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Was bringt 2015 für die Kanzleibranche?: Veränderungen, aber keine Revolution

von Dr. Anja Hall

20.01.2015

Es scheinen keine guten Zeiten für die wirtschaftsberatenden Kanzleien zu sein: Neue Wettbewerber machen den etablierten Sozietäten das angestammte Revier streitig, zugleich werden die Mandanten bei der Auftragsvergabe immer preissensibler. LTO hat die Managing Partner verschiedener großer Kanzleien nach einer Prognose für den Rechtsanwaltsmarkt 2015 gefragt.

Die Gerüchteküche brodelt: Die Geschäfte insbesondere der angelsächsischen Kanzleien hierzulande sollen derzeit schlecht laufen. Sie können ihre hohen Stundensatzvorgaben beim Mandanten seltener durchsetzen, Umsatzrückgänge drohen. Das Management der Kanzleien sehe sich deshalb gezwungen gegenzusteuern: Man werde sich stärker auf bestimmte Rechtsgebiete fokussieren –mit der Folge, dass andere Bereiche dezimiert werden. Auch Entlassungen von Partnern sind im Gespräch.

Von LTO gebeten, einen Blick in die Glaskugel zu werfen und zu erklären, wo sie die Herausforderungen im Kanzleimarkt 2015 liegen, wollten die Managing Partner einiger Großkanzleien sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt lieber nicht offiziell äußern. Andere Vertreter der Law Firms blicken dagegen sehr gelassen in das noch junge Jahr. Einig sind sich aber alle, dass der Wettbewerb härter wird und die Kanzleistrategie deswegen regelmäßig auf den Prüfstand gehört.

"Kanzleien, die eine klare Strategie verfolgen, international gut vernetzt sind und konsequent und in allen Bereichen auf Premiumqualität der Beratungsleistungen setzen, sind gut auf kommende Herausforderungen vorbereitet", findet Dr. Tobias Bürgers, Co-Sprecher bei Noerr. Mit dieser Strategie habe man in den vergangenen Jahren Marktanteile in einem kompetitiven Umfeld hinzugewonnen. Werden die besten Berater sich also immer ein großes Stück vom Kuchen sichern - komme, was wolle?

Der Kostendruck steigt

Dr. Ralf Thaeter, Managing Partner von Herbert Smith Freehills in Deutschland, ist der Überzeugung, dass diese simple Rechnung nicht aufgeht, weil sich mehr Hungrige um den Kuchen streiten. "Es kommen immer noch mehr ausländische Anwaltsfirmen auf den deutschen Markt, die sich in einem Verdrängungswettbewerb befinden; neue Arbeit wird nicht im selben Maß entstehen. Gleichzeitig entstehen auch neue Anbieter durch Spin-offs. Insgesamt ist die Zahl wirtschaftsberatender Anwälte in den letzten 20 Jahren gestiegen", gibt er zu bedenken. Thaeter führt selbst die Geschicke eines dieser Newcomer im deutschen Markt. Der langjährige Gleiss-Lutz-Partner baut seit 2013 die hiesige Präsenz der britischen Kanzlei auf.

Logische Konsequenz, wenn das Angebot an Beratungsleistung steigt: Der Druck auf die Preise erhöht sich. "Gerade große Unternehmen setzen – völlig legitim – gezielt Instrumente und Prozesse ein, die den Qualitäts- und Preiswettbewerb forcieren", beobachtet Dr. Andreas Meissner, Managing Partner von Taylor Wessing. "Ein Beispiel dafür sind die häufigen Panel-Pitches. Aber auch einzelne Projekte werden immer häufiger im Wege von Angebotsverfahren vergeben, bei denen nicht nur die Rechtsabteilungen, sondern der Einkauf über die Vergabe mindestens mit entscheidet."

Auch Dr. Hubertus Kolster, Managing Partner von CMS Hasche Sigle, beobachtet, dass die General Counsel der großen Unternehmen unter Druck stehen, Kosten zu sparen. "Sogar bei großen M&A-Deals wird oft eng kalkuliert, da ist eine Flexibilität bei der Honorarstruktur nötig." So werden beispielsweise bei der Due Diligence Caps, Pauschalen oder Blended Rates gefordert und es werden unterschiedlich hohe Stundensätze, je nach Phase der Transaktion, vereinbart.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Was bringt 2015 für die Kanzleibranche?: Veränderungen, aber keine Revolution . In: Legal Tribune Online, 20.01.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/14429/ (abgerufen am: 15.07.2019 )

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