Compliance: Whist­le­b­lower werden wich­tiger

05.12.2017

Immer mehr Unternehmen setzen auf anonyme Hinweisgeber, wenn es darum geht, internes Fehlverhalten aufzudecken. Allerdings hält die Unternehmenskultur viele Mitarbeiter vom Whistleblowing ab, zeigt eine Studie des Instituts Censuswide.

Censuswide hat im September 2017, beauftragt von Freshfields Bruckhaus Deringer, 2.500 Führungskräfte in den USA, Asien und Europa befragt. Ziel war es, die Sicht der Unternehmen auf das Whistleblowing in Erfahrung zu bringen.

Demnach hat fast die Hälfte (47 Prozent) der befragten Führungskräfte inzwischen Berührung mit dem Thema gehabt – deutlich mehr als noch vor drei Jahren. Bereits 2014 hatte Censuswide mit Freshfields eine ähnliche Umfrage durchgeführt, und damals hatte nur rund ein Drittel der befragten Führungskräfte schon Erfahrungen mit anonymen Hinweisgebern und einem Whistleblowing-System.

Akzeptanz steigt

Seit der letzten Umfrage ist auch die Akzeptanz gestiegen: Berichteten im Jahr 2014 noch 40 Prozent der Führungskräfte, dass ihre Unternehmen das Whistleblowing ablehnten, sagten im September dieses Jahres nur noch 13 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass sie dem Whistleblowing generell kritisch gegenüberstehen.

Dabei kommt es aber stark auf die Branchen und Regionen an, in denen die jeweiligen Umfrageteilnehmer tätig sind. Die jüngsten Daten zeigen nämlich, dass Führungskräfte aus Unternehmen in Frankreich und aus dem Bereich IT/Telekommunikation besonders häufig mit Fällen von Whistleblowing in Berührung kommen. 56 Prozent bzw. 63 Prozent der dort tätigen Führungskräfte gaben an, das sie in der Vergangenheit mit anonymen Hinweisgebern zu tun hatten. Im Gegensatz dazu kamen Führungskräfte aus Unternehmen in Großbritannien und solche aus dem Bereich Kunst und Kultur am seltensten mit Whistleblowing-Aktivitäten in Kontakt (35% bzw. 19%).

Unternehmenskultur bleibt ein Hindernis

Die Umfrage belegt damit zwar, dass Unternehmen darauf Wert legen, dass ihre Mitarbeiter auf internes Fehlverhalten und Unregelmäßigkeiten hinweisen. Allerdings wurde auch deutlich, dass nach wie vor die Unternehmenskultur viele Führungskräfte davon abhält, selber zum Whistleblower zu werden. 55 Prozent der Befragten sagten, die Befürchtung vor einem Karriereeinschnitt oder Reputationsverlust halte sie und ihre Kollegen vom Whistleblowing ab.

Ebenso fürchtet mehr als die Hälfte (55%) der Führungskräfte, dass die Anonymität ihrer Hinweise nicht gewahrt sei. Diese Sorge äußerten vor allem Manager in den USA (62 Prozent) sowie im Gesundheitswesen (68 Prozent). Die Frage der Anonymität ist ein zentrales Thema der Umfrage und letztlich auch ein Knackpunkt beim Bemühen, ein wirksames Whistleblowing-System im Unternehmen zu etablieren. Denn mehr als die Hälfte aller befragten Führungskräfte (59%) sagte, dass es ihren Unternehmen wichtig sei, die Identität des Hinweisgebers zu kennen. Damit wäre die Anonymität des Whistleblowers nicht gewährleistet.

ah/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Compliance: Whistleblower werden wichtiger . In: Legal Tribune Online, 05.12.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/25857/ (abgerufen am: 14.08.2018 )

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Kommentare
  • 06.12.2017 09:46, Niels Hoffmann

    Schade, dass in dem Artikel (sowohl bei LTO als auch bei Freshflields) nicht zwischen den befragten Regionen - Asien, Europa, Amerika - differenziert wird. Denn vor wenigen Jahren lagen die durch Whistleblowing aufgedeckten Verstöße in den USA etwa die Hälfte unter den Whistleblowing-Fällen in Deutschland. Deutschland hat also eine ganz aktive Whistleblowing-Kultur, während offenbar in Amerika stärkerer Entwicklungsbedarf besteht. Angesichts dieser Unterschiede wäre ein Vergleich zu Asien interessant gewesen. Durch die fehlende Differenzierung zwischen den Regionen (die wohl starke Unterschiede ausweisen würde) werden die getroffenen zusammenfassenden Wertungen leider ungenau und in ihrer Aussagekraft geschwächt.

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