Karriere in der Großkanzlei: Nicht alles, aber vieles ist ver­han­delbar

Interview von Dr. Anja Hall

16.02.2017

2/2 Häufiges Problem: Intransparenz

LTO: Gibt es einen typischen Fehler, den Kanzleien bei solchen Gesprächen machen?

Schön: Ja, wenn die Arbeitgeber intransparent bleiben und dem Associate keine klaren Aussagen über seine Karriere-Optionen machen. In diese Falle tappen viele Partner, die im Grunde wissen, dass ihr Associate keine Aussichten auf die Partnerschaft hat, die ihn aber gerne im Team halten wollen.

In vielen Kanzleien werden keine klaren Karrierewege und Kriterien für das Weiterkommen kommuniziert. Das hat viele Gründe. Entweder gibt es keinen Karriereplan. Oder man möchte den Associate einfach nur einige Jahre halten, aber nicht weiterentwickeln. Oder aber der Partner denkt ganz schlicht nicht daran.

LTO: Über was genau sollte man in einem Mitarbeitergespräch reden?

Schön: Es gibt harte Zahlen, die wohl kaum verhandelbar sein dürften - allen voran die Zahl der abrechenbaren Stunden, der Billable Hours, die oft zwischen 1.200 und 1.800 pro Jahr liegen. Aber es gibt andere Themen, über die es sich lohnt zu sprechen. Dazu gehört etwa die fachliche Qualifikation des Anwalts. Oder die Frage, wie er seine Mandate bearbeitet und wie er sich gegenüber dem Mandanten verhält, also kommunikative Aspekte im Mandat. Die fachliche und persönliche Weiterbildung könnte ebenfalls ein Thema sein.

"Mit Mehrwert argumentieren"

LTO: Macht es Sinn, über die Höhe der Billable Hours verhandeln zu wollen?

Schön: Ich vermute, dass die meisten Kanzlei in dieser Hinsicht strikt bleiben werden. Unter bestimmten Umständen könnte es aber sinnvoll sein. Etwa wenn die Vorgabe sehr hoch ist, der Associate zugleich aber auch akquirieren soll. Dann könnten Associate und Partner durchaus darüber sprechen, ob die Akquise-Zeit auch den Billable Hours zuzurechnen ist.

LTO: Wie geht man dabei am besten vor?

Schön: Machen Sie sich zunächst klar: Ihr Partner verdient weniger Geld mit Ihnen, wenn er Ihnen erlaubt, weniger abrechenbare Stunden zu leisten. Sie müssen also gute Argumente dafür vorbringen, was es dem Partner nützt, wenn Sie Ihre Billable Hours reduzieren. Rechnen Sie ihm etwa vor, dass sie – wenn sie eine Zahl X an Stunden für die Akquise einsetzen – im kommenden Jahr den Umsatz um eine gewisse Prozentzahl steigern können. Argumentieren Sie mit dem Mehrwert, den Sie dem Partner bringen.

LTO: Welche Tipps haben Sie noch?

Schön: Der Jahresanfang ist ein guter Zeitpunkt für ein Gespräch. Fordern Sie einen Termin beim Partner ein und bereiten Sie sich gut vor. Überlegen Sie sich vorab wichtige Fragen und Punkte, zu denen Sie ein Feedback geben wollen. Nach dem Gespräch werden To-Dos definiert, am besten schriftlich. Im nächsten Jahr können Sie die Ergebnisse daran messen.

Zitiervorschlag

Anja Hall, Karriere in der Großkanzlei: Nicht alles, aber vieles ist verhandelbar . In: Legal Tribune Online, 16.02.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22124/ (abgerufen am: 28.05.2024 )

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