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US-Justiz vor neuen Anklagen: Auch für Blatter könnte es im FIFA-Skandal eng werden

14.09.2015

Mit großer Spannung wurde die Pressekonferenz von US-Justizministerin Loretta Lynch und des Schweizer Bundesanwalts Michael Lauber erwartet. Die FIFA und ihr Boss Blatter sind (weiter) im Visier der Ermittler.

Der Name des schwer angeschlagenen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter fiel erst ganz am Ende der Ausführungen von US-Justizministerin Loretta Lynch. Und doch lassen die Worte der prominenten Anklägerin Spielraum für Interpretationen: Auch dem Fußball-Weltverband und seinem scheidenden Chef könnte im größten Korruptionsskandal der FIFA-Geschichte juristisches Ungemach drohen. "Ich erwarte eine nächste Runde von Festnahmen. Es kann sein, dass wir weitere Verdachtsmomente feststellen", sagte Lynch am Montag im völlig überfüllten Raum Helvetia B des Renaissance Tower Hotels in Zürich. Erst am Wochenende waren neue Verdächtigungen gegen Blatter bekanntgeworden.

Auf die Nachfrage, ob auch gegen Blatter ermittelt werde, wollte Lynch keinen Kommentar abgeben. "Ich werde mich zu Einzelpersonen nicht äußern", betonte sie immer wieder.

"Einzelpersonen und Organisationen" im Visier der Justiz

Es war das erste Mal an diesem spannungsgeladenen Nachmittag, dass die Justizministerin der USA Blatter namentlich erwähnte. Bislang werden 14 Personen - darunter neun ehemalige Fußball-Funktionäre und fünf Geschäftsmänner - der Korruption beschuldigt. 13 von ihnen wurden festgenommen. Ihnen drohen 20 Jahre Haft. Doch es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis weitere Festnahmen und Anklagen folgen. Im Visier der Justiz sind "Einzelpersonen und Organisationen", wie es Lynch und fast wortgleich der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber formulierten.

Zu den über das Wochenende aufgekommenen vermeintlichen Verdächtigungen gegen Blatter konnte Lauber noch nichts sagen. Nach einem Bericht des Schweizer Fernsehens soll der FIFA-Boss vor zehn Jahren TV-Übertragungsrechte zu einem bemerkenswert niedrigen Preis an einen der Beschuldigten in der FIFA-Affäre, den früheren Vize-Präsidenten Jack Warner, verkauft haben. Dieser soll diese für ein Vielfaches weiterverkauft und zudem im Gegenzug Blatter bei mehreren Wahlen Stimmen verschafft haben.

Lauber fordert intensivere Kooperation

Für den ehemaligen Anti-Korruptionsexperten Mark Pieth ein klarer Fall für strafrechtliche Ermittlungen. "Blatter muss sich gegen eine Anklage wegen Veruntreuung verteidigen. Das nennt man Anfangsverdacht", sagte der Schweizer Top-Jurist. Lauber betonte, dass man auch in diesem Fall untersuche, aber erst am Sonntagabend von der FIFA eine Stellungnahme dazu erhalten habe.

Die eine oder andere Ausführung durfte immer mal wieder als kleine Spitze gegen die FIFA interpretiert werden. Von einigen beteiligten "Parteien" erhoffe er sich eine etwas offenere und intensivere Kooperation, führte Lauber aus - auch er erwähnte die FIFA oder den am 26. Mai aus dem Amt scheidenden Blatter nicht namentlich.

dpa/age/LTO-Redaktion

Zitiervorschlag

US-Justiz vor neuen Anklagen: Auch für Blatter könnte es im FIFA-Skandal eng werden . In: Legal Tribune Online, 14.09.2015 , https://www.lto.de/persistent/a_id/16896/ (abgerufen am: 30.10.2020 )

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Kommentare
  • 15.09.2015 08:54, Josef

    Die sind alle involviert!
    Jedoch hackt eine Krähe der anderen,
    kein Auge aus.
    Das ist schlimmer als Blutdoping!

  • 15.09.2015 08:57, ZB

    So wie es aussieht, haben die Ankläger/Ermittler nach zahlreichen Festnahmen, Durchsuchungen und sonstigen (teils grenzwertigen) Maßnahmen nicht viel gegen FIFA und Blatter persönlich in der Hand. Die Pressekonferenz ist eine Stimmungsmache bzw. Versuch, potentiellen Verdächtigen in Panik zu versetzen. Dieses "Ermittlungsverfahren" ist nichts als eine politisch motivierte Kampagne.

  • 15.09.2015 20:13, zweifler

    Die Fakten, die jeder kennt, sind doch simpel: Der internationale, kommerzielle Profifußball ist vom Scheitel bis zur Sohle ein zutiefst korruptes, verabscheuungswürdiges Geschäft, das sogar über Leichen geht (Stichwort Arbeiter in Katar). Juristisch wird man das trotzdem nicht zerschlagen können. Dafür ist zuviel Geld im Spiel. In der Hand haben es die Fans. Ein, zwei Jahre Totalboykott kombiniert mit dem Aufruf, grundsätzlich etwas zu ändern, dürfte Wunder wirken. Dann ginge es am Ende auch wieder um den Sport, und nicht primär um die Milliarden um jeden Preis. Aber das dürfte illusorisch sein. Der Durchschnittsfan ist dafür zu träge und bequem, und es ist ihm letztlich auch egal. Ein Trauerspiel.