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Türkisches Gericht mildert Strafe für Messerattacke: Noch-Ehefrau soll durch Leggins provoziert haben

01.08.2014

Ein Mann, der seine Noch-Ehefrau mit mehreren Messerstichen verletzte, hat von einem Gericht im türkischen Erzurum eine Strafmilderung erhalten. Sie habe ihn provoziert, auch weil sie Leggins trug, entschied das Gericht.

Der Ehemann hatte seine Frau zu Beginn des Jahres attackiert, nachdem er sie mit einem anderen Mann in einem Auto gesehen hatte. Die Tatsache, dass die Frau dabei eine "verdächtige Haltung" eingenommen hatte und auch eng anliegende Leggins trug, veranlasste das Gericht dazu, die Strafe für die Messerattacke zu mildern. Denn der Mann sei dadurch provoziert worden. So berichten es die türkischen hurryetdailynews.

Das Ehepaar sei demnach schon zum Zeitpunkt der Vorfalls im Begriff gewesen, sich scheiden zu lassen. Laut Aussage des Opfers soll der Noch-Ehemann während seines Angriffs gesagt haben, er wolle sie töten. Die Staatsanwaltschaft hatte sich daher für eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen versuchten Mordes ausgesprochen. Am Ende wurden es sechs Jahre und drei Monate.

Der Angeklagte habe vor Gericht das Verhältnis zwischen ihm und seinem Opfer dargelegt. Danach habe sich auch schon vor dem Vorfall gezeigt, dass der Kleidungsstil der Frau nicht mit den traditionellen Vorstellungen des Mannes im Einklang stünde. Insbesondere habe sich der Mann daran gestört, dass die Frau kein Kopftuch tragen wollte und sich gerne schminke.

una/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Türkisches Gericht mildert Strafe für Messerattacke: Noch-Ehefrau soll durch Leggins provoziert haben . In: Legal Tribune Online, 01.08.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12771/ (abgerufen am: 31.10.2020 )

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Kommentare
  • 01.08.2014 19:36, Manfred Glock

    Unverschämt!

  • 03.08.2014 09:26, Madde

    Welchen Sinn erfüllt ein solcher Artikel auf LTO? Die Message scheint klar und entsteht in jedermanns Hirn sofort und unmissverständlich: Die rückständigen Frauenunterdrücker aus dem nahen Osten bestrafen Frau weil sie sich westlich verhält.

    Dass man auch im deutschen Strafrecht alle Einzelheiten eines Falles und vor Allem die Motivation des Täters bei der Strafzumessung würdigt, scheint vergessen.

    Was könnte dies für ein schöner, weil dann informativer, Artikel sein, wenn hier etwas zum Tatbestand und des Vorraussetzungen des türkischen Mord/Totschlags stünde. Der Autor bevorzugt es allerdings, den Leser sich selbst zu überlassen.

  • 03.08.2014 13:06, Sprachkritiker 1962

    Es gibt Wortbegriffe, die eignen sich gut, um eine Beurteilung oder Bewertung zu manipulieren.
    Das Wort "Provokation" ist nur eines von vielen, mit dem sich durch versteckte Implikationen für naives Publikum unanstößig gewünschte (und oft weitgehend willkürliche) Ergebnisse ansteuern lassen.
    Solche manipulativen Wortbegriffe selbst zu benutzen, sollte die Justiz möglichst vermeiden.
    Egal, ob hierzulande, oder irgendwo im Ausland.
    Leider spielen politische oder religiöse oder sittliche Meinungen und Anschauungen, öffentliche Moral, Stimmungsmache, Medienmainstream, u.s.w., in vielen Ländern der Welt (auch in westlichen), im Behörden- und Justizalltag eine nicht unerhebliche Rolle.
    Nur eine klare, saubere, genaue, ohne vernebelnde oder wertgeladene oder manipulierende Begriffe auskommende Sprache, gewährleistet auch klares denken und klar nachvollziehbare korrekte Urteile.

  • 04.08.2014 21:09, Justitia

    Und jetzt? Wen interessiert's?!
    Was soll uns jetzt dieser Artikel sagen?
    Dass alle türkischen/ muslimischen Männer gerne mal die eigene Ehefrau abstechen, weil diese sich zu "europäisch" kleidet? (Darauf will man offenbar hinaus, denn der letzte Satz in dem Artikel musste ja mit rein, alles üble steckt ja im Islam und im Kopftuch)

  • 04.08.2014 22:58, Bitte fachlich bleiben

    Kann mich Madde und Justitia nur anschließen. Dieser Artikel oder wie auch immer die Redaktion das hier nennen mag, ist seit Langem der schlechteste.
    Der Autor muss wohl ein Praktikant sein, der bei der Bild gefeuert wurde... ;-)

  • 07.08.2014 20:08, EHD

    Welchen Sinn ein solcher Artikel auf LTO macht? Ganz einfach, über Vorkommnisse aus dem juristischen Leben zu berichten. Dazu gehören auch ausländische Gerichtsentscheidungen, die hier Anlass zu Kopfschütteln oder Zustimmung geben.

    Sicherlich gibt es auch Entscheidungen in der Türkei, bei denen ein solcher Strafmilderungsgrund nicht anerkannt wurde. Dann wäre es aber - wie bei allen anderen Entscheidungen, bei denen alles (in unserem Sinne) richtig läuft - keine Nachricht. Das würde niemanden interessieren.

    Über diese Entscheidung berichten beispielsweise auch die FAZ und die SZ. Warum also nicht die LTO?

    Es hat den Anschein, dass Madde, Justitia und "Bitte fachlich bleiben" alle diejenigen Artikel zensieren möchten, die nicht in ihr Bild passen. Da muss man dann auch mal mit unsachlichen Unterstellungen hinsichtlich des Autoren des Artikels arbeiten

  • 09.08.2014 17:17, Grimms Bruder

    Sich auf "Türkei" zu focussieren halte ich für oberflächlich, wenn nicht sogar naiv.
    Nicht "die Türkei" ist das Problem.
    Problematisch ist vielmehr, das mit Hilfe des implizierenden und manipulativen Wortes "Provokation" tatsächliche Veranwortungen vernebelt, und für das oberflächliche und naive Publikum und die Massenmedien damit Pseudo-Verantwortungen geschaffen werden.
    Darüber sollte man nachdenken, damit sollte man sich kritisch auseinandersetzen, und sich nicht durch das Reizwort "Türkei" (jedenfalls für Masse der Leser einer großen Boulevardzeitung dürdte dieses Wort wohl ein Reizwort sein) ablenken lassen.

  • 10.08.2014 16:38, Tom Hofmann

    Warum bekommt der so viel Jahre ? In D-land würde er eine Bewährung bekommen und einmal auf die Südsee-Insel zum Anti-Aggressionstraining . Die Richter da sind wohl etwas unfäir und haben vom islamistenrabatt noch nie was gehört.