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Bochumer Wettskandal-Prozess: Staatsanwaltschaft prüft Revision

20.05.2011

Der Wettbetrugs-Prozess gegen Ante Sapina und zwei Mitangeklagtekönnte in die Verlängerung gehen. Die Staatsanwaltschaft, die sieben Jahre Haft gefordert hatte, prüft eine Revision gegen die Bochumer Entscheidung, mit der Sapina zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war.

Nach den Urteilen im Bochumer Wettskandal-Prozess
prüft die Staatsanwaltschaft nun eine Revision. Dies erklärte ein
Behördenvertreter am Freitag auf dpa-Anfrage. Noch bis zum 26. Mai
haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Gelegenheit, eine
Überprüfung des Urteils durch den Bundesgerichtshof zu beantragen.

Das Bochumer Landgericht hatte am Donnerstag Deutschlands
berüchtigtsten Wettbetrüger Ante Sapina und dessen Komplizen Marijo
C. zu jeweils fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Sapina, der
seit Ostern in Freiheit ist, konnte anschließend auch Marijo C. das
Untersuchungsgefängnis vorerst verlassen.

Das Gericht setzte den Haftbefehl gegen Marijo C. nach
Hinterlegung einer Kaution von 50.000 Euro vorerst außer Vollzug.
Der Wettbüro-Betreiber hatte seit November 2009 in Untersuchungshaft
gesessen. Wie Sapina wird er den Rest seiner Haftstrafe nun erst
antreten müssen, wenn seine Verurteilung rechtskräftig ist. Sollte
tatsächlich Revision eingelegt werden, könnte dies Monate dauern.
Sapinas Verteidiger Stefan Conen hatte unmittelbar nach der
Urteilsverkündung erklärt, diese Frage eingehend prüfen zu wollen.

Nach den Feststellungen der Bochumer Richter haben Ante Sapina & Co. mindestens 28 Fußballspiele manipuliert - bis hin zur WM-Qualifikation. Staatsanwalt Andreas Bachmann hatte in seinem Plädoyer für Ante Sapina sogar sieben Jahre Haft beantragt. Marijo C. sollte mit sechs Jahren und
neun Monaten Haft bestraft werden. Die Verteidiger hatten keine
konkreten Strafanträge gestellt.

Mit den Verurteilungen der mutmaßlichen Drahtzieher im bislang
größten europäischen Fußball-Wettskandal ist die Aufarbeitung des
Falles jedoch noch nicht abgeschlossen. Vier bereits begonnene
Verfahren am Bochumer Landgericht gegen die Hertener Rotlicht-Größe
Deniz C., Wetthelfer Ramazan K., Ex-Basketballprofi Ivan P. und
Ex-Fußballer Kristian S. werden in den nächsten Wochen fortgesetzt.

Außerdem bestätigte die Bochumer Schwerpunkstaatsanwaltschaft für
Wirtschaftskriminalität am Freitag, dass derzeit weitere
Anklageschriften vorbereitet werden. Insgesamt wird noch gegen rund
300 Verdächtige ermittelt.

dpa

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Bochumer Wettskandal-Prozess: Staatsanwaltschaft prüft Revision . In: Legal Tribune Online, 20.05.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/3331/ (abgerufen am: 17.04.2021 )

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