Kleine und mittlere Kanzleien: Nur wenige Anwälte sind Großv­er­diener

03.03.2017

200.000 Euro Umsatz generiert der durchschnittliche deutsche Anwalt im Jahr. Wer wie viel einnimmt, variiert dabei nicht nur nach dem Rechtsgebiet, sondern auch stark nach der Größe der Kanzlei.

Rechtsanwälte in Deutschland kommen auf einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund 200.000 Euro, der durchschnittliche Vorsteuergewinn liegt bei rund 96.500 Euro. Das geht aus der Studie "Anwaltstätigkeit der Gegenwart" des Soldan Instituts hervor, für die 1.593 Berufsträger in kleinen bis mittleren Kanzleien befragt wurden. Je nach Kanzleigröße und Rechtsgebiet variieren diese Umsätze allerdings erheblich.

Danach erreicht ein Großteil der Anwälte mit den Tätigkeitsschwerpunkten Wirtschaftsverwaltungsrecht, Gesellschaftsrecht, Bau- und Architektenrecht, Insolvenzrecht sowie Bank- und Kapitalmarktrecht einen persönlichen Honorarumsatz von 150.000 Euro und mehr. Überdurchschnittlich verdienen beispielsweise auch Anwälte, die sich auf Handels- und Wirtschaftsrecht, Bilanz- und Steuerrecht sowie Versicherungsrecht spezialisiert haben. Dagegen zahlen sich Tätigkeitsschwerpunkte im Straf-, Familien-, Verwaltungs- oder Miet- und Wohnungseigentumsrecht eher weniger aus. Bei 81 Prozent der Anwälte, die schwerpunktmäßig im Sozialrecht tätig sind, beträgt der Umsatz sogar weniger als 150.000 Euro im Jahr.

Aus der Untersuchung geht auch hervor, dass die Hälfte aller Einzelanwälte einen Umsatz von weniger als 100.000 Euro erreicht und bei einer durchschnittlichen Kostenquote von rund 50 Prozent auf einen Gewinn von lediglich 53.400 Euro kommt. "Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass 49 Prozent dieser Einzelanwälte nicht Vollzeit arbeiten", erklärt Prof. Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts. "Für immerhin 18 Prozent der Einzelanwälte ist die Ertragslage mit einem Umsatz von 200.000 Euro und mehr durchaus günstig."

Generell ist der Umsatz pro Kopf in den untersuchten kleineren und mittleren Kanzleien bei vier bis fünf Berufsträgern am höchsten und liegt bei 240.178 Euro. In Kanzleien mit sechs und mehr Berufsträgern sinkt er laut der Studie hingegen wieder, weil der Anteil der angestellten Anwälte höher ist. Sie sind oftmals Berufseinsteiger und erzielen daher niedrigere Umsätze oder arbeiten einem Partner zu, ohne dass ihre gesamte Arbeitszeit zu Umsätzen führt.

acr/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Kleine und mittlere Kanzleien: Nur wenige Anwälte sind Großverdiener . In: Legal Tribune Online, 03.03.2017 , https://www.lto.de/persistent/a_id/22259/ (abgerufen am: 13.12.2018 )

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Kommentare
  • 03.03.2017 15:46, Tom

    Na toll.
    Da habe ich mir vorgenommen nach dem Ref. den Fachanwalt für VerwR zu erwerben und dann das. Zumal der Verdienst im öfftl. Dienst weitaus geringer sein dürfte, sollte einen der Weg des VerwR in eine Behörde führen.

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    • 06.03.2017 07:32, Theopa

      "Weitaus geringer" ist der Verdienst als Beamter nicht. Rechnet man die geringeren Arbeitszeiten sowie die sehr wertvolle Altersversorgung, Beihilfetc. ein, muss man als Anwalt netto schon deutlich mehr als das Beamtennetto verdienen um den gleichen Lebensstandard zu halten. Mit Familie wird das Beamtenverhältnis noch einmal wertvoller. Wenn man dann noch einrechnet, dass man als Beamter die Chance hat weit außerhalb der teuren Großstädte das selbe Gehalt zu bekommen sieht das Ganze schon anders aus.

    • 06.03.2017 13:33, Jemand_NRW

      Als rentables Rechtsgebiet wurde im Bericht als erstes das Wirtschaftsverwaltungsrecht genannt - von daher sind Sie mit Ihrem geplanten Fachanwalt für VerwR doch gar nicht so schlecht unterwegs...

  • 06.03.2017 09:52, Gunther Marko

    Diese Zahlen dürften über die tatsächlichen Gegebenheiten komplett hinwegtäuschen.

    Welcher vernünftige und seriöse Rechtsanwalt gibt nämlich schon seine Betriebsgeheimnisse, gar seine Umsätze preis.
    Und sei es auch noch im Rahmen derartiger Erhebungen unter der Regie von Wettbewerbern des eigenen Berufsstandes !?
    Die Antwort lautet: KEINER.

    Fazit:
    Das ist möglicherweise umsatzträchtig für diejenigen, die derartige "Erhebungen" durchführen. Oder für diejenigen, in deren Auftrag oder auf deren Weisung das erfolgt. Allerdings nicht wirklich lesenswert für einen freien (echten) Berufsträger und schon überhaupt nicht mit (echtem) Informationsgehalt.

    Gunther Marko, Montag, 6. März 2017
    www.ramarko.de

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    • 06.03.2017 13:35, Jemand_NRW

      Man wird wohl davon ausgehen dürfen, dass den Teilnehmern an der Umfrage Anonymität zugesichert wurde; insofern dürfte doch wahrheitsgetreuen Angaben nichts im Wege gestanden haben...?

