Prozessauftakt am AG Celle: Häft­linge zweigten Wurst und Fleisch aus JVA-Küche ab

26.10.2017

Dass in der JVA mit Zigaretten und Drogen gehandelt wird, ist bekannt. Aber mit Schnitzeln und Würstchen? Unter großen Sicherheitsvorkehrungen hat in Celle der Prozess um krumme Geschäfte in der Gefängnisküche begonnen.

 

Am Donnerstag ging es am Amtsgericht (AG) Celle um Schnitzel, Würstchen und Mettenden. Weil vier Häftlinge des Hochsicherheitsgefängnisses Celle über Monate hinweg Fleisch aus der JVA-Küche unterschlagen und in eigene Gefrierfächer gepackt haben sollen, müssen sie sich vor Gericht verantworten. Aus Sicherheitsgründen wurde die Verhandlung in den großen Saal des Oberlandesgerichtes verlegt.

Die 42 bis 57 Jahre alten Angeklagten sind verurteilte Straftäter, auch ein Doppelmörder ist darunter. Drei von ihnen saßen gemeinsam mit fünf Wachleuten in einer Art Kasten aus Panzerglas. Derjenige von ihnen, der die Sache auffliegen lassen haben soll, durfte in Fußfesseln neben seinem Anwalt sitzen. Auch ein Kühlschrank mit den beschlagnahmten Wurstwaren stand im Saal.

Wegen Beihilfe mitangeklagt ist ein 42 Jahre alter Justizbeamter. Der Küchenchef des Gefängnisses soll beim Portionieren und Einschweißen geholfen haben. Gegen ihn läuft auch ein Disziplinarverfahren. Ihr Mandant gehe seit anderthalb Jahren wegen der Sache mit den Nerven zu Fuß, sagte seine Anwältin Katrin Brinkmann. Sie sei wie die anderen Verteidiger an einer Einstellung des Verfahrens interessiert - aber nur, wenn dies nicht mit einem Schuldeingeständnis des Küchenchefs verbunden sei.

Staatsanwältin will Rolle des Justizbeamten aufklären

Gleich sieben Zeugen hatte Amtsrichter Ingo Jacobs für den ersten Prozesstag geladen. Doch eine Flut von Anträgen der Verteidiger verhinderte, dass an diesem Tag Licht an die Machenschaften in der Gefängnisküche gelangt. Es kam zu stundenlangen Unterbrechungen.

Immerhin verlas Staatsanwältin Gesine Dell' Aquila die knappe Anklageschrift. 30,6 Kilogramm Fleisch, 10,2 Kilogramm Bratwürste und 4,7 Kilogramm Mettenden sollen die Angeklagten abgezweigt haben, zählte sie auf. Zwei Häftlinge sollen die Fleischportionen in Kisten auf Transportwagen auf die Stationen gebracht und in eigene Gefrierfächer "zum Verzehr und zur Weiterveräußerung" deponiert haben. "Das am 25. Mai 2016 sichergestellte Fleisch unterliegt der Einziehung", stellte die Staatsanwältin trocken fest.

"Hier ist eine riesige Kostenmaschinerie in Gang gesetzt worden", gab Rechtsanwalt Benjamin Schmidt zu bedenken und verwies dabei auf die Transporte der Angeklagten aus verschiedenen Gefängnissen. Nach Auffliegen der Fleisch-Bande wurde sein Mandant, ein 57-jähriger Deutscher, in die JVA Wolfenbüttel verlegt. Der 49-jährige Libanese, der die anderen belastet haben soll, sitzt derzeit in der JVA Oldenburg. Die Staatsanwältin sprach sich aber gegen eine Einstellung des Verfahrens aus - sie will die Rolle des Justizbeamten aufklären, der geholfen haben soll.

In einer Woche, am 2. November, sollen Gefangene als Zeugen gehört werden, in deren privaten Kühlschränken ebenfalls Fleisch aus der Küche entdeckt wurde. Dann müssen wieder Straftäter in den großen Saal des OLG Celle gebracht werden, viel Aufwand für die Wachleute. Am 16. November könnte dann das Urteil gesprochen werden, die Angeklagten müssen mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren rechnen.

dpa/acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Prozessauftakt am AG Celle: Häftlinge zweigten Wurst und Fleisch aus JVA-Küche ab. In: Legal Tribune Online, 26.10.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/25265/ (abgerufen am: 21.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 26.10.2017 18:51, @Topic

    Wurst is the New Black...

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 26.10.2017 21:30, @Topic

    30kg Fleisch (Falsches Filet, Bauch..) a 13 €/kg, 10kg Bratwürste a 8€/kg sowie 5kg Mettenden ebenfalls ~ 8€ das Kilo = 510€.

    Werden Verfahren gegen "harte Jungs" nicht eingestellt oder geht es hier darum, dass der Gefängniswächter daran beteiligt war?

