LTO.de - Legal Tribune Online - Aktuelles aus Recht und Justiz
 

IOC will Athleten unter Auflagen starten lassen: Kein Kom­p­lett-Aus­schluss Russ­lands

25.07.2016

Das IOC verurteilt Russlands Sommer-Olympioniken nicht kollektiv: Trotz Doping-Skandalen wird es keinen kompletten Ausschluss der russischen Mannschaft geben. Whistleblowerin Julia Stepanowa darf dagegen nicht teilnehmen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gibt Russlands Sommer-Olympioniken trotz aller Doping-Skandale eine Chance zur Teilnahme in Rio: Die russische Mannschaft wird nicht komplett von den Sommerspielen in Rio de Janeiro im August ausgeschlossen. Russland begrüßte die Entscheidung.

Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach sagte nach einer Telefonschalte der Exekutive am Sonntag: "Unser Ergebnis heute respektiert die Regeln des Rechts und das Recht aller sauberen Athleten weltweit." Für russische Sportler müsse es die Chance geben, ihr Unschuld zu beweisen, so Bach. Die Athleten aus Russland müssten strenge Auflagen erfüllen, um in Rio antreten zu dürfen.

Laut Bach liegt es nun vor allem an den einzelnen internationalen Sommersportverbänden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, darüber zu befinden, ob einzelne russische Athleten in den jeweiligen Sportarten antreten dürften oder nicht. Unter der Führung Bachs hatte das Exekutivkomitee des IOC zuvor beraten, ob nach den russischen Leichtathleten das komplette Team ausgeschlossen werden soll. Auslöser war ein Report der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, bei dem staatlich angeordnetes systematisches Doping in Russland nicht nur in der Leichtathletik festgestellt worden war.

Whistleblowerin entspricht nicht "ethischen Anforderungen"

Russland zeigte sich zufrieden. "Das ist eine rechtmäßige Lösung", sagte der Chef des Sportausschusses im russischen Parlament, Dmitri Swischtschjow. "Aber solche Entscheidungen sollten nicht nur in Bezug auf russische Athleten, sondern auf Sportler in der ganzen Welt getroffen werden." Dann wäre das Problem Doping endgültig ausgerottet, sagte er der Agentur Tass zufolge in Moskau.

Demonstrativ hatte Kremlchef Wladimir Putin zuletzt die Gründung einer neuen Anti-Doping-Kommission in Russland angekündigt - womöglich auch, um einem Komplett-Bann zu entgehen. Die Leitung der Kommission soll vermutlich der 81-jährige Witali Smirnow übernehmen, der seit 45 Jahren IOC-Mitglied ist. "Er hat einen absolut tadellosen Ruf und genießt das Vertrauen der olympischen Familie", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.

Die russischen Leichtathleten sind von der Entscheidung am Sonntag nicht betroffen, sie bleiben von den Rio-Spielen ausgeschlossen. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte am vergangenen Mittwoch die Suspendierung des russischen Leichtathletik-Verbandes durch den Weltverband IAAF als regelkonform bestätigt.

Auch Whistleblowerin Julia Stepanowa wird in Rio trotz ihrer Mithilfe bei der Aufklärung des umfassenden Dopings in Russland nicht starten. Der Antrag der Leichtathletin, beim Ringe-Spektakel im August als "neutrale" Athletin unter der olympischen Flagge antreten zu dürfen, lehnte das Internationale Olympische Komitee ab. Sie erfülle angesichts ihrer Doping-Vergangenheit trotz ihrer Verdienste um Aufklärung nicht die "ethischen Anforderungen", hieß es.

acr/dpa/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

IOC will Athleten unter Auflagen starten lassen: Kein Komplett-Ausschluss Russlands . In: Legal Tribune Online, 25.07.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/20096/ (abgerufen am: 18.06.2019 )

Infos zum Zitiervorschlag
Kommentare
  • 25.07.2016 12:41, Angela Urkl

    Na - wo bleibt das Russland-Bashing??? Die sind doch SO PÖHSE!!!!

    • 25.07.2016 13:59, sowhat

      lesen Sie bitte weiter auf RT-Deutsch und verschonen uns bitte mit diesem undifferenzierten Schwachsinn.

