Kalifornien klagt gegen den Autohersteller: Ras­sismus bei Tesla?

von Stefan Schmidbauer

11.02.2022

Der US-Bundesstaat Kalifornien wirft Tesla Diskriminierung und Belästigung Schwarzer Mitarbeitender vor und reicht Klage ein. Das Unternehmen ist sich keiner Schuld bewusst.

Schwarze Angestellte seien bei Tesla rassistischen Beleidigungen ausgesetzt und würden unter anderem im Hinblick auf Arbeitsaufträge, Bezahlung und Beförderungen benachteiligt. Auf diese und andere Verstöße in der Fabrik in Fremont verweist das kalifornische Department of Fair Employment & Housing (DFEH) und hat deshalb eine Klage gegen den Autohersteller Tesla eingereicht.

Die Behörde hat nach eigenen Angaben Hunderte von einschlägige Beschwerden von Mitarbeitenden erhalten, Tesla habe jahrelang nichts gegen die Diskriminierung unternommen und dulde auch rassistische Schriften und Symbole wie Hakenkreuze im Umfeld der Arbeitsstätte.

Behörde wirft Tesla Untätigkeit vor

In der Klageschrift, die LTO vorliegt, macht die DFEH darüber hinausgehend geltend, dass Schwarzen und Afroamerikanischen Mitarbeitenden systematisch die körperlich herausfordernsten Aufgaben zugewiesen würden und sie bei Entlassungen überproportional betroffen seien.

Schon im Jahr 2012 sei Tesla erstmals mit den Vorwürfen konfrontiert worden, ohne dass sich die Arbeitsbedingungen nennenswert verbessert hätten. Auch habe Tesla keine ausreichenden Vorkehrungsmaßnahmen in die Wege geleitet. Mit der Klage will das DFEH erreichen, dass das Gericht den Betroffenen Entschädigungen zugesteht und Tesla wegen Gesetzesverstößen zu Strafzahlungen verurteilt wird.

Der Vorwurf, nichts gegen rassistische Auswüchse unternommen zu haben, trifft das Unternehmen nicht zum ersten Mal. Im vergangenen Jahr wurde Tesla in einem Verfahren um rassistische Beleidigungen und Herabwürdigungen von einem Gericht in San Francisco zur Zahlung von knapp 137 Millionen Dollar verurteilt. Der Autobauer hat zwischenzeitlich angekündigt, gegen das Urteil vorzugehen.

Tesla wiegelt ab

Tesla ist bemüht, das mediale Echo gering zu halten und belässt es bislang bei einer kurzen Stellungnahme in einem Blog des Unternehmens. Darin wird die Klage als "fehlgeleitet" bezeichnet. Man setze sich gegen Diskriminierung und Rassismus ein und nehme diesbezügliche Vorwürfe stets ernst. In den vergangenen fünf Jahren seien knapp 50 Vorfälle durch die DFEH untersucht worden, nie sei Tesla ein Fehlverhalten nachgewiesen worden.

Das Verhältnis zwischen Tesla-Vertretern sowie seinem prominenten Aushängeschild Elon Musk und dem US-Bundesstaat ist bereits in den beiden letzten Jahren merklich abgekühlt. Nach Differenzen bezüglich der Wiedereröffnung der Produktionsstätte Fremont hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr angekündigt, seinen Firmensitz nach Texas zu verlegen.

Zitiervorschlag

Kalifornien klagt gegen den Autohersteller: Rassismus bei Tesla? . In: Legal Tribune Online, 11.02.2022 , https://www.lto.de/persistent/a_id/47522/ (abgerufen am: 27.09.2022 )

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