Objektivität unterlassen!

    • 10.01.2013 17:04, K.A. Barett

      Hässlich ist sie bestimmt nicht, die Bettina. Man könnte sie als Vertreterin jener Gattung jüngerer Frauen bezeichnen, die sich selbst als sehr cool, sexy, angesagt, selbständig bis zum Abwinken und vor allem unwiderstehlich finden. Bettina Wulff ist nicht direkt mit Valérie Trierweiler, Weib gewordenes Schicksal von François Hollande, zu vergleichen. In beiden Fällen handelt es sich aber um gnadenlose Egoistinnen.

    • 11.01.2013 14:16, WackerDurchsaufen

      da der artikel durchaus hervorhebt, dass zwei zweckmässigkeitserwägungen zufällig zueinander fanden, ist es m.E. durchaus gerechtfertigt, auch auf B.´s aussehen hinzuweisen - hässlich ist sie bestimmt nicht, und dass sich W. mit ihr schmücken wollte, ist doch gerade gegenstand des artikels.

      immer geschmeidig bleiben ...

  • 11.01.2013 10:13, Tatjana Kutschera

    "Schließlich erhält Christian Wulff trotz aller Proteste nach seiner kurzen Amtszeit als Bundespräsident jedenfalls bis zu seinem Lebensende einen Ehrensold von jährlich knapp 200.000 Euro."

    Das Wort "jedenfalls" an dieser Stelle gefällt mir. Jedenfalls bis zu seinem Lebensende - vielleicht darüber hinaus? Und dann bis wann? Mit neugierigen Grüßen

    Tatjana Kutschera

  • 11.01.2013 13:57, claus meffert

    ich kann mir nicht vorstellen, dass frau wulff eine anstellung bei dm erhalten hätte. sie war -soweit mir das bekannt ist- bei der drogeriekette rossmann tätig. darauf lege ich als dm-kunde äußersten wert !

    • 11.01.2013 17:29, Benjamin Lück - LTO-Redaktion

      Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben es soeben korrigiert.

  • 15.01.2013 10:04, warlord

    Was? Betty hat noch ein Anrecht auf einen Teil des "Ehren"-Solds? Verkauft sich ihr Buch tatsächlich so schlecht? Das sollte doch "der Knaller" werden! Wer hat das Buch denn überhaupt gelesen?

    Ansonsten hat sie sich über Christian schon in einer Art und Weise ausgelassen, dass ich gern so einiges schreiben würde. Aber um noch einen letzten Rest an Schlichkeit zu bewahren, nur das: Pfui, Betty, schäm´Dich!

    Frau Guttenberg hat wenigstens noch zu KTG gestanden, als es eng wurde. Sie sind auch jetzt noch zusammen.

    Zu Christian schgreibe ich nichts Schlechtes. wenn einer am Boden liegt, terte ich nicht noch nach. Der ist mit seiner Ex-First-Lady wahrlich gestraft genug. Am meisten werden die Kinder leiden. Das ist das eigentlich Tragische an der Geschichte.

    • 15.01.2013 10:40, K.A. Barett

      Völlig richtig, was Sie schreiben, Warlord! im kontext mit dem Ehepaar Guttenberg muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Ehefrau eine von Bismarck ist, also von ihrer Herkunft und wahrscheinlich auch (wirklich höheren)Bildung eine gewisse Garantie für einen der Situation angemessenen Stil bot und dass KTG von seiner Familie her reich ist.Diese Faktoren sind eminent wichtig. Christian Wulff ist aber ein Parvenu, wie er im Buche steht.Das ist aber nicht abwertend gemeint. Aus einfachem Hause stammend, von seiner Familie her alles andere als vermögend, hat er Jura studiert. Dies ermöglichte ihm eine politische Karriere, die ihn am Ende bis ins höchste Staatsamt nach Berlin führte. Auf seinem Weg zum Olymp des deutschen Staates wurde er für andere Emporkömmmlinge immer interessanter. Auch für eine Frau wie Bettina Körner. Christian Wulff wurde zumn Vehikel auf ihrem eigenen Weg nach oben. Jetzt hat der Mohr seine Schuldigkeit getan. Der mohr kann gehen. Bettina Körner repräsentiert die dunkle Seite der jüngeren Frau von heute, die, angeblich emanzipiert, nicht davon zurückschreckt, im Interesse ihres eigenen sozialen und gesellschaftlichen Aufstieges über Leichen zu gehen. Notfalls auch über diejenige ihres eigenen Ehemannes. Die Geschichte ist eigentlich zu traurig, um darüber lachen zu können.