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Justiz: Franjo Pooth erneut im Visier der Staatsanwaltschaft

05.07.2011

Die Strafverfolger haben gegen den 41-jährigen Düsseldorfer Unternehmer erneut ein Verfahren eingeleitet. Es werde wegen Verdachts des Betruges und der uneidlichen Falschaussage ermittelt, so der Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann am Dienstag. Er bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Hintergrund ist die Strafanzeige eines Bankmanagers im Zusammenhang mit der Pleite der Pooth-Firma "Maxfield", so Möllmann weiter. Demnach soll Pooth ein 1,5 Millionen Euro teures Grundstück als Sicherheit zugesagt haben, damit sein Kreditrahmen um 900.000 Euro erweitert wird. Er habe seinen Anteil am Grund dann aber auf Ehefrau Verona übertragen.

Die Staatsanwaltschaft wollte "Bild"-Angaben allerdings nicht bestätigen, wonach der frühere Sparkassenvorstand Karl-Heinz Stiegemann die Anzeige gestellt hat. Dieser war im März zu 15 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden. Pooth ließ in der Presse alle Vorwürfe über seinen Anwalt zurückweisen.

Der Anzeige zufolge soll Pooth in einem Schadenersatzprozess gegen den Banker falsch ausgesagt haben. Stiegemann war im März wegen schwerer Untreue und Korruption strafrechtlich verurteilt worden, weil er von Pooth einen fast 9.000 Euro teuren Luxus-Fernseher für seine Privatvilla gefordert und angenommen haben soll.

Pooth vor zwei Jahren bereits verurteilt

Im Gegenzug soll er entgegen internen Vorgaben den Kreditrahmen für Pooths bereits insolvenzreife Firma erweitert haben. Franjo Pooth hatte das Gerät liefern lassen und bezahlt, um den Banker nach eigener Aussage "bei Laune zu halten". Wegen Forderungen der Sparkasse läuft noch ein Schadenersatz-Prozess.

Der Unternehmer war vor drei Jahren mit seinem Elektronik- Gerätehandel insolvent gegangen. Vor zwei Jahren war er unter anderem wegen Bestechung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Pooth-Firma hatte der Sparkasse insgesamt 9,3 Millionen Euro Kreditausfälle beschert. In einem Vergleich soll Pooth inzwischen gut 800.000 Euro gezahlt haben. Im Gegenzug wurde ihm die restliche Summe erlassen. Die Sparkasse soll nach der Pleite mit Pooth somit mehr als acht Millionen Euro abgeschrieben haben. Außerdem musste sie einigen der im Zuge der Affäre gefeuerten Bank-Manager Millionenabfindungen zahlen.

dpa/tko/LTO-Redaktion

 

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Justiz: Franjo Pooth erneut im Visier der Staatsanwaltschaft . In: Legal Tribune Online, 05.07.2011 , https://www.lto.de/persistent/a_id/3669/ (abgerufen am: 20.08.2019 )

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