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LG Trier zu veganem "Käse": Die Milch macht's

05.04.2016

Das LG Trier hat entschieden, dass veganer "Pflanzenkäse" kein Käse ist und nicht als solcher beworben werden darf. Die Bezeichnung "Käse" sei tierischen Milcherzeugnissen vorbehalten.

Das Landgericht (LG) Trier hat einem auf vegane und vegetarische Kost spezialisierten Betrieb aus der Eifel im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes untersagt, einige seiner Produkte unter der Bezeichnung "Käse" beziehungsweise "Cheese" zu vermarkten (Urt. v. 24.03.2016, Az. 7 HK O 58/16*).

Hierdurch werde gegen Europäisches Recht (EU-VO 1308/2013) verstoßen, nach der die Bezeichnung als Käse tierischen Milcherzeugnissen vorbehalten sei. Der Internetauftritt des Veggie-Unternehmens, in der die Produkte beworben werden, stelle sich deshalb als wettbewerbswidrig dar.

Der Umstand, dass durch erläuternde Zusätze in der näheren Produktbeschreibung klargestellt werde, dass es sich gerade nicht um Produkte tierischen Ursprungs handele, beseitige die Wettbewerbswidrigkeit nicht. Auch komme es nicht darauf an, ob die Gefahr bestehe, dass Verbraucher durch die Bezeichnung getäuscht würden, entschieden die Richter.

acr/LTO-Redaktion

* Anm d. Red.: Das Aktenzeichen wurde nachträglich korrigiert. Geändert am 28.12.2016, 12:10.

Zitiervorschlag

LG Trier zu veganem "Käse": Die Milch macht's . In: Legal Tribune Online, 05.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18973/ (abgerufen am: 07.07.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 05.04.2016 20:39, Ein längst überfälliges Urteil

    Warum muss die Veggie-Industrie sich begrifflich immer an die Bezeichnungen für Produkte tierischen Ursprungs anhängen? Sie verschleiert dadurch gegenüber dem flüchtigen Blick der Verbraucher bewusst die wirklichen Produktbestandteile. Diese falschen Bezeichnungen bergen so eine Täuchungsgefahr und gehören daher zu recht verboten.

    • 05.04.2016 23:09, Mad

      ... und dass die schönen Milch- und Käseverpackungen mit "Weiderindern" werben und freudigstrahlende Kühe zeigen ist keine Verbrauchertäuschung?
      Als ob "Wurst" und "Milch" Begriffe sind, die nur Metzger und Molkereien gepachtet haben. Danke für einen weiteren Rückschritt - wie gewohnt aus Trier.

    • 06.04.2016 00:36, Moby

      Als ob es hier um "Verschleierung" ginge.
      Wenn in veganem Käse einfach nur KEINE Drüsensekrete + Gedärme drin sind, und man das mit dem Begriff auch nicht suggeriert, wird auch nix verschleiert.
      Wer denkt, in "Veganem Käse" sei was Tierisches, hinkt ohnehin ernährungstechnisch etws hinterher.
      Welche Inhalte sollen denn verborgen werden, wenn sie ohnehin auf der Zutatenliste stehen müssen?

    • 06.04.2016 11:16, Michael

      Das fragt man sich bei Fleischsalat, toastys und Fleisch in Dino-Form auch. Was will man da verschleiern?

  • 06.04.2016 09:09, Cruelty Free

    Das letzte Aufbäumen der Tierqualindustrie ;-)

    • 09.04.2016 18:41, Ina

      .... ohne die es weder vegetarische noch vegane Produkte gäbe und eine bis zum Jahr 2050 auf 11 Mrd. wachsende Weltbevölkerung kaum ernährt werden könnte?

    • 09.04.2016 19:02, Hermann Kastner

      @ Ina
      Sie sind entweder total fehlinformiert oder profitieren auch von der Tierqualindustrie.....INFOS: https://www.youtube.com/watch?v=qxrmosy1jCY

  • 06.04.2016 10:37, Felix May

    Wenn Richter Käse produzieren, dann ist dies besonders schlimm.

  • 06.04.2016 11:23, Jörg Reichelsdorfer

    Stimme Mad und Moby vollständig zu.
    Bei dem ganzen industriellen Mist und Abfall, der im Industriekäse enthalten ist bin ich für jede vegane Variante zu haben. Schön wäre halt, wenn dann diese nicht so sehr industriell "optimiert" ist. Aber wenn ausgerechnet der bislang größte Industrie"wurst"produzent inzwischen der größte Produzent veganer und vegetarischer Ersatzprodukte ist, sehe ich eher schwarz.

    Müsste die Industrie deklarieren, was in ihren "traditionellen" Produkten alles enthalten ist, dürfte das wohl auch nicht mehr "Käse" oder "Schinken" heißen. Insofern ist das Urteil in meinen Augen nicht zeitgemäß und schlicht unrichtig.

    Aber bis wir eine verständliche Deklarationspflicht auf Lebensmittel haben ist wohl noch ein weiter Weg...

  • 08.04.2016 23:00, Erich Gahr

    in Frankfurter Würstchen sind doch auch keine Frankfurter verwurstelt und dürfen sich trotzdem Frankfurter nennen.

