SG Dortmund zum Arbeitsunfall: Kein Ver­si­che­rungs­schutz auf dem Weg vom Arzt zum Betrieb

23.03.2018

Wer während der Arbeitszeit einen Arzt besucht und auf dem Rückweg zum Betrieb einen Verkehrsunfall hat, hat keinen Arbeitsunfall. Die Wiederherstellung der Gesundheit ist dem persönlichen Lebensbereich zuzurechnen, so das SG Dortmund.

Erleidet ein Arbeitnehmer nach einem knapp einstündigen Arztbesuch während der Arbeitszeit auf dem Rückweg zum Betrieb einen Verkehrsunfall, liegt kein Arbeitsunfall vor. Dies hat das Sozialgericht (SG) Dortmund im Falle eines Arbeitnehmers aus Siegen entschieden, der sich auf dem Rückweg zu seiner Arbeitsstätte nach dem Besuch eines Orthopäden bei einem Verkehrsunfall erheblich verletzte (Urt. v. 28.02.2018, Az. S 36 U 131/17).

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Köln lehnte die Anerkennung des Unfalls als entschädigungspflichtigen Arbeitsunfall ab, da der Weg zum Arzt und zurück eine unversicherte private Tätigkeit darstelle. Die dagegen erhobene Klage wies das SG ab. Der Mann sei nicht auf einem mit seiner versicherten Tätigkeit in Zusammenhang stehenden Betriebsweg verunglückt.

Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit seien dem persönlichen Lebensbereich des Versicherten zuzurechnen und daher unversichert, entschied das SG. Dabei sei es unerheblich, dass der Arztbesuch auch der Erhaltung oder Wiederherstellung der Arbeitskraft und damit betrieblichen Belangen diene. Der Arbeitnehmer habe nicht davon ausgehen können, mit dem Arztbesuch eine vermeintliche Pflicht aus dem Beschäftigungsverhältnis zu erfüllen.

Schließlich liege kein Wegeunfall vor, weil der Mann sich zum Zeitpunkt des Unfalls nicht auf einem versicherten Weg von einem dritten Ort zu seiner Arbeitsstätte befunden habe. Hierfür habe er sich mindestens zwei Stunden in der Arztpraxis aufhalten müssen, was jedoch nicht der Fall gewesen sei.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

SG Dortmund zum Arbeitsunfall: Kein Versicherungsschutz auf dem Weg vom Arzt zum Betrieb . In: Legal Tribune Online, 23.03.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27711/ (abgerufen am: 23.06.2018 )

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Kommentare
  • 23.03.2018 23:35, Mazi

    Auf den Gedanken muss man erst einmal kommen. Ich hoffe, dass der Richter seine Meinung nicht mit "Im Namen des Volkes" begonnen hat.

    Nach herrschender Meinung obliegt dem Mitarbeiter die Pflicht auf seinen Gesundheitszustand zu achten und seine Arbeitsfähigkeit sicherzustellen.

    Zugegeben, diese Dienstpflicht mag für Richter und Beamte anders gesehen werden. Aber Richter, sonstige Beamte und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sind nicht das "Volk".

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    • 24.03.2018 16:18, Josef von+Arimathäja

      Mazi, Bitte nicht aufregen, Wege zur Arbeit sind normalerweise versichert, das würde hier auch zutreffen. Selbst wenn Richter im Park spazieren gehen und über einen Fall nachdenken, ist das auch für diese auch Arbeitszeit, wird bezahlt und ist dann auch höchstwahrscheinlich auch versichert. Daher warte ich auf den Tag an dem Richter ähnlich wie Fußballschiedsrichter zur Unterstützung einen Computer erhalten. Das würde sicher vieles vereinfachen.

    • 25.03.2018 19:49, Mazi

      Danke! Das sehe ich auch so. Zur Arbeitsqualifikation eines Schiedrichters gehört aber, dass er Sehen kann.

      Ich kenne Urteile von Richtern in der Sozialgerichtsbarkeit, nach denen diese über Dokumente entschieden haben wollen, dass diese für ihr Verfahren irrelevant seien, ohne dass ihnen diese Dokumente vorgelegen haben.

