SG bestätigt Versicherungsschutz bei Wühlmausjagd: Land­wirt ver­letzt sich beim Auf­s­tellen einer Selbst­schuss­an­lage

19.04.2018

Versicherungsschutz ja, Kostenerstattung nein: Ein Landwirt, der sich bei der Ungeziefer-Bekämpfung selbst verletzte, bleibt auf seinen Behandlungskosten sitzen, entschied das SG Münster.

Wühlmäuse sind ein Ärgernis für jeden Garten-Besitzer, noch mehr aber für Landwirte, für die die kleinen Nager zu einem schwerwiegenden finanziellen Problem werden können. Vor dem Sozialgericht (SG) Münster stritt nun ein Mann um Versicherungsleistungen, der gegen die Tiere schweres Geschütz aufgefahren hatte - dieses war jedoch nach hinten losgegangen.

Der Bauer hatte eine Selbstschussfalle für Wühlmäuse aufstellen wollen, wie sie im Online-Handel vielfach für kleines Geld erhältlich sind. Das Gerät wird am Eingang eines Wühlmaustunnels aufgestellt. Wird es durch das Tier ausgelöst, schießt das Gerät mit hohem Gasdruck eine Patrone ab und tötet es dadurch.

Auf den vertreibenden Internetseiten finden sich lobende Worte über die Effektivität der Anlage - allerdings mitunter auch Warnungen, nicht unvorsichtig damit umzugehen: "Es können schwere Verletzungen entstehen", warnt etwa eine Käuferbewertung.

SG: Wirksamkeit der Behandlung nicht nachgewiesen

Diese hatte sich der Kläger im Fall vor dem SG Münster offenbar nicht durchgelesen. Jedenfalls unterlief ihm beim Aufstellen der Falle eine folgenschwere Panne: Ein Schuss löste sich aus der Falle und verursachte bei ihrem Eigentümer ein Knalltrauma, eine Schädigung des Innenohrs durch die Einwirkung von sehr hohem Schalldruck.

Der Mann unterzog sich daraufhin einer Behandlung mit einer sog. hyperbaren Sauerstofftherapie (Einatmen von reinem Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck), für die er die Kosten von seiner gesetzlichen Unfallversicherung erstattet haben wollte. Diese weigerte sich jedoch, woraufhin er vor Gericht zog.

Das SG entschied mit nun veröffentlichtem Urteil, dass der Mann beim Aufstellen der Falle durchaus einer Tätigkeit nachgegangen sei, die von der Unfallversicherung abgedeckt sei (Urt. v. 05.04.2018, Az. S 3 U 11/16). Die Therapiekosten i. H. v. etwa 2.600 Euro müsse der Träger aber nicht erstatten: Die Wirksamkeit der Therapie sei nicht hinreichend genau nachgewiesen, so das Gericht. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Es ist keine Seltenheit, dass Selbstschussanlagen zur Vertreibung von Tieren für Ärger sorgen: Derzeit muss sich ein Kleingärtner vor dem Amtsgericht (AG) Saarbrücken verantworten, weil ein Passant durch eine Selbstschussanlage gegen Wildschweine am Knie verletzt wurde.

mam/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

SG bestätigt Versicherungsschutz bei Wühlmausjagd: Landwirt verletzt sich beim Aufstellen einer Selbstschussanlage . In: Legal Tribune Online, 19.04.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/28153/ (abgerufen am: 19.10.2018 )

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Kommentare
  • 19.04.2018 16:26, B.

    Das Selbstschussgerätdürfte eher ein Projektil aus einer Patrone abfeuern, aber keine Patrone selbst, die enthält nur den Gasdruck und ggf. auch noch das Projektil. (Hinterher ist sie leer, wie beim Füllfederhalter nach dem Schreiben.)

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  • 17.05.2018 16:14, C.

    Doch, die Geräte erzeugen nur Gasdruck, der jedoch reicht, um die Wühlmaus zu töten.

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  • 03.09.2018 18:14, EWerner

    Im Schadensfall erlischt der Versicherungsschutz, die Prämien zu BG sind aber zu bezahlen.

    Die Richter des SG hätten sich mal besser Informiert, den die Sauerstofftherapie ist eine durchaus angewendete Therapie bei Knalltrauma.
    So zumindest beschreibt es das UK Murnau und zahlreiche andere Fachärzte.

    Aber ich weis aus eigener Erfahrung, dass gesetzliche UV Träger mit Sozialgerichte zusammen arbeiten und mit allen Legalen und auch nicht Legalen Mitteln versuchen, Kosten zu sparen.

    Ich hoffe der Landwirt geht in Revision.

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    • 13.09.2018 13:43, sinebile

      Überhaupt alle Gerichte, die Klagen abweisen, arbeiten mit den Beklagten zusammen.

      Überhaut alle Gerichte, die Klagen stattgeben, arbeiten mit den Klägern zusammen.

      Verschwörungstheorien haben einen großen Vorteil: man muss seine Theorie nicht beweisen.

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