200 Jahre Carl Heymanns Verlag: Eine Fest­schrift zum Geburtstag

von Pia Lorenz

06.11.2015

Wolters Kluwer Deutschland feierte am Donnerstag zweihundert Jahre Carl Heymanns. Und beschenkte dabei nicht nur Karsten Schmidt mit dem Carl Heymann Preis, sondern bekam selbst eine Festschrift zum Jubiläum.

Es ist bereits das zweite Jubiläum in diesem Jahr für den juristischen Fachverlag, der seit 2006 - wie auch LTO - Teil des Informationsdienstleisters Wolters Kluwer ist. Im Februar feierte der zweitälteste Verlag Deutschlands bereits die Veröffentlichung des 200. Bandes der Entscheidungssammlung des Bundesgerichtshofs in Zivilsachen (BGHZ). Seit der Gründung des Bundesgrichtshofs dokumentiert der Carl Heymanns Verlag dort dessen Arbeit im Zivilrecht.

Es sind aber nicht nur die ehrwürdigen schwarzen Bände mit goldenem Aufdruck, die jeder Jurist mit dem Verlag in Verbindung bringt, der seinen Sitz heute in Köln hat. Auch das charakteristische Blau-Weiß von Carl Heymanns ist unter Juristen wohlbekannt. Wirtschaftsrechtler Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Karsten Schmidt nennt seine Werke 'Handelsrecht' und 'Gesellschaftsrecht', die wohl zu den renommiertesten des Verlags gehören, liebevoll "die blauen Wunder". Schmidt erhielt bei der Jubiläumsfeier am Donnerstagabend den Carl Heymann Preis. Wolters Kluwer würdigte damit zum zweiten Mal eine Persönlichkeit, "die durch besondere Leistungen auf dem Gebiet der Rechts- und Staatswissenschaften hervorgetreten" ist.

Er war nicht der einzige Beschenkte. "Wissenschaft und Praxis war es ein hohes Anliegen, den 200. Geburtstag des Verlages auch mit einer Festschrift zu ehren", sagte Prof. Dr. Hanns Prütting. Der Direktor des Kölner Instituts für Verfahrensrecht ist einer der fünf Herausgeber der Festschrift "Recht im Wandel europäischer und deutscher Rechtspolitik", die er bei deren Würdigung als "Verbeugung prominenter Wissenschaftler vor dem Verlag" bezeichnete. Sie enthält grundlegende Beiträge dutzender renommierter Juristen aus Richterschaft, Ministerium, Rechtsanwaltschaft, Notariat und Wissenschaft zum Staatsrecht, Zivil-, Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht, zum Insolvenzrecht sowie zum gewerblichen Rechtsschutz verfasst haben.

200 Jahre Tradition, sieben Juristen-Generationen

Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin, selbst Jurist, schmunzelte, als er erzählte, wie er sich auf sein Grußwort bei der Jubiläumsfeier im Kölner Gürzenich vorbereitet habe: "Ich habe mir noch einmal meine Bücher von früher angesehen - und sie waren fast alle vom Carl Heymanns Verlag".

Sieben Generationen von Juristen haben seit der Gründung mit den Publikationen des Verlags gearbeitet, sagte Burkhard Schulz, Chefverleger bei Wolters Kluwer Deutschland. Die zweihundert-jährige Verlagsgeschichte wurde auch durch das anwesende Publikum repräsentiert: Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Wolters Kluwer Deutschland, Dr. Ulrich Hermann, begrüßte mit besonderem Stolz Sybille Gallus, Nachfahrin der Gallus-Familie, welche die Geschicke des Unternehmens im vergangenen Jahrhundert prägte.

Alles begann im Herbst 1815, als Namensgeber Carl Heymann zunächst ein Antiquariat mit Leihbibliothek in Glogau in Schlesien eröffnete und später um einen Verlag erweiterte. Der siedelte 1835 nach Berlin um und machte sich in der Folge einen Namen im Bereich juristischer Fachliteratur.

