Druckversion
Sonntag, 8.03.2026, 05:52 Uhr


Legal Tribune Online
Schriftgröße: abc | abc | abc
https://www.lto.de//recht/nachrichten/n/donald-trump-betrug-gericht-verfahren-usa-republikaner
Fenster schließen
Artikel drucken
53092

Betrugsprozess gegen Ex-US-Präsident: Trump gerät mit Richter anein­ander

07.11.2023

Former President Donald Trump at his civil fraud case at the State Supreme Court of New York on November 6, 2023 in New York City.

Beteuert stets seine vollkommene Unschuld - der ehemalige und möglicherweise zukünftige US-Präsident Donald Trump. Foto: picture alliance / Andrea Renault/STAR MAX/IPx | Andrea Renault/STAR MAX/IPx

Der Gerichtssaal ist kein Ort für politische Kundgebungen - daran musste Donald Trump in einem Betrugsprozess durch den Richter mehrfach erinnert werden. Der ehemalige US-Präsident macht derweil abermals Gegenvorwürfe gegen alle Beteiligten.

Anzeige

Bei einer kontroversen und teils hitzigen Sitzung hat der ehemalige US-Präsident Donald Trump in seinem Betrugsprozess ausgesagt. Dabei machte der 77-Jährige klar, dass er auch vor Gericht in New York nicht gewillt ist, sich zurückzunehmen und scharfe Angriffe auf die Justiz zu vermeiden. Richter Arthur Engoron wies Trump am Montag mehrmals an, in seinem Gerichtssaal auf längliche "Reden" zu verzichten: "Das ist keine politische Kundgebung, das ist ein Gerichtssaal". Trump solle direkt auf die Fragen der Staatsanwaltschaft antworten. "Ich möchte nicht alles hören, was dieser Zeuge zu sagen hat", so der Richter.

Doch Trump ließ sich vom wachsenden Ärger Engorons kaum beeindrucken und attackierte den Richter, die amerikanische Justiz, die demokratische Partei und die ebenfalls anwesende New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James. Diese sei eine Parteisoldatin der Demokraten, die sich schämen sollte: "Die Betrügerin ist sie". James versuche lediglich, sich in den Wahlkampf einzumischen. Trump will kommendes Jahr erneut für die Republikaner zum US-Präsidenten gewählt werden. An einer Stelle sagte er: "Das ist ein sehr unfairer Prozess. Ich hoffe, die Öffentlichkeit schaut zu."

Die Staatsanwaltschaft wirft Trump, seinen Söhnen und Mitarbeitern in dem Zivilprozess vor, den Wert der Trump Organization jahrelang manipuliert zu haben, um an günstigere Kredite und Versicherungsverträge zu kommen. Richter Engoron hatte dies vor dem Prozess bereits bestätigt - in dem Verfahren geht es nun vor allem um die Festlegung möglicher Strafen sowie mehrere weitere Anklagepunkte.

Staatsanwaltschaft fordert 250.000.000 Dollar

Eine Gefängnisstrafe oder direkte Auswirkungen auf seine Bewerbung um das Präsidentenamt drohen Trump in der Verhandlung zwar nicht, doch geschäftlich könnte ihm eine Verurteilung großen Schaden zufügen. Generalstaatsanwältin James will erreichen, dass Trump 250 Millionen US-Dollar (rund 239 Millionen Euro) zahlen muss und in New York keine Geschäfte mehr machen darf. Unklar ist, ob er bei einer Verurteilung auch Immobilien wie seinen berühmten New Yorker Trump Tower abgeben müsste.

Trump, im dunklen Anzug und mit blauer Krawatte, griff Richter Engoron immer wieder an. Dieser sei ebenso parteiisch wie James. "Sie wissen gar nichts über mich, aber sie glauben diesem politischen Scharlatan dort drüben", schimpfte er und deutete in Richtung der anwesenden James. Ankläger Kevin Wallace fragte Trump nüchtern: "Fertig?" - "Fertig", antwortete dieser.

Inhaltlich bestritt Trump wie erwartet die Vorwürfe, er habe den Wert seiner Grundstücke und Geschäfte manipuliert. Eine Reihe seiner Grundstücke, unter anderem sein Club Mar-a-Lago in Florida, seien weit mehr wert als öffentlich bekannt und vom Gericht unterschätzt worden. Zudem gebe es keinen Schaden, die Banken hätten die gewährten Kredite zurückerhalten: "Jeder bekam sein Geld vollständig zurück", so Trump.

Zuletzt hatten bereits mehrere Kinder Trumps ausgesagt. Donald Jr. und Eric wiesen vor Gericht jegliche Vorwürfe zurück und sagten aus, sie hätten mit der Buchhaltung und den Abrechnungen der Trump Organization nichts zu tun gehabt.

