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Nach über 40 Jahren im Zirkus: Schim­panse "Robby" muss abge­geben werden

27.04.2017

Im Streit um den Verbleib des Schimpansen Robby hat das VG Lüneburg nun entschieden, dass der Zirkusbetreiber den Primaten in eine Tierhaltungseinrichtung abgeben muss. Über 40 Jahre war Robby mit seinem Halter unterwegs.

Die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts (VG) Lüneburg hat die Klage eines Zirkusbetreibers gegen die vom Landkreis Celle angeordnete Abgabe des Affen "Robby" an eine für die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Haltungseinrichtung abgewiesen (Urt. v. 27.04.2017, Az. 6 A 461/15).

Bereits im September 2015 verfügte der Landkreis, dass Robby in eine entsprechende Tierhaltungseinrichtung abzugeben ist und ordnete die sofortige Vollziehung an. Dagegen ersuchte der Zirkusbetreiber und Halter des Affen um Eilrechtsschutz - mit Erfolg: Im Dezember 2015 beschloss das VG Lüneburg, dass Robby bis zur rechtskräftigen Entscheidung in der Hauptsache in dem Zirkus bleiben dürfe (Beschl. v. 03.12.2015, Az. B 146/15).

Das Urteil vom Donnerstag, nach dem Robby nun abgegeben werden muss, stützt das Gericht dabei auf das Gutachten eines Sachverständigen. Danach weise der Schimpanse, der früh von seinen Artgenossen getrennt worden war und seit seinem dritten Lebensjahr im Zirkus lebt, eine schwerwiegende Verhaltensstörung auf.

Abgabe "Todesurteil" für den Affen

Zwar sei Robby unstreitig in guter körperlicher Verassung, doch fehle ihm die Interaktion mit anderen Affen. In der Mitteilung des Gerichts heißt es, dass nach der "plausiblen und nachvollziehbaren Einschätzung des Sachverständigen" die überwiegenden Argumente dafür sprächen, dass eine Resozialisierung von Robby trotz des langjährigen Aufenthalts im Zirkus und seines fortgeschrittenen Alters gelingen könne. Bis das Urteil rechtskräftig wird darf Robby auf Grundlage des Eilbeschlusses zunächst weiter im Zirkus bleiben.

Zirkusdirektor Jürgen Köhler sagte, für ihn sei "das Haltungsverbot wie eine Enteignung". Er habe Robby jetzt seit 41 Jahren bei sich, außerdem trete der Affe nur noch selten auf. Stattdessen verbringe die Familie viele Stunden täglich mit ihm, "eine Entnahme wäre ein Todesurteil für Robby." Die Möglichkeit einer "Resozialisierung" hält der 69-Jährige für Unsinn: "Das gibt es nur in der freien Natur", in der Tierhaltungseinrichtung gehe es bestenfalls um die Möglichkeit einer Eingliederung mit Artgenossen. Und selbst in diesem Fall wäre Robby damit "völlig überfordert", da er nur den Umgang mit Menschen gewohnt sei.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" hingegen begrüßt das Urteil. Ihre Sprecherin Melitta Töller hatte noch vor dem Urteil gefordert: "Robby muss ein artgemäßer Lebensabend in der Auffangstation ermöglicht werden. Auch der letzte Menschenaffe in einem deutschen Zirkus muss mit Artgenossen leben und darf nicht zur Schau gestellt werden."

ms/LTO-Redaktion

mit Material von dpa

Zitiervorschlag

Nach über 40 Jahren im Zirkus: Schimpanse "Robby" muss abgegeben werden . In: Legal Tribune Online, 27.04.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22768/ (abgerufen am: 25.08.2019 )

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Kommentare
  • 27.04.2017 17:36, Elke Petermann

    Eine richtige Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Lüneburg: ROBBY muß nicht im Zirkus Belly verbleiben, in dem er mehr als 40 Jahre lang den Manegenclown abgeben musste. Er darf in die holländische Primatenauffangeinrichtung Stichting AAP umziehen. Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist und Zirkusdirektor Köhler noch in Berufung gehen kann, ist es doch ein Riesenerfolg im Kampf gegen die Ausbeutung von Wildtieren in Zirkussen und Zoos.

  • 27.04.2017 18:14, Angela

    Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als daß dieser Schimpanse in eine Gruppe integriert werden kann. Artgerechte Haltung heißt, engen Kontakt zu den Artgenossen haben zu dürfen - ein Miteinander > alles andere ist unwürdig!
    Der Mensch tut Ihnen leider viel zu viel an,profitiert auf seine Art ...!

  • 28.04.2017 06:23, Antonietta

    "Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen.
    Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren.
    Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie anziehen.
    Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten.
    Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie ausbeuten."
    Die Tiere brauchen Ihre Hilfe!

    • 28.04.2017 10:25, Mirko

      logisch fortgesetzt:
      Tiere sind nicht dazu da, dass wir Ihnen helfen.
      Tiere sind nicht dazu da, dass unterbeschäftigte Gesinnungsethiker sie zu Objekten ihres Selbsthasses machen.

    • 28.04.2017 11:43, DJa

      Was für ein Schwachsinn. Das ist keine logische Fortsetzung, das ist die Annahme, dass Objekt eines Satzes zu sein plötzlich bedeutet, Folter sei dasselbe wie Hilfe.

  • 28.04.2017 16:16, allen watz

    “Kindly let me help you or you will drown,” said the monkey putting the fish safely up a tree.

  • 04.05.2017 07:36, Maximilian Gumpp

    Hier wird eindeutig menschliche Tierrechtsethik über das Wohlbefinden eines konkreten Tieres gesetzt. Wie kann man behaupten besser zu wissen was der Schimpanse will als seine Besitzer, die ihn seit 40 Jahren kennen?

  • 08.11.2018 17:56, Angel

    Ich finde es unter aller S.. Das dir lebt seit 40 j bei dem Zirkus und nur weil wieder irgendwelche Leute zu wissen glauben was das beste für Robby ist soll er von seinen Menschen wech... Denkt überhaupt jemand mal wie es Ihm dabei gehen wird.... . Sicher nicht da sie sich nicht in das Tier hinein zu versetzen.... Auch er wird unter den Verlust leiden... Und sollte er dann an gebrochenen Herzen sterben.... Will niemand dann die Verantwortlich sein..... Top