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Rede bei Pegida-Demonstration: Staats­an­walt­schaft ermit­telt gegen Akif Pirinçci

20.10.2015

Die skandalöse Rede des deutsch-türkischen Autors bei der Jubiläums-Kundgebung der Pegida am Montagabend beschäftigt seit Dienstag die Staatsanwaltschaft Dresden. Konkret geht es um einen Satz.

Akif Pirinçci muss nach seiner Rede bei der Jubiläumsveranstaltung der Pegida in Dresden am vergangenen Montag mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Staatsanwaltschaft Dresden bestätigte am Dienstag, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet zu haben.

"Wir ermitteln wegen des Verdachts der Volksverhetzung", sagte Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Grund sei die Anzeige einer Privatperson, die noch in der Nacht bei der Polizei erstattet worden sei. Konkret gehe es um den Satz "Es gäbe natürlich andere Alternativen, aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb".

Allerdings hatte Pirinçci diesen Satz nicht auf Flüchtlinge bezogen. Der umstrittene Autor hatte die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung in der Rede am Montagabend mit einer von ihm so bezeichneten "Umvolkung" der Nazis verglichen. Heutige Politiker agierten "zunehmend als Gauleiter gegen das eigene Volk", hatte er gesagt. Dies gehe soweit, dass sie besorgten Deutschen die Ausreise empfehlen würden. Daran schloss sich der Satz mit den KZs an.

Die Rede Pirinçcis war gespickt mit übelsten Diffamierungen und Beleidigungen gegen Muslime. Aus dem Pegida-Publikum wurden Rufe wie "Keine Hetze" laut. Pegida-Chef Lutz Bachmann beendete den Auftritt Pirinçcis vorzeitig. "Viele Leute waren entsetzt", sagte Pegida-Mitbegründer René Jahn, der im Januar im Zuge der Spaltung der Führung aus dem Pegida-Organisationsteam ausgetreten war.

dpa/una/LTO-Redaktion

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Zitiervorschlag

Rede bei Pegida-Demonstration: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Akif Pirinçci . In: Legal Tribune Online, 20.10.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/17278/ (abgerufen am: 07.08.2020 )

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Kommentare
  • 20.10.2015 19:09, Arne Rathjen RA

    Der Mann hat vermutlich zu viel Wein getrunken. Wenn man heute einen globalen KZ-Atlas erstellen würde, dann könnte herauskommen, dass es mehr Lager und Lager-ähnliche Einrichtungen gibt als noch 1944. Nicht zu reden von der Menge der Flüchtlinge. Auch sind nach 1945 eine ganze Reihe von Top-Nazis mit analogem Aufgabenbereich weiter beschäftigt worden. Womöglich als Kindergärtner.