      Auf Ihr Beispiel übertragen würde dies bedeuten, dass Schiedrichter ein Spiel im falschen Stadium pfeifen, aber aufgrund der Tatsache, dass sie für ein anderes Spiel angesetzt waren, dass Spielergebnis aus dem Spiel, in dem sie pfiffen, auf das Spiel das sie tatsächlich pfeifen sollten übertragen wird.

      Sie wissen, ich habe da so meine Probleme mit der verfassungsmäßigen Ordnung in der Justiz.

      Ich möchte nicht überziehen und betone, dass ich mit dem Minikommentar der Bundesministeriums des Innern (BMI) vom 26.07.2013 in Bezug auf die Anforderungen ordnungsgemäßer Aktenführung von Behörden zu 100 % übereinstimme. Die Kritik, die ich übe liegt einzig und allein darin, dass sich die Behörden nach den Vorgabe des BMI überhaupt nicht richten. Ich bin zu der Aussage gelangt, dass es absolut keinen Sinn macht Vorschriften zu erlassen, wenn deren Einhaltung nicht überwacht wird.

      Wenn Sie mit 5 km/h zu schnell in eine Ortschaft fahren, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie einen Knollen wegen Geschwindigkeitsüberschreitung erhalten. Wenn ein Richter sich nicht an Gesetz und Recht gebunden fühlt (s.a. Art. 20 Abs. 3 GG), dann kümmert dies keine Behörde.

      Wenn die Politiker nicht wollen, dass die Prinzipien eines Rechtsstaats nicht eingehalten werden, dann sollen Sie sich mit solchen Vorhaltungen gegenüber Drittstaaten zurückhalten.

      Ich finde es richtig, dass man diese Kritik übt. Aber ich vertrete die Auffassung, dass eine solche Kritik nur denen zusteht, die für den Rechtsstaat auch eintreten.

      Wenn einem Leser ein Politiker bekannt ist, der sich für den Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland einsetzt, so wäre ich für einen Hinweis dankbar.

      Es gibt viele Politiker und anhand der nachfolgenden Kommentare mit den jeweiligen Namen sollte man erkennen können, auf welchen Politiker diese Anforderung zutrifft.

  • 24.03.2018 19:02, tüdelütütü

    Ist der Aufenthalt an einem anderen Ort als am Arbeitsplatz kann die Arbeitsleistung am Tag vorübergehend als beendet gelten o.ä. Der (Heim-)Weg an diesen Ort kann dabei als Arbeitsweg berufsunfallversichert sein. Jede zugelassene Arbeitsunterbrechung von geringerer Dauer an einem anderen Ort kann dagegen demnach prinzipiell der Aufrechterhaltung des Arbeitsdienstes (am Tag) dienen o.ä. Damit kann hier sogar ein engerer Zusammenhang zum Arbeitsverhältnis als beim Heimweg vorliegen. Wieso das weniger berufsunfallversichert sein soll, kann danach als nicht unproblematisch erscheinen.

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    • 25.03.2018 05:36, Josef von+Arimathäja

      Hallo tüdelütütü; Das ist hervorragend formuliert: Irgendwie gebricht es dem ganzen Vorgang an Logik. Da hat eine Angestellter oder Arbeitnehmer einen Arzttermin vereinbart um die Abwesenheit am Arbeitsplatz zu verkürzen, dann widerfährt ihm auf der Strecke vom Arzt zum Arbeitsplatz ein Unfall welcher laut BG nicht versichert ist. Da schlage doch das Donnerwetter drein, für was zahlt man denn die horrenden BG-Versicherungsprämien? Dann stimmt ein Richter den Anträgen der BG zu. Nach meiner Auffassung ist es einerlei, wo jemand seinen Weg zur Arbeit beginnt, wenn nur die Wegstrecke zur Arbeit führt. Montagearbeiter müssen ja auch wieder zu ihrem Arbeitsplatz zurück.. Daher sollte man doch Rechner mit einem entsprechenden Programm im Rechtssystem einführen der die Richtung vorgibt welcher Rahmen bei der Urteilsfindung gilt und wo zu stark abgeschweift wird. Man sollte doch einmal Überlegungen anstellen ob die BG mit den heutigen Einstellungen noch zeitgemäß ist. Back to the Roots.