Nachdem sein Gründer im Jahr 1862 verstirbt, wird das Unternehmen bis 1863 zunächst von der Familie weitergeführt und anschließend an Dr. A.E. Wagner und vier Jahre später M.F. Fleischinger und Julius Imme verkauft. 1871 geht es zurück zu den Wurzeln. Otto Löwenstein, ein Enkel Heymanns, kauft den Verlag und übernimmt seine Leitung. Er beginn nach der Gründung des deutschen Reichs im Jahr 1871 die Spezialsierung zu einem rechts- und staatswissenschaftlichen Programm, steigert die Titel-Produktion und verlegt u.a. die erste Ausgabe des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), das am 1. Januar 1900 in Kraft trat.

Weibliche Führungskraft: Carl Heymanns damals, WKD heute

Im Jahr 1918 übernimmt Löwensteins Adoptiv-Tochter Annie Gallus die Leitung des Verlagshauses - sie muss sich gegen Vorurteile in einer männer-dominierten Welt durchsetzen, erklärte Dr. Ulrich Hermann bei seiner Eröffnungsrede und verwies auf die etwas anderen Zeiten heute bei Wolters Kluwer. Chief Executive Officer des internationalen Konzerns ist die US-amerikanische Managerin Nancy McKinstry, die Division Legal & Regulatory wird mit Stacey Caywood ebenfalls von einer Frau geleitet.

Aber auch Annie Gallus machte ihren Weg: Sie ging als "die Generalin" in die Geschichte des Verlags ein, entwickelte dessen Programm weiter und baute einen Vertriebsapparat auf. Durch zwei Weltkriege manövrierte Gallus, ab den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von ihren beiden Söhnen unterstützt, das Verlagshaus. Auch nach einer Zerstörung des Verlagsgebäudes im Jahr 1945, bei der 30 Mitarbeiter zu Tode kamen, macht sie weiter, Verlag und Druckerei entstehen neu. 1950 gründete Gallus Niederlassungen in Bonn und Köln, drei Jahre später verlegt sie den Hauptsitz des Unternehmens nach Köln. 

Mit der Gründung des BGH werden Entscheidungssammlungen oberster Bundesgerichte zu einem Schwerpunkt des Programms, ab 1955 gibt die Berliner Niederlassung u.a. auch die Entscheidungssammlung des Bundesverwaltungsgerichts heraus. Bis zum Jahr 2006 leiten verschiedene Mitglieder der Familie Gallus die Geschicke des Unternehmens, nach dem Tod seines Vaters Hans-Jörg übernimmt 1986 Betram Gallus seine Leitung. Es ist das Jahr, in dem bei Heymanns die erste Rechtsprechungsdatenbank erscheint, BGH-DAT.

Diesen digitalen Wandel setzt der Verlag seitdem fort, auch seit er 2006 Teil der Wolters Kluwer Deutschland GmbH wurde, die im Zuge dessen auch ihren deutschen Hauptsitz nach Köln verlegt hat. "Die Verlagsarbeit ist weiter im Zentrum unseres Hauses", versicherte der Vorsitzende der Geschäftsführung Hermann am Donnerstag, "aber unsere Inhalte sind vom digitalen Format nicht mehr wegzudenken". Heute mache Wolters Kluwer in Deutschland bereits über 60 Prozent seiner Umsätze mit digitalen Lösungen, Software und Services. Bei dieser Linie will das Unternehmen bleiben: "Mit Stolz blickt Wolters Kluwer auf die Geschichte des Carl Heymann Verlags zurück", sagte Chefverleger Schulz am Rande der Jubiläums-Veranstaltung. "Wir sehen uns auch für die Zukunft verpflichtet, unseren Kunden rechtssicheres Wissen dort zur Verfügung zu stellen, wo sie es benötigen", ergänzte Hermann. 

Zitiervorschlag

Pia Lorenz, 200 Jahre Carl Heymanns Verlag: Eine Festschrift zum Geburtstag . In: Legal Tribune Online, 06.11.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17460/ (abgerufen am: 29.09.2023 )

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