    • 25.07.2016 17:35, Elmo Zackensack

      @sowhat: Schwachsinn ist eigentlich nur Ihre Aussage. Diese ist sogar richtig, richtig schwachsinnig.

    • 26.07.2016 08:00, sowhat

      weil?

  • 25.07.2016 14:02, sowhat

    Die Entscheidung des IOC scheint "interessant". Ein "Geschmäckle" bleibt aber auf jeden Fall, wenn man von den Berichten über die persönliche Beziehung zwischen Bach und Putin glauben schenken kann.

    • 25.07.2016 17:38, Gerda Muckefuck

      Die allermeisten überführten Doper der letzten Jahrzehnte waren KEINE Russen! Oder fahren etwa Russen bei der Tour de France um den Sieg mit? Also lassen Sie solche "geschmackvollen" Aussagen

    • 26.07.2016 07:55, sowhat

      die allermeisten überführten Doper wurden aber auch nicht vom Inlandsgeheimdienst ihres Heimatlandes gedeckt, weshalb sie überführt wurden. Daher wäre eine Kollektivstrafe gegen das NOK Russlands durchaus angebracht. Es ist aber natürlich klar, dass in den Ländern der ehemaligen UDSSR systematisch gedopt wurde und nur, weil dort jetzt "Demokratie" herrscht natürlich damit aufgehört wurde.

  • 25.07.2016 16:04, anon

    im Sport mögen ja andere Regeln gelten und klar ist Doping - und das was Russland sich da scheinbar geleistet hat - nicht in Ordnung. Aber eine Kollektivstrafe "respektiert die Regeln des Rechts und das Recht" wohl nicht. Und jedem Sportler "die Chance [zu] geben, ihr Unschuld zu beweisen" ist auch ein eher "interessantes" Rechtsverständnis. Oder müsste es nicht eher sein, dass sie starten dürfen (jedenfalls individuell) es sei denn ihnen ist ihre Schuld nachgewiesen?

    • 26.07.2016 08:07, sowhat

      nach meinem Rechtsverständnis würde sich die Strafe gegen das NOK Russlands richten. Aus diesem Grund kann ein Sportler der für Russland antreten möchte, nur antreten, wenn er nachweist, nicht gedopt zu haben. Wie auch immer das aussehen soll, ist natürlich unklar. Dass aber ein Generalverdacht vorliegt, wenn systematisch gedopt wurde, dürfte ja aber eigentlich auf Hand liegen.

      Da der Leistungssport aber seit jeher unglaubwürdig im Bezug auf Doping ist, kann es uns ja eigentlich egal sein. (Tour de France, Zahnpasta, etc. pp.) Alternative ist natürlich das Doping komplett freizugeben, dann herrscht Chancengleichheit (Gesundheitsrisiken gehen dann halt zu lasten der Sportler)

  • 25.07.2016 17:33, Elmo Zackensack

    Mit Russland kann man es ja machen, das ist politisch ja so dermaßen korrekt hier draufzuhauen! Arabische Länder werden trotz massenhafter Verstöße nicht von Großereignissen ausgeschlossen (siehe Katar), weil das wäre ja so dermaßen unkorrekt! Ein Hoch auf die zwei Maßstöcke.

  • 25.07.2016 19:18, Richter

    Man könnte meinen, es sei in irgendeiner Form von Belang, aus welchem Land ein gedopter Sportler kommt. Betrüger ist Betrüger. Wen juckt,ob der unter rotweissblauer oder schwarzrotgoldener oder rotgelbhammersichelnder Flagge aufmarschiert?

    Wir sollten hier alle mal GANZ leise sein. Die halbe Fußball-Bundesliga läuft mit unerlaubten Zusätzen...

    • 25.07.2016 21:44, Balu

      Natürlich ist das von Belang! Schwarz-rot-gold unterstütze ich. Weil ich Deutscher bin.

    • 25.07.2016 22:10, Richter

      Die Ironie ist subtil. Well done.

Mitreden? Schreiben Sie uns an leserbrief@lto.de

Eine Auswahl der Leserbriefe wird in regelmäßigen Abständen veröffentlicht. Bitte beachten Sie dazu unsere Leserbrief-Richtlinien.