  • 24.03.2018 19:39, Franz Grünweg

    Sowas urteilen Richter, die ihre Kranken- und Unfallversicherung vom Bürger bezahlt bekommen. Konkret: Der Verunfallte zahlt dem Richter seine Genesung durch seine Sozialabgaben, aber seinen eigenen Unfall muss er selber zahlen - dafür sind dann seine gezahlten Beiträge nicht verwendbar.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.03.2018 07:10, Josef von+Arimathäja

      Ich habe schon öfter an der Logik der Richter gezweifelt und daran auch verzweifelt.
      Wir alle zahlen deren Gehalt, Renten- und Unfallversicherung über unsere Steuern, doch leider macht sich von den Herren Richtern kaum jemand Gedanken was mit Angestellten und Arbeitnehmern nach einem Unfall passiert. Immer schön Versicherungsprämien zahlen, den kleinen Mann melken und wenn ihm wirklich etwas passiert, wird meist zu Gunsten der Versicherung entschieden. Was hat der Verunfallte, sollten bleibende Unfallschäden eingetreten sein, von seinem Versicherungsbeitrag? Nichts. Richter und Versicherung drehen ihm eine lange Nase. Und das nur weil er nicht lange genug im Wartezimmer saß! Dazu fällt mir nur ein Ausspruch der Gallier aus den Komikeften von Asterix ein.

    • 27.03.2018 07:39, Josef von+Arimathäja

      Nachtrag:
      Zukünftig werde ich meinen Arzt für diesen Tag um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bitten da ich ja sonst meinen Versicherungsschutz verliere und das auf das obige Urteil verweisen.

  • 27.03.2018 14:37, Chris

    Josef von+Arimathäja
    "Nachtrag:
    Zukünftig werde ich meinen Arzt für diesen Tag um eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bitten da ich ja sonst meinen Versicherungsschutz verliere und das auf das obige Urteil verweisen."

    Warum verlierst Du den Versicherungsschutz???
    Ohne eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, zahlt wenn du einen Unfall nach dem Arztbesuch hast, auch die gesetzliche oder die private Krankenkasse.
    Der Verunfallte hatte natürlich einen Versicherungsschutz, nur eben nicht als Arbeitsunfall über die BG sondern über seine Krankenkasse.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.03.2018 17:05, Josef von+Arimathäja

      Hallo Unbekannte/r
      Der Versicherungsschutz der KK bleibt, doch was ist wie angeführt bei einem bleibenden Schaden? Schon mal die Leistungen der BG mit der der GKK verglichen :-(?

  • 27.03.2018 19:10, Mazi

    Ich möchte eines zur Klarstellung anmerken:
    Wenn es um einen solchen Fall geht, dann sind Berufsgenossenschaften involviert.

    Ist allgemein bekannt, dass die Berufsgenossenschaften keine Verwaltungsakten nach dem Maßstab des Bundesministeriums des Innern führen. Sie stellen keine ordnungsgemäße Aktenführung sicher.

    Ist bekannt, dass Richter der Sozialgerichtsbarkeit keine Verwaltungsakte vorliegen haben, die alle bisherigen wesentlichen sachbezogenen Geschehnisse zur Kontrolle der rechtsstaatlichen Verwaltungsentscheidungen der BG enthält?

    Ist bekannt, dass Richter der Sozialgerichtsbarkeit Dokumente, die sie nicht einsehen konnten, dennoch als irrelevant klassifizieren.

    Ist bekannt, dass Richter der Sozialgerichtsbarkeit Ihre Urteile ebenfalls mit "Im Namen des Volkes" überschreiben, in den Urteilen angeben, dass die Verwaltungsakte ihrer Entscheidungsfindung zugrunde gelegen habe.

    Wenn das so stimmt - und das können Sie nachprüfen -, was ist dann eine besonders schwerwiegender Fehler, der deren Verwaltungsakte für nichtig erklären könnte.

    Wenn also das Bundessozialgericht ein Urteil fällt, dass auf einem Urteil basiert, zu dessen Urteil die Richter sich nicht nach § 103 SGG von Amts wegen sachkundig gemacht haben, welche rechtliche Wirkung soll dann von einer solchen Gerichtsentscheidung ausgehen?

