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Arbeitnehmerkontrolle per Stimmungs-App: Wächter der guten Laune

von Christian Oberwetter

01.06.2015

Eine Münchener Firma hat eine App entwickelt, mit der Chefs den Gemütszustand ihrer Mitarbeiter überprüfen können. Arbeitsrechtlich liegt dieses Vorgehen mindestens in einer Grauzone, meint Christian Oberwetter.

Der digitale Markt ist in Bewegung, ständig entwickeln Anbieter neue Apps, die man bislang nicht vermisst hatte, die aber auf den ersten Blick sinnvoll oder nützlich erscheinen. In den USA händigen Unternehmen ihren Beschäftigten sogenannte Fitness-Armbänder aus; so lassen sich digital deren tägliche Bewegungen messen. Derartige Entwicklungen sind jedoch nicht nur in den Vereinigten Staaten möglich.

In Deutschland hat das Münchener Startup Soma Analytics eine App entwickelt, die dem Stress der Beschäftigten auf den Grund gehen soll. Die App auf dem Smartphone weiß, ob es uns gut geht. Anhand von Stimme, Tippverhalten und Bewegungen ermittelt sie, wie gestresst der Träger ist. Die App registriert, wie häufig wir auf unser Smartphone schauen und wie schnell wir Nachrichten tippen. Sie errechnet daraus, ob wir unter Druck stehen. Und sie prüft mit ihren Bewegungssensoren, ob wir gesund schlafen oder unruhig von einem Alptraum in den nächsten sinken.

Selbstüberwachung ist erlaubt

Blieben diese Daten allein beim Nutzer, wäre das kein Problem: Selbstüberwachung ist nicht verboten. Die App gibt die erhobenen Daten jedoch an den Chef weiter, damit dieser das Stresspotential in der Firma analysieren kann. Das Programm soll nicht etwa weniger belastungsfähige Mitarbeiter aussortieren, sondern vielmehr bei einer Vielzahl von gehetzten Mitarbeitern Maßnahmen zur Verminderung von Stress in Gang bringen. So könnte der Chef also auf digitaler Ebene seiner arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht nachkommen, wonach er den Beschäftigten vor Beeinträchtigungen seiner Gesundheit zu schützen hat.

In der Tat spricht grundsätzlich nichts dagegen, Software zum Schutz vor Gesundheitsgefahren einzusetzen. Problematisch wird es allerdings dann, wenn dazu umfassend personenbezogene Daten von Beschäftigten erhoben und verarbeitet werden. Eine solche Nutzung von Daten ist nur zulässig, wenn die Regelungen des Datenschutzrechts und das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Beschäftigten nicht verletzt werden. Personenbezogene Daten dürfen nach § 4 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) nur erhoben werden, wenn eine gesetzliche Vorschrift das zulässt oder wenn der Betroffene eingewilligt hat.

Zitiervorschlag

Christian Oberwetter, Arbeitnehmerkontrolle per Stimmungs-App: Wächter der guten Laune . In: Legal Tribune Online, 01.06.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/15706/ (abgerufen am: 20.08.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 04.06.2015 12:57, maximilian.baehring@zentral-bank.eu

    Besser die orientierungslose Oma bekommt eine "elektronsiche Fußfessel" als daß sie ins Heim oder beim Schwächeanfall unter die Räder kommt.

  • 05.06.2015 18:34, Neugebauer

    Wenn die 2-Beinigen Automaten jeden Werk/Diensttag zur Arbeit gehen,
    dann gibt es selbstverständlich nur und ausschliesslich ggf. den "Stress am
    Arbeitsplatz!" Weder biologische Rhythmen noch körperliche Verfassungen
    weder Lebensalter noch Infekte noch Viren noch grippale Erkältungen -
    weder familiäre oder sonstige Hintergründe - ob verliebt oder gehasst oder hassend - ob beraubt/betrogen/zu Hause eingebrochen wurde...egal was ...
    ob die Frau gerade ins Krankenhaus fährt? Das Kind schon da ist? Hausbau?
    Umzüge? Wohnortwechsel? Aber ich bitte Sie ...Sie schlafen selbstverständlich
    ohne jeden Alkohol 8 Stunden nachts durch ...wie ein Baby. Alles
    ist aus und abgeschaltet mit Betätigen der Stechuhr oder ähnlichem.
    Vielleicht sollte man das zur Arbeit gehen besser ganz abschaffen?
    Oder nur auf freiwilliger Basis und nur so lange wie man wirklich kann und will
    Halbtags-Teilzeit alles kein Problem. Es gibt doch genügend Arbeitswillige.
    Und bitte so lange wie jmd kann und will.l Wenn die Einen mit 30 in Rente
    gehen wollen bitte sehr und wenn Andere mit 70 noch arbeiten wollen und fit sind - Gerne!
    Die meisten Dinge gehen Andere einfach nichts an. Egal ob Vermieter oder
    Arbeitgeber oder oder oder ...
    Wozu auch? Die Leute bilden sich sowieso alle ein sie wüssten alles.
    Das Einzige was sie allerdings wirklich wissen ist: Das sie "nicht müssen!"
    Sie müssen nichts und niemanden ernst nehmen. Deshalb kommt man sich
    auch ständig vor wie ein "Mormonenpfarrer". Beim 1. Mal wird von keiner Seite/
    Amt/Behörde/Bank/usw irgendwas verstanden. Je nachdem kann man dann Jahre Jahrzehntelang immer dasselbe schreiben.
    Vielleicht sollte man sich erst einmal klar darüber werden was genau Stress ist.
    Und dann: Wie sich die Psyche/Stimmung alles verändert - während das Telefonat mitgehört wird - Wut auf der einen Seite - Gelächter u.a. auf der anderen. Angst vermutlich auch - Ärger.
    Ähnlich wenn man irgendwo Videoüberwacht wird.
    Allen Arbeitgebern empfehle ich alles zu überwachen - dann dürften sich die
    denkbar höchsten Fluktuationsrate nur so überbieten.

  • 05.06.2015 19:06, Neugebauer

    Das wirkliche Problem liegt doch woanders: Deutsche sind Spitze im von/vor-
    der-Arbeit-davon-laufen! Sie können alle Reden halten - Worte/Begriffe/Diagnosen
    §§ usw. in die Welt setzen und das ohne etwas erfahren zu haben/ verstanden
    zu haben/zu wissen/ zu begreifen. Sie können alle ihre Arbeit delegieren -
    und oder mit ganz anderen Vorzeichen versehen. Sie können ständig die - Welt -
    auf-den-Kopf-stellen - und sind bereit ständig quer zu schiessen - immer etwas
    anderes zu machen und aus allem etwas ganz anderes.
    Und das zieht sich durch alle Bereiche. Natürlich sind die Fehlerquellen in Gerichten hoch wenn die wörtliche Rede unbekannt ist selbst auf den
    Computern angeblich die "Anführungs-Schluß"Zeichen fehlen. Wer hat denn dann bitte was gesagt?
    Gehen wir davon aus das der öffentliche Nah-Fernverkehr auf Schiene Straße Luft zu Wasser so la la funktioniert. Einblicke in die Wirtschaft fehlen mir.
    Aber alles Andere ...da sehe ich wirklich nicht viel Arbeits-Dienstfähiges.
    Es wäre besser sie blieben alle zu Hause - da könnten sie wenigstens keine
    Fehler machen. Wenn die Leute schon alleine sind ist es besser sie sind alleine
    als wenn so eine Rügesüchtige/wütige Glocke über allem schwebt die nur bestrebt zu sein scheint zu suchen wo sie einhacken kann um Anderen zu schaden. Und dazu kann jedes Wort oder Kommafehler selbst eine einfache
    Grußformel dienen. Guten Tag!

  • 05.06.2015 19:24, Neugebauer

    Das heisst doch nur: Das Arbeitgeber in das selbe Horn blasen wollen wie Viele
    X-wem Mitarbeiter sagen zu wollen/zu können: "Sie sind seelisch krank!"
    ggf. "Depressiv" (ehe sie hier unseren ganzen Betrieb abstürzen lassen gehen sie lieber.) und auf gar keinen Fall ihr eigenes Denken - Handeln- Verhalten selbst kritisch hinterfragen noch das von Mitarbeitern im Falle von Änderungsanträgen/Beschwerden o.ä.
    Sie wollen am Liebsten alle alleine sein - denken/ machen was sie wollen ...
    ohne mit so etwas profanen wie der Realität konfrontiert werden.
    Entweder müssten Arbeitgeber noch viele Zusatzinformationen erhalten
    die sie weder etwas angehen noch wahrscheinlich wissen wollen jedenfalls
    nicht im Sinne des Betreffenden - oder sie haben ein nettes neues Spielzeug
    mit dem sie jeden Chassen können den sie Chassen wollen.