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.10.2017 07:57, @ @topic

      Finger weg von meinem Nick *g*

      In der Sache: Je mehr die "schweren Jungs" an Vorstrafen mitbringen (sonst wären sie wohl kaum in der JVA) desto härter tritt man wegen jeder Kleinigkeit eben nach. Es gibt keinen Mengenrabatt. Wer schon sitzt, muss eben noch viel VIEL mehr aufpassen als jemand ohne Vorbelastung.

      Von daher: Immer feste druff.

      "Ich würde gern meinen Aufenthalt verlängern" - Aber gern

    • 07.11.2017 03:00, eono

      Das bleibt unter 500 Euro. Das Bauchfleisch kostet auch nicht mehr als 8-10 E
      Das sind ungefähr 6 Wochen?
      Und wieviel Beteiligte?
      Wird das geteilt? Anteilmässig?

    • 07.11.2017 03:46, eono

      Im Text steht: Schnitzel.
      Vielleicht waren es schon fertig gebratene Schnitzel. 30 kg

  • 27.10.2017 10:30, Bürger

    Das erinnert mich an die Ermittlungen in Berlin wegen einem Furz! Wenn denen dafür sogar ein eigener Kühlschrank zur Verfügung stand fragt sich eher, ob nicht die JVA selbst ein generelles Problem hat ...
    Sofort einstellen!
    Bei dem Gedanken an die Kosten und mein anteiliges Steuergeld wird mir nur schlecht. Eine Verlängerung der Haft wegen soweis kostet auch. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, egal, ob in Haft oder nicht.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 27.10.2017 13:43, @Bürger

      Völlig falsch. Keinen Zentimeter breit nachgeben. Es ist Unfug, dass man das gleich behandeln müsste. Die Gefangenen sind eben nicht "gleich", sondern (erheich) vorbestraft. Allein das gebietet schon die härtere Handhabung. Ausserdem ist Ihr Gedanke auch inkonsequent. Bei einem Diebstahlschaden von über 500 Euro bekäme nicht mal ein nicht vorbestraft Täter eine Einstellung, sondern mindestens einen Strafbefehl mit Geldstrafe. Jedenfalls in Bundesländern, in denen die Justiz noch funktioniert. Vielleicht nicht im Osten, klar. Oder Berlin, klar. Aber das sollte auch nicht der Maßstab sein, denn was dort zum Teil geschieht ist einfach nur peinlich.

      Fazit: Die Würstchen mit den Würstchen kriegen hoffentlich ihren Aufenthalt spürbar verlängert. Und den Beamten, falls er beteiligt war, hat man aus dem Dienst zu entfernen.

    • 27.10.2017 15:49, McMac

      @Bürger
      "Bei dem Gedanken an die Kosten und mein anteiliges Steuergeld wird mir nur schlecht."
      Dass das Diebesgut auch aus Ihren Steuern bezahlt wird, ist Ihnen klar?

  • 01.11.2017 19:23, Carsten Dams

    Und da haben wir es wieder: Dort wo man in der Lage sein sollte Schwerstkriminelle zu bewachen ist man noch nichtmal in der Lage Eierdiebe - hier wohl Fleischdiebe- zu bewachen. Zeigt nur, dass Führungspersonal von JVAs auch nur zur Verwaltung gehört. Das verringert die Erwartungshaltung massiv.

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 07.11.2017 03:49, eono

    460 Insassen (+/-) (Wikipedia)
    45 kg Fleisch

    Auf diesen Kommentar antworten
  • 07.11.2017 10:23, eono

    Die Küche bestellte Wurst/Fleisch.
    Geliefert wurde entweder richtig
    und noch 45 kg dazu.
    Oder: Falsch - nur die 45 kg
    Da es zu Tumulten gekommen wäre, hätte man einer größeren Menschenmenge
    ca 10 Gramm Wurst/Fleisch angeboten -
    nahm man es sofort zur Seite
    und überlegte sich etwas anderes.
    An den der will und Geld hat - die Dinge separat zu verkaufen.
    Nachvollziehbar - denke ich.
    Die Beamten hatten die Arbeit delegiert - also hatten sie freie Entscheidungsmöglichkeit.
    Kein Verstoß.
    Es war zu wenig für Alle.

    Auf diesen Kommentar antworten
    • 09.11.2017 14:14, @eono

      Was ist denn das für ein schwachsinnige Argument? Es war nicht genug für alle, also darf man sich das selbst nehmen? Das erklär ich dem nächsten Steuerprüfer dann auch mal...

  • 14.11.2017 05:29, eono

    Sie hatten es ja nur verwahrt. Sie waren bereit es wieder raus bzw. ab zu geben.
    Das Gericht hat Wurst/Fleisch konfisziert. - Hoffentlich haben sie Kühlschränke.
    Nun können sie ja sehen, wie sie zu einem weisen Urteil kommen.
    Es geht hier weniger um Steuerprüfer als um 460 "harte Jungs" in Celle.
    und nur 45 kg Wurst Fleisch ... Lösen Sie das Problem. Rechnen Sie.

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