Gerichtsprozess oder TV-Debatte?

In einigen Teilen seiner Aussage benahm Donald Trump sich im Gerichtssaal wie bei einer TV-Debatte. Engoron mahnte Trumps Verteidiger Christopher Kise mehrmals, er solle seinen Mandaten "unter Kontrolle" bringen. Ansonsten würde dies negative Auswirkungen auf seine Wertung der Aussage haben. Als Trumps Verteidiger Widerworte hatten, herrschte Engoron diese an, sich hinzusetzen.

Staatsanwalt Wallace ließ den Ex-Präsidenten dabei auffallend oft gewähren, obwohl Trump ihn immer wieder zurechtwies, als sei er sein Vorgesetzter. Die Anklage, so Trump während der Befragung, habe nichts gegen ihn in der Hand: "Sie sollten sich schämen, aber machen sie weiter". Den Richter fragte Trump an einer Stelle, ob er einen Text vorlesen dürfte, der ihn offenbar entlasten sollte. Als Engoron dies mit den Worten "nicht jetzt" verneinte, reagierte Trump sarkastisch mit den Worten "Ich bin schockiert".

Wegen zahlreicher verbaler Entgleisungen Trumps, der bereits mehrfach persönlich in dem Prozess anwesend war, hatte Richter Engoron ihm bereits zuvor mit ernsthaften Konsequenzen gedroht, kleinere Geldstrafen und ein Verbot der Verunglimpfung von Gerichtsangestellten verhängt.

Trump ist der aussichtsreichste Bewerber auf die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner für die Wahl in einem Jahr. Den Prozess nutzt er nach Einschätzung vieler Beobachter als Wahlwerbung und behauptet immer wieder, die Verhandlung sei Teil einer politischen Kampagne gegen ihn. Bei der Aussage am Montag kam auch immer wieder Trumps Ärger darüber hervor, dass sein Reichtum unterschätzt werde. Er sagt: "Die Leute wissen nicht, was für ein gutes Unternehmen ich aufgebaut habe."

dpa/jb/LTO-Redaktion

  • Drucken
  • Senden
  • Zitieren
Zitiervorschlag

Betrugsprozess gegen Ex-US-Präsident: . In: Legal Tribune Online, 07.11.2023 , https://www.lto.de/persistent/a_id/53092 (abgerufen am: 08.03.2026 )

Infos zum Zitiervorschlag
  • Mehr zum Thema
    • Zivil- und Zivilverfahrensrecht
    • Betrug
    • Immobilien
    • Trump
    • USA
Ein Flugzeug des US-Logistikunternehmens Fedex 05.03.2026
Welthandel

US-Gericht für internationalen Handel:

Unter­nehmen haben Anspruch auf Zoll-Rück­zah­lung

Der Supreme Court hat viele von Trumps Zöllen für unrechtmäßig erklärt. Nicht geurteilt hat er dabei über Rückzahlungen bereits gezahlter Zölle. In New York gibt es dazu nun eine Entscheidung, nachdem mehrere Unternehmen dort geklagt hatten.

Artikel lesen
Das Strafjustizzentrum in München 04.03.2026
Betrug

Wegen Vorwurfs der Beihilfe zum Betrug:

Mün­chener Straf­ver­tei­diger selbst ange­klagt

In München findet sich ein Strafverteidiger auf der Anklagebank wieder. Er soll einen Autohändler unterstützt haben, seiner 75-jährigen Nachbarin Millionenbeträge zu entlocken. Der Tatvorteil beläuft sich laut Anklage auf 400.000 Euro.

Artikel lesen
Dr. Felor Badenberg 03.03.2026
Organisierte Kriminalität

Berlin mit Bundesratsinitiative zur Vermögensabschöpfung:

Kri­mi­nelle sollen Her­kunft von Ver­mögen belegen

Autos, Schmuck oder fragwürdiger Immobilienbesitz: Wollen Ermittler an Vermögen ran, das wahrscheinlich aus kriminellen Geschäften stammt, müssen sie das akribisch beweisen. Berlins Justizsenatorin will das ändern. Das BMJV zeigt sich offen.

Artikel lesen
Rauchwolke über Teheran nach einer Explosion am 02.03.2026 02.03.2026
Völkerrecht

USA und Israel greifen den Iran an:

Warum humani­täre Inter­ven­tionen und "Präv­en­tiv­schläge" unzu­lässig sind

Der Angriff verstößt gegen das Gewaltverbot, sind sich Experten einig. Nun werden völkerrechtliche Normen infrage gestellt und "Änderungen" gefordert. Dabei entstehen die Regeln nicht am Reißbrett und es gibt gute Gründe für sie.