    Das ist nur ein kleiner Ausriss, von dem was wirklich in der Bundesrepublik sich in Exekutive und Judikative abspielt. Es ist mehr als an der Zeit, dass durchgegriffen wird.

    Ich kann beweiskräftig mit anderen Beispielen nachlegen!

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 31.03.2018 07:38, Josef von+Arimathäja

      Hallo Mazi.
      Das kenne ich zur genüge. Richter die ihre Gesetze und Vorschriften nicht kennen oder anwenden und, sagen wir einmal "veränderte" Akten, verschwundene Unterlagen, Aufforderung zu nicht durchführbaren Aktionen, logisch nicht nachvollziehbare Urteilsbegründungen, dafür bräuchte man H- G- Well´s Zeitmaschine, keine Ahnung von Physik und Mathe. Manches mal ist es eben grauenhaft. Gott Lob gibt es noch wenige Exemplare die nicht abgehoben sind und ihren Beruf ernst nehmen. Leider sind das nur noch wenige die wissen was sie mit ihren Urteilen bewirken. Der Rest produziert nur weitere Arbeit für die übergeordneten Gerichte. Ein groß Teil der Belastung der Gerichte verschulden Richter selbst.

    • 31.03.2018 14:54, Mazi

      Das kann man ja sehen wie man will.

      Aber es ist auch so, dass ein Rechtsstaat in seiner Funktion mehr als eingeschränkt ist, wenn es einem Richter/Entscheider nicht mehr möglich ist, sich auf ein einmal angeordnetes System zu verlassen. Die Frage ist dann, ob Richter/Entscheider in ihren Urteilen früher Streitparteien nicht einseitig benachteiligten, indem sie aufgrund einer Aktenlage entschieden, von der sie nicht sicher sein konnten/durften, dass diese vollständig sei.

      Heute wissen wir, dass Verwaltungsakten in Behörden weder gegen Änderungen geschützt sind, noch dass Veränderungen nicht vorgenommen wurden. Das gesamte Rechtssystem ist nachweislich u.a. nach Kenntnis dieser Vorgänge am "wackeln".

      Es ist die Frage, ob wir aus demokratischen Aspekten dazu bereit sind/sein können?

      Auch aus Sicht der Toten am "Breitscheidplatz", vor deren Respekt und der Achtung gegenüber den Bürgern ist es nicht rechtfertigbar, dass staatliche Behörden die Strafvereitelung aktiv betreiben.

      Hier hat nach der Vorgabe des BMI vom 12.05.2017 die arbeitsrechtliche, disziplinarrechtliche und strafrechtlich Konsequenz zu folgen. Von dieser Konsequenz sind nicht nur die betroffen, die an vorderster Front stehen, sondern auch deren Dienstvorgesetzten wegen deren Arbeitsverweigerung - der Ausübung der Dienstaufsicht über die Untergebenen - .

      Man mag diesen Fall, wie die Vielzahl anderer Fälle, als Einzelfall, als unbedeutenden Fall qualifizieren wollen. Wie wir heute wissen, steckt jedoch ein System dahinter.

      Aktuell wird dies von dem Berliner Justizsenator Behrendt m.E. zu recht angeprangert. Nachzulesen ist dies im Spiegelartikel "Terroranschlag am Breitscheidplatz -
      Mögliche Aktenschlamperei bei Berliner Amri-Ausschuss" (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/berlin-moegliche-aktenschlamperei-beim-amri-ausschuss-a-1200673.html).

      Bereits der Sonderermittler Jost hatte im letzten Jahr bekannt gemacht, dass die Verwaltungsakte im LKA zum Fall Amri laut WELT verfälscht wurde (https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/brennpunkte_nt/article166193230/Amri-Akte-war-wohl-gefaelscht.html).

      Dem Vorwurf der schlampigen öffentlichen Bürokratie ist auch mit schönen Worten nicht mehr entgegenzutreten. Sie hat den Rechtsstaat überwunden, abgeschafft. Dem Argument, dass Art. 20 Abs. 3 GG zu einer schönen Worthülse verkommen sei, kann man bei bester Gutwilligkeit nicht mehr entgegentreten.

