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JVA-Brief mit Heroin landet beim Anwalt: Sch­mugg­lerin hatte falsch fran­kiert

19.11.2015

Ein zu geringes Briefporto ließ eine Frau auffliegen, die ihrem Freund über vermeintliche "Verteidigerpost" Heroin in die JVA schicken wollte.

Eine 36-Jährige wurde nach Informationen der Mittelbayerischen Zeitung am Dienstag wegen Drogenbesitzes, -abgabe und -handels vor dem Regensburger Landgericht (LG) zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Die drogensüchtige Frau hatte versucht, ihrem ebenfalls heroinabhängigen Partner mittels eines Briefes 4,16 Gramm Heroin ins Gefängnis zu schicken.

Das Kuriose an dem Fall: Um die Kontrollen der Justizbeamten zu umgehen, vermerkte sie als Absender die Kanzlei der Verteidiger ihres Freundes und fälschte dazu sogar den Poststempel der Sozietät. Doch sie machte einen entscheidenden Fehler: Der Brief war mit 70 Cent zu gering frankiert – und ging daher zurück an den vermeintlichen "Absender".

Die Anwälte verständigten die Staatsanwaltschaft und die Polizei. Dort wurde die echte Absenderin der Drogenpost schnell ermittelt: Die Frau hatte ihre Fingerabdrücke und DNA-Spuren auf dem Briefumschlag hinterlassen und war aufgrund zahlreicher Vorstrafen wegen ihrer Drogensucht und der damit verbundenen Beschaffungskriminalität polizeibekannt.

Schmugglerin fühlte sich erleichtert

Wie die Mittelbayerische Zeitung weiter berichtet, gestand die Angeklagte die Tat nicht nur umfassend, sondern sagte, sie habe es "als Erlösung" empfunden, erwischt worden zu sein. Nun hoffe sie durch eine Therapie auf ein straffreies Leben. Sie ist bereits seit ihrem 20. Lebensjahr heroinabhängig.

Der psychiatrische Sachverständige bescheinigte ihr zudem ein Helfersyndrom, sodass sie als vermindert schuldfähig galt. Auch wegen ihres Partners habe sie u.a. Drogendelikte und Meineinde begangen. Sie war bereits zwölf Mal verurteilt worden und befand sich zum Tatzeitpunkt auf Bewährung.

Die Frau wurde aufgrund der Gefährlichkeit des Heroins als Droge mit dem größten Suchtpotenzial sowie der kriminellen Energie, die sich in der konkreten Tat gezeigt habe, zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Zugleich wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

ahe/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

JVA-Brief mit Heroin landet beim Anwalt: Schmugglerin hatte falsch frankiert . In: Legal Tribune Online, 19.11.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17597/ (abgerufen am: 17.10.2019 )

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Kommentare
  • 19.11.2015 21:30, Staranwalt

    was für ein überzogenes strafmaß.

    • 20.11.2015 11:06, Alex

      Wer sich auskennt hat bemerkt, dass sie auf Bewährung war. Also muss sie in diesem Fall durch die erneute Straffälligkeit auch die zur Bewöhrung ausgesetzte Haftstrafe verbüßen. Daraus resultiert das hohe Strafmaß unter anderen!

  • 20.11.2015 11:53, Dr. jur. Theodor von Campe

    Alex : diese Personen schädigten sich allein selbst. Anders als VW´s die ihre Abgase allen in die Lunge pusten. Daher ist das Strafmaß falsch ! Es steht nicht in Relation.

    • 20.11.2015 12:06, Alex

      Das ist ja mal der größte Unsinn. Glauben Sie wirklich, dass nur VW getrickst hat?
      Wollen sie als nächstes die Kühe etc verklagen, weil Sie deren Methan einatmen müssen? Oder mich? Ich stoße ja auch CO2 aus...

  • 20.11.2015 12:01, Danke, Alex

    Außerdem wissen wir nicht, ob das die einzige Straftat war, für die die Strafe verhängt wurde. Vielleicht war die Sache mit dem Brief nur eine von mehreren Taten. Wir waren alle nicht bei der Verhandlung dabei. Wir kennen den Fall nur aus dem Artikel hier. Und der bezieht sich auf eine Zeitungsmitteilung, von der wir auch nicht wissen, ob sie stimmt. Also sollte man sich bei Kommentaren zum Strafmaß zurückhalten.