Mitarbeiterzufriedenheit: Was tun, wenn die Stim­mung im Team sch­lecht ist?

von Ass. jur. Carmen Schön

24.08.2017

Wohl jeder Anwalt hat das schon erlebt: Die Stimmung im Team verdüstert sich, die Zusammenarbeit mit den Kollegen macht keinen Spaß. Warum das kein Grund zur Panik ist und was man dagegen tun kann, erläutert Carmen Schön.

 

Die gute Nachricht vorneweg: Es ist ganz normal, dass in einem Team Konflikte entstehen und sich damit auch die Stimmung verschlechtert. Denn jede Gruppe – somit damit auch jedes Anwaltsteam in einer Kanzlei - durchläuft immer wieder verschiedene Phasen, die in der sogenannten Team-Uhr idealtypisch abgebildet werden können: Forming – Storming – Norming - Performing.

In der mit "Forming" bezeichneten ersten Phase findet sich das Team zusammen. Später ruckelt es sich gewissermaßen zurecht, Streitigkeiten und Unstimmigkeiten kommen auf (Storming). Daraufhin werden die Konflikte gelöst, beispielsweise indem sich das Team Regeln für die Zusammenarbeit gibt. Nun wird es tatsächlich zu einer Gruppe (Norming). Auf diese Phase folgt das "Performing": Da die Probleme innerhalb des Teams geklärt sind, kann sich die Gruppe nun auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren – und Mandate bearbeiten.

Keine Angst vor Konflikten

Diese vier Phasen wiederholen sich innerhalb einer Gruppe regelmäßig, eine Führungskraft sollte sie deshalb kennen und entsprechend begleiten. Aus Mitarbeitersicht bedeutet das aber auch: Haben Sie keine Angst vor Konflikten, sondern betrachten Sie sie als etwas ganz Normales.

Als Associate, der plötzlich bemerkt, dass seine Kollegen sich nur noch angiften oder gar nicht mehr miteinander reden, wollen Sie vielleicht helfen. Stellen Sie sich dazu zunächst folgende Fragen:

Zwischen wem genau besteht die Störung? Wie heikel ist der Inhalt des Konflikts und wie lange dauert er schon an? Kenne ich die Betroffenen so gut, dass ich das Thema direkt ansprechen kann?
Wie ist der Umgang mit Kritik und Konflikten im Team und in der Kanzlei insgesamt? Gibt es eine Feedback-Kultur?

Wenn Sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu den Betroffenen haben und diese sich auch gegenüber Kritik aufgeschlossen zeigen, dürfte es nicht weiter problelatisch sein, mit den Streithälsen direkt über die schlechte Stimmung zu sprechen, die sie verbreiten.

Partner sollte den Konflikt lösen – tut es aber oft nicht

Wenn Sie die Betroffenen jedoch nicht ansprechen möchten oder Sie es zwar getan haben, sich aber nichts verändert hat, dann können Sie dem Partner ein Feedback geben. Denn generell ist es Aufgabe einer Führungskraft, Konflikte im Team zu lösen.

Dabei sollten Sie ihre Kollegen natürlich nicht "verpetzen". Teilen Sie dem Partner aber mit, dass aus Ihrer Sicht etwas nicht rund läuft, und bitten Sie ihn, das im Sinne des Teams zu regeln. Weisen Sie eventuell darauf hin, dass alle unter der schlechten Stimmung leiden und zwangsläufig die Arbeitsergebnisse schlechter werden. Sie können Ihren Vorgesetzten auch darum bitten, sich selbst ein Bild von dem Konflikt zu machen und Ihren Namen rauszuhalten.

Im Idealfall kümmert sich Ihr Partner darum und löst das Problem. Das ist aber ehrlich gesagt leider nicht immer der Fall. Führungskräfte haben häufig keine Zeit, scheuen Konflikte oder halten es nicht für sinnvoll oder wertig, sich um die Stimmung im Team zu kümmern. Vielleicht fehlt auch die Kenntnis und Übung, wie ein Konflikt zu klären ist. In solch einem Fall haben Sie als Mitarbeiter im Grunde keine Handhabe mehr.

"Die Störung hat Vorrang"

Im schlimmsten Fall, wenn sich gar nichts zum Positiven verändern will, können Sie sich an die Personalabteilung wenden und dort um Moderation bitten. Manche Kanzleien haben eigens Ansprechpartner definiert, die sich an den einzelnen Bürostandorten um die Anliegen der Associates kümmern und im Konfliktfall vermitteln. Bevor Sie über die Personalabteilung gehen, sollten Sie sich aber an die Hierarchie halten: Sprechen Sie zunächst mit Ihrem Partner darüber, dass Sie die HR-Verantwortlichen einschalten wollen. Holen Sie sich sein Einverständnis dafür ab.

Als Leitsatz gilt: "Die Störung hat Vorrang". Denn ist die Stimmung im Team schlecht, kommunizieren die Mitglieder nicht mehr miteinander und zwangsläufig leidet die Qualität der Arbeit, die Arbeitsergebnisse werden schlechter. Hinzu kommt: Je länger ein Konflikt schwelt, desto schwerer ist es, ihn wieder aufzulösen. Deswegen sollten Konflikte und Streitigkeiten innerhalb eines Teams immer so schnell wie möglich geklärt werden.

Die Volljuristin und ehemalige Rechtsabteilungsleiterin Carmen Schön berät Rechtsanwälte, Unternehmensjuristen und Wirtschaftskanzleien bei Fragen zur strategischen Ausrichtung, Marktpositionierung, Akquise und Ausbau von Mandanten sowie der Mitarbeiterführung.

Zitiervorschlag

Carmen Schön, Mitarbeiterzufriedenheit: Was tun, wenn die Stimmung im Team schlecht ist?. In: Legal Tribune Online, 24.08.2017, https://www.lto.de/persistent/a_id/24077/ (abgerufen am: 23.11.2017)

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 24.08.2017 10:41, M.C.

    Es gibt wenige Dinge, die so destruktiv für Abläufe sind - also ganz nüchtern betrieblich betrachtet - wie Mitarbeiter mit wenig Sozialkompetenz. "Stänkerer" können das Arbeitsklima in ganzen Abteilungen ruinieren, so dass die betreffenden Kollegen auch nur noch mit Bauchgrummeln in die Arbeit gehen und entsprechend wenig motiviert sind, sich renzuhängen.

    Daher ist der neue Trend von anonymen Chiffre-Bewerbungen mit Vorsicht zu genießen. Damit wird v. a. nach Formalqualifikationen ausgewählt, wobei die Sozialkompetenz - eine entscheidende Qualifikation, insb. bei der heute so wichtigen "Teamarbeit" - dabei natürlich keine Rolle spielt. Leider wird es Personalern gar zunehmend zum Vorwurf gemacht, nicht rein nach Formalqualifikation auszusuchen, sondern nach wie vor nach persönlichem Eindruck - so als wäre es kein objektiv triftiges Kriterium auch die Einschätzung der Persönlichkeit eines Bewerbers ("passt der in's Team") einzubeziehen.

    Hinterher kann man da mitunter kaum noch etwas machen.

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