      Es ist doch nicht wirklich überraschend, wenn Bürger der Obrigkeit nicht mehr trauen, weil die Staatsmacht die Verwaltungsakten zu ihren Gunsten verfälscht hat und wahrscheinlich weiterhin verfälscht.

      Wie stellen sich die Staatslenker vor, mit welchem Anspruch oder Rechtsstaatlichkeit sie Staatsmacht durchsetzen wollen. Es ist doch kein Wunder, wenn Bürger sie und letztlich damit den Staat auslachen. Der Staat hat doch seine Legitimation verloren, wenn wir dies zulassen würden.

      Der Berliner Justizsenator hat schon recht, wenn er die Beweiskraft der Akten anzweifelt, wenn er nicht feststellen kann, ob alle Dokumente überhaupt zurückgegeben wurden. Mit gleichem Recht kann er jetzt Dokumente nachträglich vorlegen und behaupten, dass diese zuvor der Akte bereits beigelegen hätten.

      Wenn Dokumente der Akte nachträglich zugeführt werden können, wer will dann noch behaupten, dass diese zuvor den Verwaltungsentscheidungen zugrunde gelegen hätten?

      M.E. nicht nur unmögliche Zustände, sondern es stellt sich die Frage, ob Rechtsstaatlichkeit überhaupt noch praktizierbar ist.

      § 339 Strafgesetzbuch besagt, dass Richter, andere Amtsträger oder Schiedsrichter, die bei der Leitung oder Entscheidung einer Rechtssache zugunsten oder zum Nachteil einer Partei sich einer Beugung des Rechts schuldig machen, mit Freiheitsstrafe belegt werden.

      Wie sollen diese Personen überhaupt zur Entscheidung berechtigt sein, wenn sie ihre Entscheidungsfindung nicht auf der Kenntnis eines Sachverhalts fällen?

      Wie soll ein Entscheider die Entscheidung fällen, dass eine Unterlage/ein Dokument, dass er nicht gesehen hat, für seine Entscheidung irrelevant sein könnte?

      Der liebe Gott sieht alles, Entscheider aber nur das, was auch kopierbar ist. Der Vergleich vor Gott und dem Richter allein zu sein, ist zwar bekannt, aber aus vorgenanntem Grund unzulässig.

      Wir brauchen dringend eine unbescholtene Institution, die die Entscheider ob ihres Machtmissbrauchs dringend in ihre Schranke weist. Dabei ist es m.E. unzulässig, dass die Institution, die es zu überwachen gilt, faktisch von den gleichen Leuten überwacht wird.

      Wenn es zugegeben schwierig ist, diese Institution zu schaffen, so sollten unzweifelhaft die zuständigen zu verantwortlichen Mitarbeitern erklärt und bei Zuwiderhandlungen härtest bestraft werden. Die Angst vor der Bestrafung (und nicht der Amtsbonus) sollte das System sichern.

      Welcher Abgeordnete des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages ist bei dieser Sachlage, der festgestellten Nichtbeweiskraft der eingesehenen Verwaltungsakte mutig genug, zu behaupten, dass von ihm nicht eingesehene oder vorenthaltene Dokumente für seine Entscheidungsfindung irrelevant seien?

      Ausgehend von dieser IST-Situation der fehlenden Beweiskraft der eingesehenen Verwaltungsakte ist doch festzustellen, dass die verfassungsmäßige Ordnung, die staatlich vorgesehenen Sanktionen überhaupt nicht durchsetzbar sind.

      Wir haben ein Rechtsstaatlichkeitsproblem.

      Ganz so, wie es oben erscheinen mag, ist es auch wiederum nicht.

      Der Untersuchungsausschuss des Bundestages ist nicht die Behörde, die zur Aktenführung verpflichtet ist. Das Bundesministerium des Innern (BMI) hat unter Bezug auf die guten Sitten gefolgert, dass die Aktenführung aus dem Rechtsstaatsprinzip folgt. Die Behörde hat die ordnungsgemäße Aktenführung zu gewährleisten. ... (nachzulesen im Minikommentar des BMI vom 26.07.2013).

