Neuer Legal-Innovation-Standort: Rein­vent Law eröffnet in Frank­furt

12.04.2018

Ein neues Legal Innovation Hub will an der Zukunft der Rechtsberatung arbeiten. Im Workingspace in Frankfurt sollen Kanzleien, Rechtsabteilungen, Legal-Tech-Unternehmen und Bildungseinrichtungen neue Denkstrukturen und Produkte entwickeln. 

Im Frankfurter Ostend wird am Donnerstag "Reinvent Law" eingeweiht. Gründungspartner des nach eigenen Angaben ersten Legal Innovation Hub in Kontinentaleuropa sind u.a. die internationale Wirtschaftskanzlei Baker McKenzie, der Wissens- und Informationsdienstleister Wolters Kluwer, zu dem auch LTO gehört, sowie die Rechtsabteilungen von Bosch, Daimler und ZF Friedrichshafen. Mit Ryter, Lexemo und Streamlaw ziehen auch drei Legal-Tech-Unternehmen ein und für die akademische Seite mischen die Legal Tech Labs der Universität Frankfurt und Bucerius Executive Education mit. 

Reinvent Law will Lösungen für digitale Herausforderungen entwickeln. Und dazu Kanzleien, Rechtsabteilungen, Legal-Tech-Startups und Wissenschaftler miteinander vernetzen. Der Workspace am Sitz des Unternehmens in der Hanauer Landstraße, der auf Hoodies statt Anzüge setzt, soll ein Ort der Begegnung und des Austausches werden, wo Lösungen für digitale Herausforderungen entwickelt werden. Dabei stehen nach Angaben des Unternehmens neue Technologien und optimierte Arbeitsprozesse im Fokus.

Laut der Webseite des Unternehmens können Juristen dort in Workshops "Denkblockaden abbauen", agiles Arbeiten lernen und innovative Technologien testen. Im Rahmen eines sogenannten Legal Tech Labs soll es regelmäßige Events, Meetups und Hackathons geben. Finanziert werden soll das über ein mitgliederbasiertes Modell.

Das neue digitale Legal Ecosystem formen

"Wir wollen einen Hort für die aktive Legal-Innovation-Szene schaffen", sagte Daniel Devivere am Donnerstag in Frankfurt. Der Managing Director von Reinvent Law hat zuvor Erfahrungen gesammelt im Bereich Fintech und als Consultant bei Baker McKenzie. Frankfurt habe das Potenzial, ein aktives Ecosystem im Bereich Legal Tech in Europa zu schaffen.

Der hessische Wirtschaftsminister, Tarek Al-Wazir, würdigte die Entscheidung des neuen Unternehmens für den Standort Frankfurt als "positiven Schritt auf dem Weg, in der Region Frankfurt Rhein-Main einen führenden Standort der digitalen Ökonomie zu etablieren". Zuletzt hatte die hessische Metropole am Landgericht eine englischsprachige Handelskammer eingerichtet.  

Auch aus Sicht von Matthias Scholz, Managing Partner Baker McKenzie in Deutschland und Österreich, bietet Frankfurt "als einer der wichtigsten Plätze der Finanzindustrie in Kontinentaleuropa und mit seinem Schwerpunkt im Bereich Fintech ein ideales Umfeld für das neue Projekt". In Reinvent Law sieht er "die Möglichkeit, hands-On in einer kollaborativen Atmosphäre neue rechtliche Lösungen zu erschaffen" sowie Mandanten und ihre Geschäftsmodelle noch besser zu verstehen. Für die Kanzlei, deren Chief Strategy Officer Dr. Hariolf Wenzler auch Vorstands- und Gründungsmitglied der European Legal Technology Association ist, sei Innovation zentrales Element ihrer Strategie, betonte Scholz. 

Gründungsmitglied und Knowledgepartner Wolters Kluwer will neben seinen renommierten Fachinhalten auch seine internationale Technologiekompetenz in das Projekt einbringen. Auch im Rahmen der Partnerschaft mit Reinvent Law will der Wissens- und Informationsdienstleister "das neue digitale Legal Ecosystem formen und orchestrieren", sagte CEO Martina Bruder in Frankfurt. 

pl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Neuer Legal-Innovation-Standort: Reinvent Law eröffnet in Frankfurt . In: Legal Tribune Online, 12.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28027/ (abgerufen am: 22.04.2018 )

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Kommentare
  • 13.04.2018 07:12, M.D.

    Solche Innovation Tanks sind deshalb witzig, weil jeder Angestellte, der dort etwas erfinden soll, mit seiner Idee auf dem freien Markt Millionär und in seltenen Fällen Milliardär werden kann. Es erinnert ein wenig an den braven Erfinder von Aspirin.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Hoffmann

    Man kann es natürlich auch andersrum sehen. Sollten die Angestellten nichts erfinden, was leider extrem wahrscheinlich ist, weil die USA auf diesem Sektor regelmäßig schneller sind, bekommen sie ihr Gehalt trotzdem. Wenn es richtig gut läuft, wird vielleicht sogar der befristete Arbeitsvertrag verlängert.

    Meine Gratulation geht an die Leute, die das ganze konzipiert haben. Ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das die Entwicklung von Geschäftsmodellen beinhaltet, ist durchaus kreativ. Wer es schafft, die Vision von der wundervollen Zukunft nicht nur zu verkaufen, sondern daraus auch noch ein Dauerschuldverhältnis zu machen, ist in meinen Augen ein wahrer Künstler. Das Schöne daran ist, dass der Kunde genau das bekommt, was er sich in seiner Phantasie erhofft, es dauert lediglich noch ein wenig, bis das Produkt fertig ist.

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    • 13.04.2018 10:17, So mal+unter+uns

      M.D., ich würde hier gerne einen Like für schöne Formulierungen vergeben. Fand ich toll zu lesen, insbesondere den letzten Absatz.

  • 13.04.2018 17:15, S. Minneker, Frankfurt

    Schön für den Standort Frankfurt! Es kommt weiter Bewegung in den Rechtsmarkt Deutschland. Um bei Legal-Lösungen aufzuholen sollte man sich ranhalten, andernfalls wird "Reinvent Law" zum "Reinvent des Rades". Legal Tech Entwicklungen - vor allen Dingen aus den USA - haben den Markt bereits gewaltig umgekrempelt und stehen auch deutschen Unternehmen zur Verfügung. Vielleicht führt bei Entscheidungsträgern die Erkenntnis und eine Strategie gepaart mit Umsetzungswillen schneller zum erfolgreichen Ziel.

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