Unterlassungserklärung verlangt: WDR-Redakteurin geht gegen Sati­riker Somuncu vor

von Maximilian Amos

11.01.2017

Eine Redakteurin des WDR will juristisch gegen den Komiker Serdar Somuncu vorgehen. Dieser hat ihr vor laufender Kamera im Gespräch mit einer anderen Journalistin in scharfem Ton Zensur vorgeworfen.

Der Satiriker Serdar Somuncu hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder zum Thema Medien und Meinungsfreiheit zu Wort gemeldet, so auch in der Böhmermann-Affäre. Nun sorgt eine Äußerung in einer Podiumsdiskussion für Wirbel: Somuncu griff dort eine WDR-Redakteurin scharf an und warf ihr Zensur vor. Diese will sich juristisch gegen seine Aussagen wehren.

Auf seiner Facebook-Seite erklärte der Comedian, die betreffende Redakteurin wolle ihn verklagen. Dazu ziert nun einer großer "Zensiert"-Stempel das Titelbild seines Profils, zusätzlich sind die älteren Beiträge seines Facebook-Auftritts nicht mehr verfügbar. Der WDR erklärte dazu am Dienstag in einer knappen Stellungnahme, die Angestellte gehe "wegen schwerer Beleidigung" gegen Herrn Somuncu vor. "Wir unterstützen sie dabei, da wir nicht dulden, dass unsere Mitarbeiterin öffentlich als 'Keimzelle des Faschismus' oder 'Arschloch' bezeichnet wird." 

Auf Anfrage von LTO erklärte am Mittwoch Ingrid Schmitz, Unternehmenssprecherin des WDR, eine Klage gebe es nicht. Es handele sich lediglich um eine Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung. Die Kollegin erhalte aber vom Sender Rechtsbeistand. 

Somuncu: "Zensur im Namen der Gebührenzahler"

In einem Gespräch mit der Journalistin Mely Kiyak im Rahmen einer Veranstaltung der Körber-Stiftung im November 2015 redete sich Somuncu regelrecht in Rage, als es um vermeintliche Zensur von Künstlern durch öffentlich-rechtliche Medien ging. Er prangerte die Verantwortlichen in aggressivem Ton an.

Redaktionen würden unbequeme Äußerungen talentierter Künstler zensieren, kritisierte er. Sie würden manche Comedians "hinrichten", einem Kollegen habe man "das Rückgrat gebrochen" und ihn in die Depression getrieben.

In diesem Kontext nannte Somuncu auch den Namen der WDR-Redakteurin, die er zum Kreis der von ihm beschuldigten Personen zählte: "Und diese Arschlöcher nehmen sich raus, im Namen der Gebührenzahler, uns zu zensieren. Und das war für mich die Keimzelle des Faschismus".

Das Video von der Veranstaltung, das über ein Jahr nach seiner Aufzeichnung nun erstmals große Beachtung findet, ist nach wie vor auf dem Youtube-Kanal der Körber-Stiftung abrufbar, jedoch sind die fraglichen Aussagen Somuncus entfernt worden.

Sprecherin: "Im WDR gibt es keine Zensur"

Zur Kritik von Somuncu erklärte WDR-Sprecherin Schmitz gegenüber LTO knapp: "Im WDR gibt es keine Zensur."

Somuncu, der einem breiten Publikum aus diversen TV-Sendungen wie der ZDF-"heute-show", aber auch nicht zuletzt für seinen zuweilen überaus drastischen Tonfall bekannt ist, beschäftigt sich auf der Bühne oft mit Themen wie Politik, Ausländerhass und Faschismus. Ende vergangenen Jahres kündigte er an, für die Satirepartei "Die Partei" als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf 2017 zu gehen.

Unter dem Hashtag #wdrdogan äußert sich der Kabarettist im Internet zu den Ereignissen. Nach der Stellungnahme des WDR am Dienstag erklärte er auf Facebook: "Der WDR macht da weiter, wo er immer war. Entlarvend ist dabei, dass man nun Zitate sinnentstellt wiedergibt, um den eigentlichen Vorwurf der Zensur zu vertuschen. Ich begrüße dennoch, dass die Verantwortlichen durch ihre empfindsame Reaktion, wenn auch nach beträchtlicher Bedenkzeit, eine Diskussion über Meinungs- und Satirefreiheit angestoßen haben. In der Einsicht liegt manchmal die Erkenntnis."

Zitiervorschlag

Maximilian Amos, Unterlassungserklärung verlangt: WDR-Redakteurin geht gegen Satiriker Somuncu vor . In: Legal Tribune Online, 11.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21736/ (abgerufen am: 16.08.2022 )

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