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Gefahrenabwehr im Luftverkehr: Wenn der Vogel das Flug­zeug stört

von Prof. Dr. Ulrich Hösch

08.01.2018

Machen wir uns nichts vor: Wenn es hart auf hart kommt, steht der sichere Betrieb der Flughäfen in der Prioritätenliste vor dem Vogelschutz. Doch in weiten Teilen ist ein friedliches Miteinander möglich, erklärt Ulrich Hösch.

Vogelparadies Flughafen – das klingt zunächst einmal fernliegend, wenn man bedenkt, dass seit Jahrzehnten vor den Gerichten immer wieder um die Vereinbarkeit von Flughafenbetrieb mit Luftsicherheit und Vogelschutz gestritten wird. Tatsächlich aber entwickeln sich rund um Flughafengelände Lebensräume für Vogelarten, in denen Tier und Technik nebeneinander gut funktionieren.

Dennoch bleibt der Zusammenstoß von Luftfahrzeugen mit Vögeln, der sog. Vogelschlag, ein erhebliches Problem für die zivile Luftfahrt und den Betrieb von Flughäfen. In den vergangenen Jahren sind in Folge von Vogelschlägen wiederholt Totalverluste von Flugzeugen auch mit Todesfällen aufgetreten. In besonderer Erinnerung ist die Notlandung eines Airbus der US Airways im Hudson River am 15. Januar 2009 aufgrund einer Kollision mit Wildgänsen.

Häufiger führen Vogelschläge zu Triebwerksschäden und damit zu Flugausfällen. Derartige Ereignisse gehören gemäß dem nationalen und europäischen Recht sowie den Bestimmungen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) zu den sicherheitsrelevanten Ereignissen, sie müssen also dem Luftfahrtbundesamt gemeldet werden – im Jahr 2016 war das 991 mal der Fall. Die Vermeidung des Vogelschlages zählt dementsprechend zu den Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Gefahrenabwehr und zur Gewährleistung der Betriebsfähigkeit durch den Flugplatzbetreiber. Der setzt dafür so genannte Bird Controller ein.

Solange der Lärm die Kommunikation nicht stört

Zwar ist die Arbeit dieser Vögel-Kontrolleure unmittelbar darauf gerichtet, Gefahren für den aktuellen Flugbetrieb abzuwehren. Bekämpfen dürfen sie die Tiere jedoch nicht. Ihre Tätigkeit wird begrenzt durch Anforderungen des deutschen und europäischen Naturschutzrechtes. Denn innerhalb und in unmittelbarer Umgebung von Verkehrsflughäfen sind inzwischen einige Gebiete als europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen. So umfasst das "Nördliches Erdinger Moos" auch die Grünflächen unmittelbar um die Start-und Landebahn des Verkehrsflughafens München. In Frankfurt und Köln finden sich ebenfalls Vogelschutzgebiete in unmittelbarer Umgebung der Flughäfen.

Für wiesenbrütende Vögel wie Großer Brachvogel, Kiebitz, Feldlerche oder Wachtelkönig sind die Wiesen ein Paradies. Fressfeinde wie Füchse sind ebenso ausgesperrt vom Flughafengelände wie Spaziergänger, freilaufende Hunde und Radfahrer. Demgegenüber hat der Lärm, der von den Flugzeugen ausgeht, einen untergeordneten Einfluss auf die Wahl des Habitats. Offensichtlich reicht der Krach der Flugzeuge nicht aus, um die artspezifische Kommunikation etwa bei der Jungenaufzucht oder bei der Gefahrenwarnung zu stören.

Zwischenzeitlich lassen die regelmäßigen Beobachtungen am Verkehrsflughafen München den Schluss zu, dass sich dort – gemessen an der Zahl der Brutpaare – inzwischen das größte Brutgebiet des Großen Brachvogels in Bayern befindet. Auch der Kiebitz findet hier vermehrt seinen Lebensraum, im Jahr 2016 waren es 160 Brutpaare.

Zitiervorschlag

Prof. Dr. Ulrich Hösch, Gefahrenabwehr im Luftverkehr: Wenn der Vogel das Flugzeug stört . In: Legal Tribune Online, 08.01.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/26327/ (abgerufen am: 20.04.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 08.01.2018 11:47, M.D.

    Bei dem Beitrag kommt mir ein winziges Detail zu kurz, das jedoch bezeichnend ist, weil es die Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Justiz aufzeigt.

    Vögel können sich nicht in Luft auflösen. Die Gefahr geht hier von dem Flugzeug aus, das dem Tier keine Chance lässt. Wenn Ihnen jemand mit der Faust ins Gesicht schlägt, dann geht die Gefahr auch von der Faust aus und nicht von Ihrem Gesicht. Umgekehrt wird es nämlich zu einem bekannten Scherz, den man bisweilen aus den Fällen zum Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte kennt (Stichwort: Daumenstauchung).

    Mir ist selbstverständlich das Urteil des LG Hamm bekannt (Az.: 13 U 194/03), wo der Fluggesellschaft die Hälfe des Schadens zugesprochen wurde, weil die Turbine eine Brieftaube eingesogen hat, aber das war eines der berühmten Fehlurteile zugunsten der Wirtschaft, womit das allgemeine Lebensrisiko der Luftfahrt zumindest hälftig verallgemeinert wurde.

    P.S.: Brieftaubenhaltern ist seither anzuraten, eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abzuschließen, um nicht von Fluggesellschaften ruiniert zu werden.

    • 08.01.2018 12:23, M.D.

      Bevor mir noch jemand mangelnde Eindringtiefe vorwirft...

      Der Baum am Straßenrand ist kein Tier, deshalb geht von ihm auch keine Tiergefahr aus. Trotzdem kann es für einen Autofahrer tödlich enden, wenn er mit dem Baum kollidiert. Eine Haftung des "Baumhalters" gibt es dennoch nicht, was rechtsschutzversicherte Oberstudienräte bisweilen überrascht. Anders wäre es, wenn jemand Baumstämme auf der Fahrbahn platziert hat. Deshalb ist es auch verboten, so etwas zu tun.

      Vögel hingegen sind (vogel)frei. Sie flattern seit Anbeginn der Zeit fröhlich in der Luft herum, lange bevor die Gebrüder Wright mit ihrem Fluggerät die ersten Hüpfversuche unternommen haben. Vögel haben keine Fluglizenz und sie unterliegen auch keinen Flugverboten. Dasselbe gilt für Brieftauben, weil sie bekanntlich auch zur gefiederten Gattung der Flugwesen gehören.

      Wenn solche herumfliegenden Mitgeschöpfe entweder als Tauben im Triebwerk oder als Mücken auf der Windschutzscheibe landen, weil irgendwer unbedingt einen tonnenschweren Metallklumpen mit einer Geschwindigkeit 300-400 km/h durch die Luft bewegen muss, dann ist das nichts anderes, als das allgemeine Lebensrisiko, das sich auf diese Weise realisiert hat.

      Wer über eine Lizenz gem. § 839 Abs. 2 BGB verfügt, darf dies natürlich anders sehen. Immerhin hat er vor vielen Jahren durch das Lösen ein paar lustiger Denksportaufgaben seine lebenslange Unfehlbarkeit unter Beweis gestellt.

  • 16.01.2018 15:42, K-Jag

    Ein anderes Problem zum Thema Tierschutz und Infrastuktur:

    https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.blumberg-fledermausvorkommen-gesichtet.ac1d53fb-36da-49f6-a478-fa3f660336e8.html

    Gruß K-Jag

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