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Höchste Klageforderung aller Zeiten: Teurer Mittelfinger

Dr. Evil wäre stolz auf ihn: Ein Amerikaner hat im April die höchste Klageforderung aller Zeiten erhoben. Von den Beklagten verlangt er nicht weniger als zwei Sextillionen Dollar.

"Geld hat man zu haben", lautet einer der inoffiziellen Grundsätze des Schuldrechts. Aber wirklich so viel davon? Die Klage von Anton Purisima gegen die Café-Kette Au Bon Pain, die Stadt New York, ihren Nahverkehr, zwei Krankenhäuser und andere lässt dann doch Zweifel an der Pflicht zur Solvenz aufkommen. Schlappe zwei Sextillionen Dollar will Purisima von ihnen haben, ausgeschrieben sieht das so aus:

$2,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000.

Klingt etwas übertrieben? Ist es auch. Die Klageforderung gilt als die höchste, die jemals erhoben wurde – und würde nicht nur die finanzielle Leistungsfähigkeit der Beklagten übersteigen, sondern die der restlichen Menschheit gleich mit. Wie sehr genau, hat die Webseite Xkcd in einigen plastischen und sehr lesenswerten Beispielen nachgerechnet: Danach beträgt etwa der Wert aller verkäuflichen Güter in der Welt rund $77,000,000,000,000, ein winziger Bruchteil des geforderten Betrages.

Damit hat Purisima die einsame Spitzenreiterrolle inne, weit vor den $1,784,000,000,000,000,000,000, die im Jahr 2009 von der Bank of America gefordert wurden, und den im Vergleich fast schon bescheiden wirkenden $3,014,170,389,176,410, welche ein Opfer des Hurricane Katrina 2008 verlangt hatte.

Eigentlich sei sein Schaden ohnehin nicht in Geld zu bemessen, findet Purisima, der im Zweifel wohl lieber zu hoch als zu tief ansetzen wollte. Immerhin sei ihm in einem öffentlichen Bus der Mittelfinger von einem Hund abgebissen worden. Und dann habe ihn auch noch ein chinesisches Paar zu Unrecht fotografiert. Und der Kaffee am Flughafen La Guardia sei auch immer viel zu teuer.

Zugegeben: Die Klage ist selbst nach den lockeren Maßstäben der zeitweise haarsträubenden amerikanischen "personal injury claims" noch wirr. Aber sofern Purisima nicht gerade Eigentümer mehrerer Planeten aus purem Gold sein sollte, die ihm von den Beklagten entwendet wurden, dürfte sich eine plausible Begründung für seine Forderung auch kaum finden lassen.

Zitiervorschlag

Constantin Baron van Lijnden, Höchste Klageforderung aller Zeiten: Teurer Mittelfinger . In: Legal Tribune Online, 20.06.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12296/ (abgerufen am: 25.09.2020 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 20.06.2014 17:54, John Doe

    Mal wieder LTO-typisch "recherchiert".

    "Sextillion" hat im Deutschen und im Englischen nicht die gleiche Bedeutung: Wenn der Amerikaner Sextillion sagt, wird dies im Deutschen mit "Trilliarden" übersetzt (nicht Sextillion).

    Gleiches auch mit Billion: Wenn der Amerikaner Billion sagt, meint das im Deutschen die Milliarde, nicht die Billiarde.

    • 20.06.2014 18:19, iamthejakob

      Zu Ihrer "Recherche" muss man sagen: Guter Ansatz, doch leider haben Sie sich in Ihrem Willen, unbedingt etwas zum Meckern zu finden völlig verrannt. Der englische Artikel redet von "undecillion", welches im Englischen 10^36 bedeutet und von der kurzen Leiter in unsere lange Leiter übersetzt von uns "Sextillion" genannt wird. Der Autor hat also, auch ohne Ihren Hinweis, daran gedacht zu übersetzen und dies auch völlig richtig gemacht.

      Schönen Tag noch.

  • 20.06.2014 18:19, LTO-Redaktion

    Lieber John Doe,

    vielen Dank für den freundlichen Hinweis, das ist uns allerdings durchaus bewusst. Die Klageforderung lautete im Englischen aber gerade nicht auf "two sextillion", sondern auf "two undecillion". Die korrekte Übersetzung dafür ist die von uns gewählte: Zwei Sextillionen.

    • 20.06.2014 19:38, John Doe

      Sorry, ich habe mich vertan!

  • 20.06.2014 19:12, Gundi, die Radlerin

    Ich finde die Klage hervorragend, sie zeigt die schrägen Maßstäbe, die nicht nur in USA gelten.
    Es ist eine gelungene Karikatur einer Klage, wie sie wohl nur in USA möglich ist.

    Ganz so fremd ist uns aber diese schräge Haltung auch nicht.

    Alltagserfahrung einer Radlerin ist ja, dass das plötzliche Öffnen einer Autotür direkt vor der Lenkstange ein harmloses Ereignis ist (immerhin hab ich schon 2 Stürze überlebt), während dem Fahrer den Stinkefinger zu zeigen, eine tiefgreifende Verletzung der Persönlichkeit dieses Fahrers bedeutet.

    Wieviel Schmerzensgeld hätte ich bekommen, wenn mein Mittelfinger bei einem solchen Sturz kaputt gegangen wäre (ich spiele als Hobby Klavier und Gitarre und muss beruflich eine Computertastatur bedienen können.)?

  • 27.06.2014 10:16, CarminaBurana

    Lieber John Doe, ich liebe diese Klug--- er, die durch Halbwissen glänzen wollen und sich dabei voll blamieren. Schweigen Sie lieber, wenn Sie glauben, etwas besser zu wissen.

    Danke + liebe Grüße
    Ihre CarminaBurana