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Tierische Gerichtsprozesse: Kräh­verbot und Kral­len­k­ratzer

31.12.2016

Hund Toby soll die Treppe zerkratzt, ein Ehemann heimlich den geliebten Chihuahua verkauft haben - auch dieses Jahr wurden vor deutschen Gerichte kuriose Fälle mit Tieren verhandelt.

2016 war die Justiz in Deutschland nicht nur mit Zweibeinern beschäftigt. Unter anderem auch ein kleiner Dackel, eine wildgewordene Kuh und eine ganze Wisent-Herde stellten die Gerichte vor Entscheidungsfragen. Bei diesen Prozessen standen Vierbeiner im Fokus. 

Ein Dackel vor Gericht: Ein Paar aus Bayern las vor Jahren im Urlaub in Brandenburg den entlaufenen Hund "Bonny" an einem Straßenrand auf und nahm sich seiner an. In diesem Sommer konnten die ursprünglichen Besitzer nach vier Jahren vor Gericht die Rückgabe des Dackels erstreiten. "Bonny hat sich wieder gut bei uns eingelebt und macht jetzt ihre Ausbildung zum Jagdhund", berichtete Besitzerin Jutta Kühl. Für Bonny bedeutet dies einen Verzicht auf all zu viele Leckerlis. "Sie hatte zuviel Speck angesetzt, aber jetzt ist sie wieder wunderbar in Form", sagte Kühl.

Krähen im Freien nur noch nach Zeitplan: Hähne und Hühner auf einem Hof in Brandenburg dürfen nur noch nach einem ausgeklügelten Zeitplan raus ins Freie und nach Herzenslust krähen und schreien. Ein Nachbar des Besitzers in Zitz stieß sich nämlich an der Lautstärke und zog vor Gericht.

Der Hobbyzüchter einigte sich im November mit dem Kläger. Zuvor hatte er alles mögliche versucht, um den Nachbarn zu besänftigen: Er schaffte nach eigenen Angaben sogar eine Hahnenrasse an, die angeblich leiser kräht. Half aber nicht. Jetzt müssen die Tiere zu bestimmten Uhrzeiten im Stall verschwinden.

Tobys Krallen: Ein Vermieter in Hannover wollte Mischlingshund Toby aus seiner Wohnung haben. Er war der Meinung, das Tier verschmutze und zerkratze das Treppenhaus. Die Besitzerin hatte den Hund außerdem bei sich aufgenommen, ohne den Vermieter zu fragen, ob das in Ordnung sei. Ein Richter hörte mehrere Zeugen und schaute sich das Treppenhaus und die Wohnung selbst an. Im April kam er zu dem Schluss: Toby darf bleiben. Die Kratzer im Treppenhaus müssten nicht von dem Hund stammen, sondern könnten auch durch Dreck entstanden sein, den Hausbewohner mit ihren Schuhen hereingetragen haben.

Zitiervorschlag

Tierische Gerichtsprozesse: Krähverbot und Krallenkratzer . In: Legal Tribune Online, 31.12.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21628/ (abgerufen am: 07.07.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 31.12.2016 23:24, Hans

    Schade, dass die Entscheidungen nicht nach dem Aktenzeichen und manchmal nicht einmal nach der Gerichtsbezeichnung auffindbar gemacht werden.

    • 01.01.2017 23:16, DerechoRomano

      ... und das auf einer juristischen Plattform immer von "Besitzer" die Rede ist, obwohl scheinbar der Eigentümer gemeint ist. Insbesondere, weil im zivilrechtlichen "Tierrecht" auch noch Begriffe wie Tierhalter und Tieraufseher eine Rolle spielen, ist das schlicht und ergreifend schlampig - und, ohne jetzt gemein klingen zu wollen, liebe LTO-Redaktion, die unnötig inakkurate Nutzung juristischer Termini ist in so vielen Bereichen hier ein derart persistierender Zustand, dass ich mich langsam Frage, ob die Texte hier 1. überhaupt von Juristen verfasst werden und 2. in irgendeiner Form juristisch redigiert werden. Guter Vorsatz für das neue Jahr wäre Investition in Qualitätsmanagement.

    • 05.01.2017 18:23, Ingo

      Zudem Fall Toby habe ich das Az. herausgesucht und auch die Begründung des Urteils. AG Hannover Az: 541 C 3858/15

      https://www.raschlosser.com/zivilrecht/hunderecht/haltungsuntersagung-fuer-hunde-beschluss-der-weg-fuer-mieter-irrelevant/

  • 03.01.2017 09:24, Dr. Faustus

    Wer im Glashaus sitzt...(Stichwort "das" / "dass")

    • 03.01.2017 11:56, DerechoRomano

      Wollen Sie einen offensichtlichen Schreibfehler mit der systematisch fehlerhaften Nutzung juristischer Fachtermini auf einer juristischen Onlinenachrichtenplattform gleichsetzen, noch dazu in der Kommentarfunktion, die eine nachträgliche Korrektur nicht ermöglicht? Wenn wir schon dabei sind: Nach Satzzeichen ist ein Leerzeichen zu verwenden, nach ihren drei Punkten hätte also eine Lücke sein müssen, bevor die Klammer kommt. Meine Güte, manch einer ist sich echt für nichts zu billig ^^.

  • 05.01.2017 18:16, Ingo

    Ja, bitte die Aktenzeichen zu den Verfahren nachreichen, denn diese eignen sich gut zum Verweis in ähnlichen Verfahren.

    • 09.01.2017 19:20, Linksliberaler Multi-Kulti+Ökospinner

      Also mal ehrlich.. 'ähnlich' dürfte extrem selten vorkommen. Und selbst wenn man vergleichbares auf dem Tisch hat - welcher Richter würde sich argumentativ an ein anderes Amtsgericht 'dranhängen'? Das kann einem doch egal sein, was ein Kollege am Amtsgericht Hinterpfuiteufel mal dazu gesagt hat?

  • 06.01.2017 01:57, Rebecca

    Chihuahua Cartier:

    1. Instanz: AG Siegburg 113C21/16
    2. Instanz: LG Bonn 8S183/16