Artikel lesen
Screenshot von Robert Andersons viralem Tweet 28.02.2026
Justiz

Warum Anwälte und Justiz "genug" Rechtsfälle brauchen:

Sind von KI hal­lu­zi­nierte Urteile doch gut fürs Recht?

Als ein Rechtsprofessor ein spektakuläres Paper ankündigt, geht das viral – entpuppt sich aber als vielsagender Scherz. Was man durch Künstliche Intelligenz erfundenen Urteilen für das deutsche Recht abgewinnen könnte, überlegt Tom Braegelmann.

Artikel lesen
Außenansicht des Europäischen Parlaments in Brüssel 23.02.2026
USA

Weil Trump nun 15 Prozent Zölle erheben will:

EU-Par­la­ment stoppt Umset­zung von Zoll-Abkommen

Im vergangenen Sommer einigten sich USA und EU auf einen Deal über Zölle und Handel. Nach der Niederlage vor dem US Supreme Court jedoch ordnet Donald Trump seine aggressive Zoll-Politik neu. Nun gerät die Einigung ins Wanken.

Artikel lesen
lto karriere logo

Deine Karriere beginnt hier.

Registrieren und nie wieder einen Top-Job verpassen

logo lto karriere
Jetzt registrieren bei LTO Karriere

Finde den Job, den Du verdienst 100% kostenlos registrieren und Vorteile nutzen

  • LTO Job Matching: Finde den Job & Arbeitgeber, der zu Dir passt.
  • Jobs per Mail: Verpasse keine neuen Job-Angebote mehr.
  • One-Klick Bewerbung: Dein Klick zum neuen Job, einfach und schnell.
Das Passwort muss mindestens 8 Zeichen lang sein und mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten (z.B. #?!@$%^&*-).
Pflichtfeld *

Nur noch ein Klick!

Wir haben Dir eine E-Mail gesendet. Bitte klicke auf den Bestätigungslink in dieser E-Mail, um Deine Anmeldung abzuschließen.

Weitere Infos & Updates einfach und kostenlos direkt ins Postfach.

LTO Karriere Newsletter

Das monatliche Update mit aktuellen Stellenangeboten & Karriere-Tipps.

LTO Daily

Jeden Abend um 18 Uhr die wichtigsten News vom Tag.

LTO Presseschau

Jeden Morgen um 7:30 Uhr die aktuelle Berichterstattung über Recht und Justiz.

Pflichtfeld *

Fertig!

Um die kostenlosen Nachrichten zu beziehen, wechsle bitte nochmal in Dein Postfach und bestätige Deine Anmeldung mit dem Bestätigungslink.

Du willst Dein Bewerberprofil direkt anlegen?

Los geht´s!
ads lto paragraph
lto karriere logo
ads career people

Bereit für Karriere? Spannende Karriere-Chancen für Volljuristen.

Direkt zu passenden Stellen
logo lto karriere
TopJOBS
Logo von Görg
Prak­ti­kan­ten­pro­gramm GÖRG law ta­l­ents

Görg , Köln

Logo von Gleiss Lutz
Wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­beit (m/w/d) Dis­pu­te Re­so­lu­ti­on

Gleiss Lutz , Mün­chen

Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Re­fe­ren­da­re (m/w/d) für al­le Rechts­be­rei­che

FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG , Ber­lin

Logo von Gleiss Lutz
Re­fe­ren­dar­sta­ti­on Ber­lin

Gleiss Lutz , Ber­lin

Logo von FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG
Stu­den­ti­sche Aus­hil­fe (m/w/d)

FPS Rechtsanwaltsgesellschaft mbH & Co. KG , Ham­burg

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Rechts­an­walt (w/m/d) für Sach­ver­si­che­rung

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Mün­chen

Logo von BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB
Prak­ti­kan­ten

BLD Bach Langheid Dallmayr Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB , Köln

Logo von Technische Universität München
Voll­ju­ris­tin­nen/Voll­ju­ris­ten (w/m/d)

Technische Universität München , Mün­chen

Mehr Stellenanzeigen
logo lto events
Logo von e-fellows.net  GmbH & Co. KG
LL.M. Day München

21.03.2026, München

Betriebliche Verschonungsreglungen bei der Erbschaft-/Schenkungsteuer

09.03.2026

Der Sachverständige im Arzthaftungsprozess

09.03.2026

Alkohol & Cannabis im Arbeitsverhältnis

10.03.2026

RÖDL Financial Modeling School – Financial Modeling Basis Eschborn

18.03.2026, Eschborn

Mehr Events
Copyright © Wolters Kluwer Deutschland GmbH