Mandate und Medien: Der größte Feind ist die eigene Eitel­keit

von Désirée Balthasar

11.02.2016

Kommt ein politisch brisantes Mandat in die Kanzlei, folgt oft großes Medieninteresse. Nun gilt es, richtigen Ton zu treffen. Anwälte müssen sich eigentlich zurückzuhalten – doch manche können dem Scheinwerferlicht nicht widerstehen.

Gernot Lehr weiß, wie die Medien ticken. "Das Interesse der Öffentlichkeit an Mandaten mit politischem Hintergrund ist auf jeden Fall größer geworden", beobachtet der Presserechtler der Kanzlei Redeker Sellner Dahs. "Es gibt nur noch wenige Rechtsbereiche, die ohne öffentliche Beobachtung stattfinden. Besonders intensiv spüren wir es im Umwelt-, Bau- und Vergaberecht und natürlich im Strafrecht."

Lehr bewegt sich in seinem Berufsleben regelmäßig in politisch brisanten Gefilden. Seine Kanzlei ist häufig für den Deutschen Bundestag tätig und kämpfte beispielsweise für die ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau und Christian Wulff. Doch es sind nicht mehr nur Medien- und Strafrechtler, die sich in der Öffentlichkeit bewegen und Presse-Statements abgeben müssen. Immer öfter sehen sich Kanzleien, egal welcher Größe oder Spezialisierung, dem Medieninteresse ausgesetzt.

Auch kleine Fälle stehen unter Beobachtung

Zu den prominenten Rechtsstreitigkeiten mit politischer Bedeutung gehören die Elbphilharmonie in Hamburg, Stuttgart 21 in der baden-württembergischen Hauptstadt oder der Flughafen Berlin-Brandenburg. Doch auch kleinere Fälle werden mithin genau beobachtet. Dr. Martin Eimer, Counsel im Bereich Konfliktlösung von Freshfields Bruckhaus Deringer, beriet beispielsweise vor einigen Jahren einen Industrieparkbetreiber in Nordrhein-Westfalen. Dieser wollte eine Großanlage zur energetischen Versorgung des Parks bauen, und die Öffentlichkeit interessierte sich insbesondere für die Umweltaspekte.

"Eigentlich ein klassisches Projektgeschäft - aber eben mit politischer Brisanz", erzählt Eimer. Doch es ist alles glatt gelaufen: Die Juristen hielten sich der Öffentlichkeit fern, die Presseabteilung des Industrieparks steuerte die externe Kommunikation. Politische Parteien, die Landesministerien und Bürger sowie Umweltschutzverbände wurden ebenfalls einbezogen. Für den medienerfahrenen Anwalt ein Musterbeispiel funktionierender Kommunikation zwischen Kanzlei, Mandant und Öffentlichkeit.

Wortlaut mit Mandanten abstimmen

Trotz aller Neugier seitens Presse, Politiker und Bürger – für die Anwälte gilt natürlich: "Über allem muss das Interesse des Mandanten stehen", wie es Freshfields-Anwalt Eimer formuliert. "Gerade bei einer juristisch heiklen Fragestellung stimmt man sich besser im Wortlaut mit den Mandanten ab", fügt er hinzu. "Denn Laien könnten einen Sachverhalt – unbeabsichtigt – so ausdrücken, dass der Jurist nervös wird und die Gegenseite versucht, es auszuschlachten."

Freshfields hat keine Leitlinien oder Vorgaben formuliert, wie man sich bei einem heiklen Mandat als Rechtsberater verhalten soll. Die Anwälte halten es so, wie die meisten ihrer Kollegen in anderen Kanzleien: Sie lernen von den erfahrenen Partnern im eigenen Haus und sprechen sich mit der Kommunikationsabteilung ab, sofern es eine in der Kanzlei gibt. "Wir überlegen uns zu Beginn eines jeden kritischen Mandats eine Strategie, die auch die Presse- und Kommunikationsaspekte miteinschließt", sagt Eimer.

Nicht nur die Kommunikation nach außen sollte durchdacht sein, auch beim kanzleiinternen Austausch heißt es vorsichtig sein. "Je größer der Verteilerkreis, an den ich zum Beispiel meine rechtliche Analyse schicke, desto größer die Gefahr, dass etwas in 'falsche' Hände gerät." Stichwort: Chinese Walls. Denn auch innerhalb von Kanzleien kann es essentiell sein, dass keinerlei Informationen aus dem eigenen Teambüro in den Flurfunk sickern. Die Gefahr, dass Informationen an die Öffentlichkeit gelangen, die weder vom Mandanten abgesegnet noch juristisch final ausformuliert wurden, ist groß. 'Menschliche Lecks' gibt es überall.

Beteiligte Kanzleien

Zitiervorschlag

Désirée Balthasar, Mandate und Medien: Der größte Feind ist die eigene Eitelkeit . In: Legal Tribune Online, 11.02.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18419/ (abgerufen am: 14.12.2018 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 12.02.2016 12:45, Martin Wohlrabe (CONSILIUM Rechtskommunikation)

    Bemerkenswerter Satz von Dr. Hiebl: "Oberstes Ziel ist es Öffentlichkeit zu vermeiden." Laut dem Artikel war er u.a. in der Telekom-Spitzelaffäre tätig.

    Gerade da war aber eine solche Nicht-Kommunikation (einer anderen Kanzlei) ein erhebliches Problem. Schön nachzulesen in einem SPIEGEL-Titel 2008: http://www.spiegel.de/spiegel/a-622774-6.html

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