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Projekt zum Verfassungsblog: For­scher für die Redak­tion

von Claudia Kornmeier und Pia Lorenz

18.12.2013

Die HU Berlin hat ein Forschungsprojekt mit Geldern ausgestattet, damit es am Verfassungsblog das Phänomen der bloggenden Staatsrechtler ergründet.  Die Teilnehmer des Projekts sind aber fast alle identisch mit den Machern des Blogs. Und der will auch nicht recht ein klassischer Blog sein. Wer nutzt hier eigentlich wen: Das Forschungsprojekt den Verfassungsblog oder ist es doch eher umgekehrt?

Unter verfassungsblog.de diskutieren bekannte wie junge Staatsrechtler aktuelle verfassungspolitische Fragen. Den Blog gründete 2009 der Jurist und Journalist Maximilian Steinbeis, ab 2011 kooperierte er mit dem Berliner Forschungsverbund Recht im Kontext.

Seit Sommer 2013 gibt es nun das Forschungsprojekt "Verfassungsblog: Perspektiven der Wissenschaftskommunikation in der Rechtswissenschaft", das finanziert wird mit insgesamt 207.000 Euro aus Mitteln der Exzellenzinitiative der Humboldt-Universität (HU) zu Berlin in der Förderlinie Freiräume.

207.000 Euro, das sind zwei halbe wissenschaftliche Mitarbeiterinnen-Stellen, eine Sachbearbeiterin für die neue Geschäftsstelle (ebenfalls mit einer halben Stelle), ein Honorar für den journalistischen Leiter und Chefredakteur des Verfassungsblogs Steinbeis plus Mittel für Technik und Übersetzungen. Das Projekt soll der Frage nachgehen: "Was geschieht, wenn Juristen verfassungsrechtlich bloggen?" Es soll untersucht werden, ob sich ein wissenschaftlicher Blog dazu eignet, die Kommunikation unter Rechtswissenschaftlern und ihren Kollegen aus der Geistes- und Sozialwissenschaft zu verbessern und wenn ja, wie.

207.000 Euro, das ist fast ein Drittel der Gesamtsumme der Förderlinie Freiräume, in der um die 20 Projekte unterstützt werden, wobei darunter auch Tagungen und Workshops sind. Ein nicht unerheblicher Betrag für eine Webseite, auf der bisher etwa 20 Beiträge pro Monat erschienen, zum Teil journalistische Texte von Steinbeis, zum Teil wissenschaftliche Artikel von Gastautoren.

Beobachter gestalten selbst, was sie beobachten?

Leiter des Forschungsprojekts ist der HU-Juraprofessor Christoph Möllers, der zugleich regelmäßiger Autor des Blogs ist. Wissenschaftlich koordiniert wird das Projekt von Rechtsanwältin Alexandra Kemmerer. Auch sie ist, seit der Verfassungsblog der offizielle Blog des Wissenschaftsverbunds "Recht im Kontext" ist, dessen Koordinatorin sie wiederum ist, regelmäßige Autorin und "Redakteurin ad hoc". Die journalistische Koordination des Forschungsprojekts übernimmt der Gründer des Blogs Steinbeis, der auch Chefredakteur und Herausgeber des Blogs bleibt.

Die beiden halben wissenschaftlichen Stellen besetzen die Ethnologin Mirjam Staub und die Juristin Hannah Birkenkötter. Letztere promoviert bei Möllers zu einem völkerrechtlichen Thema. Birkenkötter soll auf dem Verfassungsblog zeigen, wie Rechtswissenschaft und Bloggen zusammengehen. "Sie soll als Wissenschaftlerin für ihre Arbeit den Verfassungsblog als Instrument einsetzen, an der Diskussion teilnehmen, Beiträge schreiben und redigieren, Themen planen, die wissenschaftliche Debatte koordinieren", sagt Blog-Chefredakteur Steinbeis. Ihr erstes Interview hat sie bereits geführt und den Schwerpunkt zur NSA koordiniert.

Schon im Förderantrag stand, bei Interesse und Begabung könnten die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Forschungsprojekts an der Gestaltung des Blogs mitwirken. Die Beobachter gestalten also selbst, was sie beobachten?

Zitiervorschlag

Claudia Kornmeier und Pia Lorenz, Projekt zum Verfassungsblog: Forscher für die Redaktion . In: Legal Tribune Online, 18.12.2013 , https://www.lto.de/persistent/a_id/10396/ (abgerufen am: 15.09.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 18.12.2013 15:35, schlaumeier

    3 Seiten für diesen Knüller? Ihr habt echt langeweile.

  • 18.12.2013 17:33, Oliver Daum Daum

    Ich stimme dem zu, dass der Beitrag unverhältnismäßig lang ist.

    Auf der anderen Seite kann ich es auch verstehen, dass die Autorinnen auf die Personenidentität aufmerksam machen wollen.

    Liebe Frau Kornmeier, liebe Frau Lorenz,
    eine Frage sei dazu erlaubt: Würde sich Ihre Meinung ändern, wenn LTO auch Gegenstand des Forschungsprojektes wäre?

    Mit den besten Grüßen

  • 18.12.2013 23:32, J. Weinreich

    Die Frage nach der Validität des "Forschungs"ansatzes und das Interesse an Transparenz bei der Verwendung öffentlicher Gelder rechtfertigen durchaus einen dreiseitigen Beitrag.

    Überhaupt: wenn 3 Seiten Lektüre schon zu viel sind, dürfte auch dem rechtswissenschaftlichen Bloggen kein Erfolg beschieden sein.