Weil Air Berlin das Gepäck nicht transportierte: Hockey-Bund ent­scheidet über Bun­des­liga­spiel-Aus­fall

05.04.2016

Weil Air Berlin das Gepäck der Spieler des UHC in Hamburg stehen ließ, fiel am Sonntag das Bundesligaspiel gegen Nürnberg aus. Der Hockey-Bund wird nun entscheiden, ob die Hamburger daran selbst schuld waren.

"Es gab schon mal ein Gewitter, aufgrund dessen ein Spiel ausfallen musste", erinnert sich Dr. Christian Deckenbrock. An etwas, was besser mit den Ereignissen vom gestrigen Sonntag vergleichbar wäre, kann der Jurist aus Köln sich nicht erinnern. Er sollte eigentlich das Bundesligaspiel zwischen dem Nürnberger HTC und UHC Hamburg pfeifen, das um 13 Uhr beginnen sollte. Aber schnell stand fest, dass zwar die Spieler aus der Hansestadt angereist waren, nicht aber der Großteil ihrer Ausrüstung. 

Air Berlin, mit deren Maschine die Hamburger nach dem Samstags-Spiel in Mülheim an der Ruhr von Düsseldorf aus fliegen wollten, ließ die Taschen mit Schlägern und Schuhen sowie die beiden Torwart-Ausrüstungen am Flughafen stehen, während die Mannschaft abhob. Eine bloße Verschiebung am selben Tag war nicht möglich, die Hamburger flogen unverrichteter Dinge und ohne Spiel zurück.

Das Spiel wird im Laufe der Saison nachgeholt werden. Aber einer Mannschaft, die schuldhaft nicht zum Spiel antritt, werden nach der Spielordnung des Deutschen Hockey-Bundes drei Punkte in der Wertung der Meisterschaftsspiele der laufenden Saison abgezogen. Nun wird der Zuständige Ausschuss, wenn die Hamburger wie angekündigt binnen vier Tagen einen Antrag auf Feststellung stellen, prüfen, ob das Team aus dem Norden schuldhaft gehandelt hat.

"Um eine angemessene Bestrafung zu erreichen" müssen beim Ausfall eines Bundesligaspiels sogar zusätzlich sechs weitere Punkte abgezogen werden, wobei der Zuständige Ausschuss diese nach eigenem Ermessen entweder in der Wertung der Meisterschaftsspiele der laufenden oder der folgenden Saison abziehen kann. Jurist und Schiedsrichter Deckenbrock kann sich allerdings nicht daran erinnern, dass diese Regelung je zur Anwendung kam. 

Früher starten, andere Ausrüstung nehmen: selbst schuld?

Nach der Prüfung wird sich auch richten, ob der Ausschuss den Hamburgern eine Geldstrafe auferlegen wird und wer die Kosten der Neuansetzung übernimmt. Geht der Ausschuss von fehlendem Verschulden der Hamburger aus, tragen in solchen Fällen beide Mannschaften die zusätzlichen Kosten je zur Hälfte. Es geht dabei vor allem um die Kosten einer neuen Anreise der auswärtigen Mannschaft und die Schiedsrichterkosten.

Aber müssen die Nürnberger auch in diesem, sicherlich nicht alltäglichen Fall die Hälfte der Kosten der Hamburger übernehmen, wenn die nun noch einmal kommen müssen? UHC-Kapitän Fürste Moritz Fürste weist jedes Verschulden von sich, gegenüber Bild.de sagte er "Wir können nichts dafür". 

Tatsächlich spricht einiges gegen ein Verschulden der Hamburger. Hätten sie vorhersehen können oder gar müssen, dass eine Fluggesellschaft zwar die Spieler, nicht aber deren Gepäck transportieren würde? Liegt in der gewählten Transportmethode Flugzeug, wo man sein Gepäck getrennt aufgeben muss, ein besonderes Risiko, das ein Verein ausschließen müsste, auch wenn offenbar jahrelang kein vergleichbares Problem aufgetreten ist? Und ist es für einen Bundesliga-Verein wirklich zumutbar, seine Spieler, die normalerweise mit ihrer eigenen High-Tech-Ausrüstung spielen, an die sie gewöhnt sind, auf eine Leihausrüstung verweisen lassen?

Air Berlin hat sich noch nicht dazu geäußert, ob das Unternehmen beabsichtigt, zumindest die Kosten der Flüge zu übernehmen. Man bedauere den Vorgang und prüfe, wie es dazu kommen konnte, hieß es laut Bild.de am Montag, für eine weitere Stellungnahme gegenüber LTO war Air Berlin bis Dienstagmorgen nicht zu erreichen. Den Vorgang bedauert auch Christian Deckenbrock, der am Sonntag die Entscheidung traf, dass das Spiel ausfallen musste, als feststand, dass das Gepäck erst hätte eintreffen können, nachdem der gebuchte Rückflug der Spieler um 19 Uhr schon abgeflogen wäre. Für den Akademischen Rat an der Universität zu Köln wäre das Match zwischen Hamburg und Nürnberg das 400. Bundesligaspiel in seiner Schiedsrichter-Karriere gewesen.

pl/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

Weil Air Berlin das Gepäck nicht transportierte: Hockey-Bund entscheidet über Bundesligaspiel-Ausfall . In: Legal Tribune Online, 05.04.2016 , https://www.lto.de/persistent/a_id/18961/ (abgerufen am: 03.07.2022 )

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