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NSU-Prozess zieht sich: Verhandlungstage bis Mitte 2015 angesetzt

10.09.2014

Der NSU-Prozess ist schon jetzt ein Mammutverfahren - und nun dauert er noch länger als bislang offiziell geplant: Das OLG München gab am Mittwoch neue Termine für weitere Verhandlungstage bis Mitte des kommenden Jahres bekannt.

Der NSU-Prozess dauert nach neuen Planungen des Oberlandesgerichts (OLG) München bis mindestens Mitte kommenden Jahres. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl setzte 57 weitere Termine von Januar bis Ende Juni 2015 fest, wie das OLG am Mittwoch mitteilte. Damit würde der Prozess mindestens zwei Jahre dauern und mehr als 230 Verhandlungstage umfassen.

Das Verfahren gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe und vier mutmaßliche Unterstützer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) hatte am 6. Mai 2013 begonnen. Bisher gab es 137 Verhandlungstage. Weitere Prozesstermine waren bislang lediglich bis zum 18. Dezember 2014 festgesetzt.

Der NSU wird für zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle verantwortlich gemacht. Zschäpe muss sich als Mittäterin an allen Verbrechen des NSU vor Gericht verantworten.

Die Verlängerung des Prozesses kommt nicht überraschend: Bereits vor der Sommerpause hatte Götzl eine entsprechende Anfrage an die Prozessbeteiligten verschickt, um Termine für 2015 planen zu können.

dpa/una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

NSU-Prozess zieht sich: Verhandlungstage bis Mitte 2015 angesetzt . In: Legal Tribune Online, 10.09.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/13141/ (abgerufen am: 24.08.2019 )

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Kommentare
  • 10.09.2014 21:12, Michael Wirriger

    Ich finde "mehr als 230 Verhandlungstage" nicht ungewöhnlich, insbesondere angesichts der Bedeutung und des Umfangs der Anklagevorwürfe (sowie angesichts der Zahl der Prozessbeteiligten). Selbst der sogenannte "Baader-Meinhof-Prozess" hatte seinerzeit aufgrund der Komplexität des Verfahrens "nur" 192 Tage bis zum Urteil gedauert (und ist - aufgrund des Todes der Angeklagten - nie rechtskräftig abgeschlossen worden).

    Ich selbst bin als Staatsanwalt einmal gebeten worden, in einem "normalen" Wirtschaftsstrafprozess die Sitzungsvertretung "für den 237. und den 238. Verhandlungstag" wahrzunehmen.

    Der Strafprozess um den Bombenanschlag in der Diskothek "La Belle" in Berlin soll dem Vernehmen nach sogar rund 800 Verhandlungstage angedauert haben, und zwecks besserer Überschaubarkeit soll der Prozess eine eigene Internet-Seite gehabt haben.

    In Berlin und München und anderswo gilt eben: "fiat iustitia, et pereat mundus" (Es walte Gerechtigkeit, und wenn die Welt dabei zugrunde geht.").