LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

Wettbewerbsrechtliche Bedenken: EU-Kom­mis­sion prüft Linde-Pra­xair-Fusion

16.02.2018

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen die geplante Fusion zwischen dem Industriegasekonzern Linde und dem US-Konkurrenten Praxair ins Visier. Mit dem Zusammenschluss würde der größte Gasekonzern der Welt entstehen.

Die EU-Kommission teilte am Freitag in Brüssel mit, dass eine vertiefte Prüfung des Zusammenschlusses eingeleitet werde. Es gebe Bedenken, dass der Wettbewerb auf dem Markt für mehrere wichtige Gase, darunter Sauerstoff und Helium, beeinträchtigt werden könne.

"Gase wie Sauerstoff und Helium kommen bei der Herstellung einer Vielzahl von Produkten, die wir tagtäglich verwenden, zum Einsatz. Die Hersteller beziehen diese Gase von einer geringen Zahl von Anbietern", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die beiden Unternehmen liefern etwa medizinischen Sauerstoff, mit dem Krankenhäuser und Pflegeheime versorgt werden.

"Deshalb werden wir sorgfältig prüfen, ob der geplante Zusammenschluss der Gasanbieter Praxair und Linde für die europäischen Verbraucher und Unternehmen zu höheren Preisen oder einer geringeren Auswahl führen würde", sagte Vestager weiter.

Die EU-Wettbewerbshüter haben nun 90 Arbeitstage - also bis zum 4. Juli - Zeit, das Vorhaben zu durchleuchten. Bedenken gebe es unter anderem, dass einschließlich der beiden Unternehmen nur die vier größten Konzerne in der Branche den für die Wettbewerbsfähigkeit erforderlichen weltweiten Zugang zu Heliumquellen hätten.

Linde und Praxair hatten ihren Zusammenschluss im vergangenen Sommer vereinbart. Hengeler Mueller, Sullivan & Cromwell und Gleiss Lutz waren die Rechtsberater bei der milliardenschweren Transaktion. 

Der neue Konzern soll zum Weltmarktführer für Industriegase mit 66 Milliarden Euro Börsenwert, 80.000 Mitarbeitern und 27 Milliarden Euro Umsatz werden. Er soll aus den USA heraus geführt werden. Die IG Metall befürchtet den Verlust von Arbeitsplätzen und Mitbestimmungsrechten. Bei zu hohen Auflagen der Kartellbehörden haben sich Linde und Praxair einen Rückzieher vorbehalten.

Der erste Versuch einer Fusion von Linde und Praxair war im September 2016 unternommen worden. Die Gespräche scheiterten damals aber unter anderem daran, dass man sich bei der Wahl des Firmensitzes und der Struktur des fusionierten Unternehmens nicht einigen konnte.

dpa/ah/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Wettbewerbsrechtliche Bedenken: EU-Kommission prüft Linde-Praxair-Fusion . In: Legal Tribune Online, 16.02.2018 , https://www.lto.de/persistent/a_id/27079/ (abgerufen am: 16.11.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag