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Blackberry Playbook: Ein bis­schen Busi­ness

von Witold Pryjda

16.04.2011

Mit dem Playbook, das am 19. April in den US-Handel kommt, wirft Research In Motion ein Tablet auf den Markt, das mit vielen Traditionen des kanadischen Business-Smartphone-Spezialisten bricht. Das Playbook soll vor allem Spaß machen. Business-Qualitäten beweist es vorläufig nur über Umwege.

Lange wurde in Fachkreisen darüber gemunkelt, seit Ende März ist es Gewissheit: Das Blackberry Playbook (http://de.blackberry.com/playbook-tablet) wird auch Android-Apps unterstützen. Das ist der letzte Beweis für die neue Richtung, die Research In Motion (RIM) einschlägt: Mit dem Tablet-Debüt hat der kanadische Hersteller nicht die gewohnte Geschäfts-Zielgruppe im Blick, sondern vor allem den Otto-Normal-User.

Blackberry hat sich nach dem vom iPad ausgelösten Tablet-Boom verhältnismäßig viel Zeit gelassen und sehr gut überlegt, was das Playbook leisten soll. Denn es gibt zwar viele Gemeinsamkeiten mit dem iPad bzw. iPad 2, doch auch etliche Abweichungen.

Ganz oben auf der Prioritätenliste der Blackberry-Entwickler stand nicht – wie man hätte erwarten können – die Businesstauglichkeit, sondern der Lifestylefaktor: Das Playbook ist optimiert für Internet, digitale Unterhaltung und Spiele

E-Mail-Service wird nachgeliefert

In der Geschäftswelt sind die RIM-Smartphones wegen einer besonderen Funktion sehr populär: Der "Blackberry Enterprise Server" (BES) sorgt für eine sichere Verbindung zum Firmennetzwerk. Mails, Termine und Kontakte werden mit diesem "Push-Service" ständig auf dem Handy aktualisiert.

Bietet das Tablet die gleiche Funktionalität? Das kann man mit einem klaren "Jein" beantworten. BES kommt zunächst nicht zum Einsatz. Zur Markteinführung wird das Playbook auch keine eigens entwickelten Anwendungen für E-Mail oder Kalender haben. RIM hat aber angekündigt, dass all das später per Software-Update nachgeliefert werden soll – man arbeite derzeit intensiv an einer "BES-ähnlichen" Lösung für das Playbook.

Bis es soweit ist, muss man kleine Umwege in Kauf nehmen: Mit Hilfe der so genannten "Blackberry Bridge" verbindet sich das Tablet nämlich über Bluetooth mit einem Blackberry-Smartphone. Man kann die Daten des Handys dann bequem und vor allem sicher auf dem Playbook bearbeiten. Hat man das Handy mal nicht dabei, kann auf die Mails über den Webbrowser zugegriffen werden.

Modernste Hardware

Für die Multimedia-Fokussierung hat Blackberry das Playbook mit durchaus beachtlicher Hardware ausgestattet: Herzstück ist ein mit 1 GHz getakteter Dual-Core-Prozessor, als Arbeitsspeicher (RAM) steht ein ganzes Gigabyte zur Verfügung. Bei der CPU selbst dürften die Unterschiede zwischen Playbook und iPad 2 kaum relevant sein: Beide Prozessoren basieren auf dem gleichen Kern, dem ARM Cortex A9. In Sachen RAM sieht die Sache aber schon anders aus: Auch wenn Apple den Wert nicht offiziell angibt, so dürften im zweiten iPad nur 512 Megabyte stecken, das Playbook bietet doppelt so viel.

Immer wenn Apple eine Spezifikation unter den Tisch fallen lässt, dann ist das ein Anzeichen für eine vermeintlich geheime Technologie – oder für etwas, auf das Apple nicht besonders stolz ist. Letzteres dürfte bei den eingebauten Kameras der Fall sein. Die Video- und Fotofunktion des iPad 2 (vorne: VGA; hinten: 720p) wurde in der Fachpresse einhellig verrissen. Das Playbook will es anscheinend besser machen: Sowohl an der Front- wie an der Rückseite ist eine 1080p-Kamera eingebaut – und bietet damit die höchste derzeit gängige HD-Auflösung.

High Definition im Taschenformat

Der größte Unterschied sind aber wohl (Touchscreen-)Größe und Gewicht: Mit seinem 7-Zoll-Display und einem Gewicht von 425 Gramm ist das Playbook deutlich kompakter als das iPad 2 (9,7 Zoll, 600 Gramm). Die Bildschirmauflösung ist aber die gleiche: Das Playbook bietet 1024 x 600 Pixel, beim iPad 2 sind es 1024 x 768 Pixel. Die unterschiedliche Breite spielt bei der Auflösung keine Rolle, da sie nur aussagt, dass das iPad ein anderes Bildschirmformat hat (4:3 im Gegensatz zu Blackberrys 16:9). Durch sein deutlich kompakteres Äußeres empfiehlt sich das Playbook also auch für den mobilen Einsatz – es passt in die Jackentasche.

Ein gutes Händchen beweist RIM beim Betriebssystem: Das "Blackberry Tablet OS" stellt langjährige Blackberry-User vor eine völlig neue Bedienoberfläche. Nach kurzer Eingewöhnungszeit erweist sich diese aber als sehr durchdacht: Aktionen wie das Öffnen von Apps, Multitouch-Gesten oder das Bedienen der (virtuellen) Tastatur laufen flüssig. Alle Fachjournalisten, die das Gerät im Vorfeld ausprobieren durften, lobten das Betriebssystem in höchsten Tönen.

Technisch macht RIM also vieles anders, preislich dagegen nicht: Das günstigste Playbook (16GB, WLAN) wird 499 Dollar kosten, damit ist das Blackberry genau auf dem Niveau der Konkurrenz. Einen genauen Termin oder (Euro-)Preis für den Deutschland-Start gibt es übrigens noch nicht, offiziell ist das Playbook für das "zweite Quartal" angekündigt.

 

Mehr im Internet:

Ausführliche Review bei engadget.com

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Zitiervorschlag

Witold Pryjda, Blackberry Playbook: Ein bisschen Business . In: Legal Tribune Online, 16.04.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/3045/ (abgerufen am: 26.08.2019 )

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