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Freisprüche für Tierschützer: Circus Krone muss Vor­wurf der "Tier­quä­lerei" hin­nehmen

13.05.2016

Wildtiere im Zirkus sind heftig umstritten. Tierschützer äußern sich scharf und abwertend. In Berlin endete nun ein Strafprozess wegen übler Nachrede mit klaren Freisprüchen.

Die Behauptung "Circus Krone quält Tiere" ist nach Ansicht des Berliner Amtsgerichts (AG) Tiergarten nicht strafbar. Das Gericht sprach am Donnerstag zwei Vertreter des Deutschen Tierschutzbüros vom Vorwurf der üblen Nachrede frei. Ob der Zirkus wirklich Tiere gequält hat, sei im Prozess nicht festgestellt worden, sagte die Amtsrichterin in ihrer Urteilsbegründung. Der veröffentlichte Satz sei aber als zulässige Meinungsäußerung von Krone hinzunehmen.

Den strittigen Satz habe er bei einer Demonstration 2014 erstmals in Berlin vor Zirkusbesuchern ausgesprochen, sagte Tierschutzbüro-Gründer Jan Peifer am Rande der Gerichtsverhandlung. Eine erste Strafanzeige sei fallengelassen worden. 2015 habe dann ein Kollege den Satz in einem Newsletter verbreitet. Daraufhin erstattete der Zirkus Anzeige. Die Justiz hatte zunächst mit Strafbefehlen gegen die beiden Tierschützer reagiert. Weil diese aber gegen die Zahlung von je 600 Euro Einspruch einlegten, kam es zur mündlichen Gerichtsverhandlung.

Auch in der Politik werde bereits darüber diskutiert, die Haltung von Wildtieren in einem Wanderzirkus zu verbieten, sagte einer der Verteidiger. Mit Blick auf den umstrittenen Satz erklärten die Anwälte: "Solange abwertende Kritik sachbezogen ist, darf sie scharf und schonungslos sein." Sie präsentierten dem Gericht ein Video, das im Circus Krone gefilmte Elefanten zeigte. Diese Tiere hätten viel zu wenig Bewegungsfreiheit und seien deshalb verhaltensauffällig.

Staatsanwalt plädiert auf Freispruch

Ein leitender Zirkus-Mitarbeiter sagte als Zeuge vor Gericht, Circus Krone sei noch nie wegen Tierquälerei verurteilt worden. In jeder Stadt, in der der Zirkus gastiere, komme sofort ein Amtsveterinär und kontrolliere die Tierhaltung. Der Zirkus könne sich zudem auf wissenschaftliche Aussagen stützen, wonach die Tiere nicht unter Stress litten. Die Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen.

Auch der Staatsanwalt hatte auf Freispruch plädiert. Dabei bezog er sich auf die Erklärung der beiden Tierschützer, sie hätten sich vor der Veröffentlichung des Satzes juristischen Rat eingeholt. Es liege ein unvermeidbarer Verbotsirrtum vor, erklärte der Staatsanwalt.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Freisprüche für Tierschützer: Circus Krone muss Vorwurf der "Tierquälerei" hinnehmen . In: Legal Tribune Online, 13.05.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/19378/ (abgerufen am: 24.06.2019 )

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Kommentare
  • 19.05.2016 17:01, Dobke, Ullrich

    Tierquälerei und als Grundlage nicht artgerechte Haltung, das ist allerorten zu beobachten:
    vielleicht sogar auf der renommierten Adlerwarte Detmold-Berlebeck?! Auch das sterilisieren und kastrieren unserer ach so geliebten Haustiere, so insbesondere Katzen und Hunde, fällt m.E. darunter. Da ist das abschneiden / beschneiden von Schwänzen oder Ohren dieser Tiere doch eher harmlos!

    • 22.05.2016 08:51, KarinPohlmann

      Das Kupieren von Ruten und Ohren ist seit mindestens 15 Jahren in Deutschland verboten und hat mit diesem Thema hier absolut nichts zu tun! Das Kastrieren von Katzen dient zu ihrem Schutz: Unkontrollierte Vermehrung bringt nur Elend und Krankheiten mit sich! Hunde sollte man nur kastrieren, wenn es medizinisch indiziert ist, machen aber die meisten Tierheime, weil sie auch unkonrollierte Vermehrung befürchten. Das ganze hat jetzt aber nichts mit Circus Krone zu tun! Dort werden Tiere liebevoll gepflegt und ich kann dieses Gerichtsurteil absolut nicht verstehen!

  • 22.05.2016 09:05, KarinPohlmann

    Dieses Gerichtsurteil ist mir völlig unverständlich und die Behauptung, bei Circus Krone würden Tiere gequält geht auch bei weitem über das Recht auf freie Meinungsäusserung hinaus! Es ist üble Nachrede, Verleumdung, Geschäftsschädigung! Ich durfte mehrfach hinter die Kulissen blicken, beim Training mit den Tieren zusehen: Da arbeiten Menschen mit grossem Sachverstand und grosser Tierliebe! Viele Tiere in "Privathand" oder in der Landwirtschaft(wobei ich nicht behaupten möchte,Bauern seien per se Tierquäler, nicht falsch verstehen..) würden sich glücklich schätzen, wenn sie unter diesen grosszügigen Bedingungen wie bei Krone leben dürften!

  • 20.01.2018 08:25, Flora Faunata

    Der ewige Satz : "woanders ist es viel schlimmer" zieht nicht und ausserdem ist auch die Aussage :"wir werden ständig kontrolliert" unvollständig, denn die Frage ist nicht wie oft , sondern mit welchem Ergebnis und da ist es doch in der Vergangenheit beim Circus Krone zweifelsfrei zu tierschutzrechtlich relevanten Verstößen gekommen.....o15

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