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Kandidatin ins RTL-Dschungelcamp begleitet: Mutter erhält Straf­be­fehl und wird sus­pen­diert

14.01.2017

Trotz Krankschreibung reiste die Mutter einer Dschungelcamp-Kandidatin mit nach Australien. Die Staatsanwaltschaft wirft der Lehrerin nun vor, ihren Dienstherrn getäuscht zu haben. Der hat sie am Donnerstag suspendiert. 

Die Teilnahme am RTL-Dschungelcamp hat mitunter unliebsame Folgen – nicht nur für manche Kandidaten, sondern auch für deren Angehörige. Im Besonderen gilt das für die Mutter von Nathalie Volk. Das Model nahm im vergangenen Jahr an der TV-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" des Senders RTL teil. Ihre Mutter, verbeamtete Lehrerin an einem Gymnasium in Soltau, hatte ihre Tochter nach Australien begleitet. Deswegen muss sie sich demnächst vor Gericht verantworten. Zudem wurde sie am Donnerstag mit sofortiger Wirkung von der Schulbehörde suspendiert.

Was war geschehen? Die Lehrerin hatte für ihre Reise ursprünglich Urlaub beantragt, welcher ihr jedoch versagt worden war. Daraufhin besuchte sie einen Arzt, der sie lediglich für eine Woche krank schrieb, was für die bereits gebuchte Reise allerdings nicht ausreichte. Eine andere Ärztin schrieb sie dann jedoch gleich für mehrere Wochen krank, die Pädagogin flog daraufhin mit ihrer Tochter nach Australien.

Laut NDR-Berichten sind die Ermittlungen durch die Anzeige eines Zeitungslesers ins Rollen gekommen. Bereits seit Februar 2016 läuft ein Disziplinarverfahren gegen die Frau, mit zwischenzeitlicher Ruhezeit. Dann schaltete sich auch die Staatsanwaltschaft ein, durchsuchte die Wohnung der Lehrerin und zwei Arztpraxen.

Das Amtsgericht (AG) Soltau verhängte schließlich auf Antrag der Ermittlungsbehörde im Dezember 2016 einen Strafbefehl in Höhe von 100 Tagessätzen, insgesamt 7.000 Euro. Der Vorwurf: Gebrauch eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses, strafbar nach § 279 Strafgesetzbuch (StGB). Die Anklagebehörde geht davon aus, dass die Lehrerin eine Ärztin durch falsche Angaben zur Ausstellung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung veranlasste. Ihr wird zudem vorgeworfen, beim Schulleiter das Attest für den Zeitraum 7.01. bis 29.1.2016 eingereicht zu haben, obwohl sie gewusst habe, dass eine Erkrankung nicht vorgelegen habe.

Die Lehrerin hat jedoch unlängst Einspruch eingelegt, weshalb es nun wohl im März zum Prozess kommen wird. "Wir haben den Strafbefehl nicht akzeptiert", sagte ihr Anwalt am Freitag. "Wir werden den Rechtsweg ausschöpfen, weil wir uns sicher sind, dass die Vorwürfe nicht haltbar sind. Meine Mandantin war tatsächlich erkrankt."

una/dpa/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Kandidatin ins RTL-Dschungelcamp begleitet: Mutter erhält Strafbefehl und wird suspendiert . In: Legal Tribune Online, 14.01.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/21771/ (abgerufen am: 27.09.2020 )

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Kommentare
  • 14.01.2017 17:09, Ein guter Anfang

    Richtigerweise sollte jeder, der am Dschungelcamp teilnimmt, es produziert, moderiert oder anschaut, mit Strafverfahren überzogen werden. Einen Falschen würde man dabei nicht treffen.

  • 14.01.2017 18:14, Maaaax

    Aber wenn man da mit will ist man doch ernsthaft krank.

    • 14.01.2017 23:17, Toplaz

      Wieso denn? Die Familienangehörigen verbringen schließlich 2 ochen auf RTL kosten in einem 5 Sterne Urlaubshotel.

  • 14.01.2017 19:45, Seb

    @Maaaax: krank vielleicht schon, aber deswegen nicht gleich arbeitsunfähig.

  • 14.01.2017 23:04, Bürger

    Korrekterweise müssten wir hier von "Dienstunfähigkeit" reden, denn Beamte "arbeiten" nicht, sie leisten Dienst ;-)

    • 15.01.2017 09:19, Präziser.

      Sie "dienen" - ob sie 'leisten'...?

    • 19.01.2017 18:59, Noch präziser

      Beamte leisten keinen Dienst, sondern füllen eine Planstelle aus.

  • 16.01.2017 09:20, Bernd

    Was für ein Affentanz, bei dem am Ende eh nix rumkommen wird. Wie will man der Frau nachweisen, dass sie zum fraglichen Zeitpunkt nicht krank gewesen sei? Unterstellt, die Vorwürfe träfen zu, wird sie ja wohl kaum herumerzählt haben, wie sie ihren Dienstherrn ausgetrickst hat.

    • 19.01.2017 17:36, Robert

      Muss man als Beamter eine Reise , die man trotz Krankheit antreten will, nicht vom Dienstherren vorab genehmigen lassen? Zu prüfen hat der Dienstherr, ob die Reise die Gesundung nicht beeinträchtigt / verzögert. Hier wäre also auch disziplinarrechtlich zu prüfen, ob ein Pflichtverstoß vorliegt.