    • 09.04.2016 13:36, Rob Sphere

      Da wäre ich mir gar nicht so sicher - der deutsche Massenmörder Fritz Haarmann hat als Metzger gearbeitet und seine Opfer zum Teil verwurstet und an seine Kunden verkauft. Es ist erwiesen, dass in den teils gut von der Öffentlichkeit verborgenen Schlachtbetrieben mehr als genug perverse Sadisten arbeiten, die sich dort unbeobachtet fühlen und ihre kranken Neigungen an armen Tieren ausüben. Gut möglich also, dass so mancher Karnivore schon mal einen "echten Frankfurter" gekostet hat ;-))

      das Haarmann-Lied:

      1. und 3. Strophe)


      „Warte, warte nur ein Weilchen,
      bald kommt Haarmann auch zu dir,
      mit dem kleinen Hackebeilchen,
      macht er Schabefleisch aus dir.
      Aus den Augen macht er Sülze,
      aus dem Hintern macht er Speck,
      aus den Därmen macht er Würste
      und den Rest, den schmeißt er weg.“

      (2. Strophe)

      In Hannover an der Leine,
      Rote Reihe Nummer 8,
      wohnt der Massenmörder Haarmann,
      der schon manchen umgebracht.
      Haarmann hat auch ein’ Gehilfen,
      Grans hieß dieser junge Mann.
      Dieser lockte mit Behagen
      alle kleinen Jungen an.

      (Zurück zur ersten Strophe; danach Schluss.)

      In diesem Sinne: Guten Appetit an alle Karnivoren ;-)

  • 08.04.2016 23:02, Erich Gahr

    Richter haben einen gesetzlichen Anstrich und der bröselt mit solchen Urteilen immer mehr ab.

  • 09.04.2016 00:29, Hermann Kastner

    Täuschungsgefahr.....hast wohl Angst, dass Du an Vergiftung stirbst, wenn Du irrtümlich einen pflanzlichen KÄSE erwischt.....? Wenn Du den Unterschied nicht merkst und womöglich auch noch überlebst, ist eh nichts weltbewegendes passiert.....außer dass Du Deiner Gesundheit was Gutes getan hast..... ;-)

  • 09.04.2016 08:48, Kai Nehr

    Das müssen sie deklarieren...

  • 09.04.2016 09:49, Chili

    Es ist doch letztendlich egal, ob vegan, vegetarisch oder tierischer Käse - Käse bleibt Käse - weil ungesund. Der vegetarische und vegane Käse schmeckt doch nur "nach Käse" weil die Industrie es geschafft hat uns an den industriegeschmack zu gewöhnen.
    Wahre Lebensmittel benötigen lauf Gesetzt keine Angabe der Inhaltsstoffe, wäre auch zu aufwendig auf jede Banane, jedes Grünkohlblatt und jedes Radieschen ein Etikett zu kleben und dann stelle man sich noch die Warnhinweise für Allergieker vor: Achtung, dieses Nahrungsmittel kann positive gesundheitliche Auswirkungen haben.
    Oder: Achtung, erhöhter Verzehr kann Diabetes II heilen helfen.

    Mein Rat an alle: Halten Sie sich von allen industrieell stark verarbeiteten "Nahrungsmitteln" fern - ihrer Gesundheit zu liebe!

    • 09.04.2016 14:09, Hermann Kastner

      @Chili
      Jaaa, das ist doch mal ein wahres und vernünftiges Wort.....100% Zustimmung!!!

    • 10.04.2016 19:06, D.Pick

      Da gibt es nix mehr hinzuzufügen - außer DANKE

  • 09.04.2016 13:03, Johann Wolfgang von Goethe

    « Getretner Quark
    wird breit, nicht stark! »

    (West-östlicher Divan. [Kap. 7] Hikmet-Maneh / Buch der Sprüche. Stuttgart [Cotta], 1. Aufl. 1819, S. 111, zit. nach: http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/goethe_divan_1819?p=121 [Abruf 09.04.2016 02:25])

  • 09.04.2016 15:19, Anni Reeg

    Wenn das so ist, dann darf man auch nicht mehr das Wort Jägerschnitzel verwenden, weil das Schnitzel ja auch nicht vom Jäger stammt. Da gibt es noch viel mehr was man nicht als das was es ist angeben darf, doch das würde den Rahmen sprengen hier alles aufzuzählen...

  • 09.04.2016 18:11, Denise

    Was ist denn mit Leberkäse und Fleischkäse?

    • 09.04.2016 19:21, Hermann Kastner

      @ Denise
      .....da sind die Tierausbeuter ja unter sich.....bekanntlich 'hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus'.....nur gegen diese 'unverschämte pflanzliche Konkurrenz' muss (gemeinsame) Front gemacht werden.....sie sehen eben schon schön langsam, aber immer schneller 'die Felle davonschwimmen'.....
      INFOS: https://www.youtube.com/watch?v=qxrmosy1jCY

  • 09.04.2016 23:20, Uwe Nagel

    Die spinnen doch wohl!!! Die klauen den Kälbern ihre Mütter dann noch die Milch um darauf noch Ansprüche geltend zu machen??? Einen Scheiß haben die!!! Wenn einer ein Recht auf diese Bezeichnung hat dann wohl der Tierleidfreie "Käse". Die Richter sind doch gekauft von der Mörderriege Molkerei und Wursthersteller!!! Zum Kotzen und zur Hölle mit diesen Idioten!!!!

  • 10.04.2016 09:42, Andrea Langanki

    Ich habe mich stark mit veganen Käseersatzrezepten auseinander gesetzt und es gehört tatsächlich dazu, das Ferment für die Herstellung gebraucht wird. Und reifen müssen die Dinger auch. Man sollte weniger auf die Basis, sprich Milch schielen. Käse ist für mich Käse, wenn das Herstellungsverfahren gleich ist. Über die Herstellung von industriellem Käseersatz weiß ich wenig, außer das mir die langen Zutatenlisten nicht gefallen. So viel Chemie!