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Verzögerte Auslieferungen bei Amazon: Börsenverein reicht Beschwerde beim Bundeskartellamt ein

25.06.2014

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat eigenen Angaben zufolge  Beschwerde gegen Amazon beim Bundeskartellamt eingereicht. Seit Anfang Mai verzögere der Online-Händler die Auslieferung von gedruckten Büchern der Verlagsgruppe Bonnier, um so höhere Rabatte beim Einkauf von E-Books zu erzwingen. Amazon missbrauche damit seine Marktmacht.

"Amazon verstößt mit seinem erpresserischen Vorgehen gegenüber Verlagen gegen das Kartellrecht", sagt der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis. "Das Geschäftsgebaren Amazons hat nicht nur Auswirkungen auf die betroffenen Verlage, sondern stellt eine Gefahr für alle Anbieter und Vertreiber von E-Books in Deutschland dar."

Der Börsenverein wirft Amazon vor, von den Verlagen der Bonnier-Gruppe eine Erhöhung der Rabatte beim E-Book-Einkauf von derzeit rund 30 auf 40 bis 50 Prozent des Preises für Printausgaben zu verlangen. Damit würde Amazon ohne sachlich gerechtfertigten Grund deutliche Vorteile gegenüber anderen Abnehmern elektronischer Bücher erhalten. Durch eine gleichzeitige Lieferverzögerung baue die Onlinehandelsplattform erheblichen Druck auf die betroffenen Verlage auf, die die wirtschaftlichen Konsequenzen unmittelbar zu spüren bekämen. Dies komme einer Nötigung gleich, da Amazon als marktbeherrschender Online-Vertriebspartner für die Verlage unverzichtbar sei.

Amazon bestreitet Vorwürfe

In einer eigenen Pressemitteilung wies Amazon am Mittwoch die Vorwürfe zurück. Amazon verzögere keine Lieferungen an Kunden. "Für einige Printtitel des Verlagshauses Bonnier kaufen wir derzeit weniger Lagerbestand ein, als wir dies normalerweise tun würden. Bestellungen von Titeln, die wir auf Lager haben, verschicken wir sofort." Bei Titeln, die Amazon vorübergehend nicht auf Lager habe, liege der Grund für die Verspätung bei Bonnier selbst. Schließlich müssten diese Titel jeweils erst bei der Verlagsgruppe bestellt und dann noch geliefert werden. "Sobald die bestellten Titel bei uns ankommen, verschicken wir sie umgehend an Kunden."

Zum Vorwurf, ungerechtfertigte Rabatte einzufordern, äußert sich Amazon wie folgt: "Es ist allgemein anerkannt, dass E-Books für Kunden günstiger sein sollten als die entsprechende Printversion, denn bei digitalen Büchern entfallen Druck- und Frachtkosten, Lagerung und Retouren", schreibt Amazon. Während diese Preisvorteile von den meisten Verlagen auch weitergegeben würden, sei dies bei Bonnier anders: "Bei der großen Mehrheit der Titel, die wir von Bonnier verkaufen, verlangt Bonnier von uns wesentlich mehr für die digitale Version eines Titels als für die gedruckte Version des gleichen Titels."

mbr/LTO-Redaktion

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Verzögerte Auslieferungen bei Amazon: Börsenverein reicht Beschwerde beim Bundeskartellamt ein . In: Legal Tribune Online, 25.06.2014 , https://www.lto.de/persistent/a_id/12346/ (abgerufen am: 23.04.2021 )

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