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Juraprofessor an der Harvard University: Anwalt von Harvey Wein­stein ver­liert Dekan-Posten

15.05.2019

Der Rechtsanwalt von Hollywood-Produzent Harvey Weinstein im Strafverfahren wegen sexueller Nötigung lehrt als Juraprofessor in Harvard. Nach Studenten-Protesten hat er seinen Posten als Dekan verloren.

Der Skandal um den Filmproduzenten Harvey Weinstein in den USA hat im Oktober 2017 die breite Öffentlichkeit erschüttert und weltweit Debatten über Frauenrechte ausgelöst. Einer seiner Rechtsanwälte, der gleichzeitig Professor an der renommierten Harvard Univesity ist, verliert nun seinen Posten als Dekan, weil er Weinstein verteidigt, wie die New York Times berichtet.

Der Entscheidung der Universität, den Juraprofessor Ronald S. Sullivan Jr. seines Postens als Dekan zu entheben, waren mehrere Protestaktionen von Studenten vorangegangen. Diese kritisierten, dass Sullivan Jr. im Januar dem Verteidigungsteam von Weinstein beigetreten war. Im Juni wird sich der Filmproduzent vor einem New Yorker Gericht verantworten müssen. Ihm wird vorgeworfen, über Jahrzehnte Frauen aus der Filmindustrie sexuell belästigt, genötigt und auch vergewaltigt zu haben. Weinstein bestreitet die Vorwürfe.

Unterstützung aus dem Kollegium für Sullivan Jr.

Für die Studenten sei die Arbeit als Dekan nicht mit der Tätigkeit als Rechtsanwalt einer Person vereinbar, die beschuldigt werde, Frauen missbraucht zu haben, zitiert die Zeitung die Begründung der Demonstranten für ihren Protest. Sullivan Jr. hatte die Position, die er nun verloren hat und die mit einer Rolle als Mentor vergleichbar ist, gemeinsam mit seiner Frau im "Winthrop House" inne. An der Harvard University wohnen die Studenten in zwölf Wohnheimen, die auch "Häuser" genannt werden. Jedes hat seinen eigenen Dekan, der die Studenten wissenschaftlich und persönlich betreut.

Eine Reihe von Kollegen setzte sich noch für Sullivian Jr. ein. In einem offenen Brief bestätigten 52 Harvard-Professoren, dass auch die Vertretung umstrittener Mandanten voll und ganz mit der Rolle als Juraprofessor und Dekan der Fakultät vereinbar sei. Die Universität entschied dennoch, die beiden Lehrbeauftragten nicht über das Semester hinaus als Dekane zu beschäftigen, um die angespannte Stimmung unter den Studenten nicht zu verschlechtern. Unterrichten dürfen sie die Studenten aber weiterhin.

In einer gemeinsamen Erklärung zeigten sich Sullivan Jr. und seine Frau von der Entscheidung "überrascht und bestürzt". Sie glaubten, dass die Gespräche, die sie mit hochrangigen Hochschulvertretern führten, positiv verlaufen seien. Nach Angaben der New York Times waren die beiden Professoren die ersten afroamerikanischen Dekane der Fakultät in der Geschichte von Harvard.

mgö/LTO-Redaktion

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Juraprofessor an der Harvard University: Anwalt von Harvey Weinstein verliert Dekan-Posten . In: Legal Tribune Online, 15.05.2019 , https://www.lto.de/persistent/a_id/35393/ (abgerufen am: 23.07.2019 )

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