      Wenn jetzt der Justizsenator behauptet nicht mehr feststellen zu können, ob die Verwaltungsakte vollständig zurückgegeben wurde, dann kann seine Behörde die Verwaltungsakte zuvor nicht gegen Manipulationen gesichert haben.

      Der Sonderermittler Jost hat bereits im letzten Jahr auf die nachträgliche Verfälschung der Verwaltungsakte hingewiesen. Behrendt war die Sachlage also bekannt und hat nicht gehandelt. Wahrscheinlich ist sogar zu prüfen, ob er sich strafrechtlich wegen Strafvereitelung im Amt zu verantworten hat. Aber als Chef der Staatsanwaltschaft weiß er um die Gefahr, die von seinen Mitarbeitern ausgeht und die Mitarbeiter wissen, von wem ihre nächste Beförderung abhängt.

      Dem Argument von dritter Seite, dass alles wie geschmiert läuft, ist wahrscheinlich kaum etwas Handfestes entgegen zu setzen.

      Letztlich liegt es bei uns Bürgern, ob wir bereit sind, diese Zustände, dieses Verständnis, die Interpretation der verfassungsmäßen Ordnung weiter hinzunehmen oder Druck auf die Legislative ausüben, endlich die tatsächliche Durchsetzung der von ihr beschlossenen Gesetze einzufordern.

      Wenn wir diese Aktenmanipulationen zum Anlass nehmen, die Frage zu stellen, ob es vor oder nach 12 ist und dies in Bezug auf die Durchsetzungsfähigkeit von Recht stellen, dann ist nach diesem Bekanntwerden nichts mehr vor 12 feststellbar, die rechtfertigen könnte, zuzuwarten.

      Nachdem das Thema so öffentlich behandelt wird, ist die Frage zu stellen, ob Politiker sich nicht des eigenen Vorwurfs der Strafvereitelung im Amt schuldig machen, wenn sie untätig bleiben.

      Diese Einlassung ist zwar lang, m.E. zu lang, aber man muss dies vor dem Hintergrund sehen, dass hier ein wirklich "dickes Brett" zu bohren war.

      Es ging einmal um Rechtsstaatlichkeit und ob Richter/Entscheider auch dann rechtsstaatlich berechtigt und in der Lage sein sollen, Entscheidungen herbeizuführen, wenn sie vorgeben, dass etwas für ihre Entscheidung irrelevant sei und ihnen ein Dokument, von dem sie dies behaupten wollen, gar nicht eingesehen haben (können). Dabei geht es nicht um die Tatsache, ob das Dokument vorgelegen hat oder nicht, sondern um die Tatsache, ob entlastende Dokumente für eine Partei vorgelegt werden könnten (siehe Argumentation des Berliner Justizsenators Behrendt).

  • 13.04.2018 10:10, EWerner

    Es gab beim SG Augsburg ein Verfahren gegen eine BG.
    Der eingeschaltete Gutachter nach §109 SGG schrieb in dem Gutachten, dass die Akten der Beklagten unvollständig und manipulierbar sind und er deshalb das Gutachten erst nach Vorlage der kompletten Akte fertigstellen kann.
    Die Richterin Frau R. befragte die Beklagte, diese reichte die Akte nochmals nach und das Gericht stellte dann fest, beide Akten sind vollständig.

    Der Gutachter schrieb das Gutachten ein zweitesmal - Akte war jetzt vollständig- .
    Da der Gutachter für seinen ehem. AG für die Archivierung der Krankenakte zuständig war, konnte er erneut den Satz der Manipulation rein schreiben.
    Zitat:
    Die gesamte Aktenlage fällt dadurch auf, dass verschiedene Akten an verschiedenen Orten, teils mit gleichen Inhalten, geführt werden. Die Paginierung hat die Struktur einer Lose-Blatt- Sammlung.

    Die Richterin wies die Klage ab.
    Begründung sie kann dem Gutachter nicht folgen!

    Die befragte Augsburger Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren wegen Rechtsbeugung eröffnet und nach ein paar Tagen wieder geschlossen.

    Rechtsstaat was ist aus Dir geworden.

    W. Ernst
    Elektrotechnikermeister

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