    • 06.03.2017 14:13, @Jemand_NRW

      Die Schlüsselphrase ist dabei "den Teilnehmern an der Umfrage". Wer weiss schon wer aus welchen Gründen eine Teilnahme gleich abgelehnt hat und wie eine Teilnahme dieser "Verweigerer" das Ergebnis verändert hätte.

      Ich wäre daher vorsichtig mit absoluten Zahlen zu operieren. Die grundsätzlichen Trends, a lá ein Wirtschaftsrechtler wird mehr billable hours und persönliches Einkommen generieren als ein Sozialrechtler, hätte man sich überdies auch so denken können.

    • 09.03.2017 21:55, HonestAbe

      Offensichtlich werfen Sie die BRAK-Mitteilungen immer ungelesen ins Altpapier? Wenn Sie mal einen Blick hineinwerfen, werden Sie sehen, dass es dort seit Jahrzehnten die STAR-Untersuchung gibt, die die Umsätze von Anwälten berichtet. Die denken sich das also alles aus, weil sich kein Anwalt an anonymen Studien beteiligt?

  • 09.03.2017 19:11, Florian Dälken

    Vielen Dank für die gut aufbereiteten Infos!

    Tatsächlich sind die gesetzlichen Gebühren in den unterschiedlichen Rechtsgebieten nicht immer ausgewogen. So sind meines Erachtens z.B. im Sozialversicherungsrecht die Gebührensätze nach RVG angesichts der komplizierten Rechtsfragen, die der Anwalt dort souverän meistern muss, manchmal zu gering. Auch der Fortbildungsaufwand im Sozialversicherungsrecht ist hoch. Das gilt auch für Strafverteidiger.

    Ausweg: Ein Mittel für eine angemessene Anwaltsvergütung sind m.E. immer Honorarvereinbarungen.

    Gruß ins Forum!
    Florian Dälken
    http://www.bauerundkollegen.com

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  • 01.05.2018 23:13, Tanja Seifert

    Sorry bei den Zahlen kann ich nur lachen. Als Einzelanwalt schafft man nie im Leben einen Umsatz von 100.000 euro wenn man nach rvg abrechnet. Völlig utopisch und komplett an der Realität vorbei.

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    • 23.05.2018 08:07, Manuel Schwarz

      Dann lachen Sie mal schön, selbstverständlich schafft man dass als Einzelanwalt. Ich habe den Eindruck, dass viele überhaupt nicht wissen/ahnen wieviel man als Einzelanwalt verdienen kann, insbesondere wenn man seine Kostenquote gering hält, da lässt man schonmal den einen oder andern Partner in einer mittelständische Kanzlei gehaltstechnisch hinter sich, der eine erdrückende Kostenquote von 50-60% vor sich herschiebt.

    • 07.09.2018 15:49, Lars

      Man kann sehr wohl als Einzelanwalt mehr als 100.000 € Umsatz generieren. Ich arbeite im Familienrecht, was nicht unbedingt das rentabelste ist und es geht spielerisch. Ich liege deutlich über 150.000 € und meine Kostenquote liegt bei ca. 20%.

  • 30.08.2018 15:28, IT-Fachanwalt

    Ich berate als Einzelanwalt im IT-Recht und habe noch nie nach RVG abgerechnet, sondern nur nach Stundensatz. Meine Kostenquote liegt bei unter 20 % und der Jahresumsatz 2017 über 250.000 Euro. Als Einzelanwalt kann man mit Spezialisierung und gutem Marketing sehr wohl sehr gut verdienen.

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    • 30.08.2018 15:50, Tanja Seifert

      Dann sollte ich meine Tätigkeitsgebiete überdenken !

  • 25.09.2018 13:38, Holzwurm

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Kilian , bei den Honorarumsätze Ihrer Berufsgruppe , soll es , so ein Berufskollegen einen Anteil von ca. 30 % geben die sich mit Schwarzgeld aus dem Drogenhandel bezahlen lassen . Um Bankinterne Vertragsfehler bei Banken und Versicherung gegen den eigenen Mandaten still zu heilen , indem mit verfälschten Gerichtsvorträgen berechtigte Haftungsansprüche verhindert werden . Wenn dieses nicht gelingen will wird im weiter so mit Urkundenfälschung , Aktenverschwinden , Anzeigepflichtige Straftaten gegen den Staat und seinen Bürger - gegen den eigenen Mandaten werden mit Vorsatz unterlassen , um den schon geschädigten Mandaten nochmals zu schädigen .
    Dieses System wird bei nicht handelnden dürfenden Staatsanwälte als seit Jahren bekannten mafiösen Strukturen in Anwaltschaft die die Justizbehörden benutzt und zum Narren hält . Was sagen Sie höchstpersönlich , werter Herr Prof.Dr. Killian zu diesem staatsbedrohenden Missstand Ihrer Berufsgruppe bei einem Gesamthonorarumsatz von 18 Milliarden EUR einen Umsatz aus Schwarzgeld aus dem Drogenhandel von 5,4 Milliarden EUR ergibt und den Rechtsfrieden erheblich beschädigt . Auf Grund der öffentlich zu führenden Debatte erbitte höflichst eine persönliche Rückmeldung von Ihnen bis zum 4.10.2018 und bedanken mich vorab mit freundlichen Grüßen . M. Frintert Berufsgruppe

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